Marketing | 20.10.2008

Mut zum Preis statt Billigschiene

Nicht auf „Schnäppchen-Kultur“, sondern auf Qualität und ansprechende Preise setzen, war der Tenor auf der 8. Fachtagung für Urlaub auf dem Bauernhof, die der Südtiroler Bauernbund diese Woche organisiert hatte. Mit einer starken Marke wie dem „Roten Hahn“ und unverwechselbaren Bauernhof-Angeboten könnten höhere Preise ohne weiteres erzielt werden.

Austauschbare Angebote, preisaggressive Wettbewerber und Kosten- statt Qualitätsdenken führen auch im Tourismus zu einem noch nie dagewesenen Preiskampf. Bei dieser „Schnäppchen“-Kultur dürfe der Urlaub auf dem Bauernhof nicht mitmachen, warnte Markenexperte Christian Schölnhammer vom Institute of Brand Logic aus Innsbruck. „Billigangebote führen in den Augen des Konsumenten zu einer Entwertung des Angebotes und zu einer Beschädigung des Images. Zudem wirken sie sich direkt auf den Preis und damit den Gewinn aus. Auch durch mehr Ankünfte lassen sich die gewährten Rabatte kaum ausgleichen“, erklärte Schölnhammer. Bei Billigangeboten geht laut Schölnhammer außerdem der Preis als Wertindikator verloren. Studien belegen, dass der Konsument weit weniger preissensibel ist als allgemein angenommen. „96 Prozent der Konsumenten sind bereit, für bestimmte Qualitätsprodukte mehr Geld auszugeben. Zudem vergleichen Konsumenten meist nur zwei oder drei Angebote miteinander“, so Schölnhammer.
Statt auf Billigangebote zu setzen, versuchen die Urlaub auf dem Bauernhof-Betreiber, mit unverwechselbaren Angeboten zu punkten. „Authentische Angebote, die die Stärken des Bauernhofes widerspiegeln, sich in Kleinigkeiten positiv von anderen Mitbewerbern unterscheiden und sich sowie das Angebot wertig zu präsentieren, sind Erfolgsgaranten“, so Schölnhammer. Eine besondere Qualität und ein marktgerechter Preis führe beim Kunden zu Vertrauen Das wiederum lasse höhere Preise zu.

Winter am Bauernhof stark im Kommen
Zunehmend interessant wird der Bauernhof für Winterurlauber – und das nicht nur in den Skigebieten. „Winterurlauber sehnen sich nach Entspannung, Natur und bodenständigen Angeboten. Da kommt der Bauernhof mit seinem Angebot genau richtig“, sagte der Tiroler Tourismusberater Bernhard Jochum. Lebendige Bauernhöfe, Authentizität und bäuerliche Produkte würden den Winter am Bauernhof zu einem Erlebnis machen.
Da der Wintergast vor allem an Naturerlebnissen, regionalen Highlights und an gutem Essen interessiert sei, müsse das Bauernhof-Angebot dementsprechend angepasst werden. „In Winter gibt es am Hof weniger Arbeit. Einen Teil der freien Zeit sollte mit den Gästen verbracht werden. Schneeschuhwandern, Vollmondrodeln, der bäuerliche Winteralltag und die bäuerliche Küche sind für Gäste spannend.“ Auch müsste der Winterurlaub noch stärker als bisher beworben werden. „Erfolgreich können auch jene Höfe sein, die nicht unmittelbar in einem Skigebiet liegen“, so Jochum.

Sich etwas Gutes tun
Wege zum Glücklich sein zeigte Monika Czerny von der Wiener Gesellschaft für ganzheitlich nachhaltige Entwicklung „Plenum“ auf. „Gedanken und Emotionen beeinflussen das eigene Wohlbefinden und die eigene Gesundheit und wirken sich auf die Menschen in der näheren Umgebung aus. Zum Glücklich sein gehören möglichst wenig Stress und Zeitdruck und eine positive Gedankenhaltung.“ Die innere Einstellung zu sich selbst, zu anderen Menschen, zu bestimmten Situationen und zum Leben entscheide wesentlich über das innere Glück. Um glücklich zu sein riet Czerny, sich nicht von den immer gleichen Gedanken beeinflussen zu lassen und nicht alles persönlich zu nehmen. „Jeder Mensch soll sich die Freiheit nehmen, nicht alle Bedürfnisse erfüllen zu müssen und nicht perfekt sein zu müssen“, so Czerny. Für das Glücklich sein sei wichtig, sich Pausen zu gönnen und sich hin und wieder Gutes zu tun. Ebenso solle sich jeder von Zeit zu Zeit selbst eine Freude machen. „Überall etwas Positives sehen, sich über Kleinigkeiten freuen, das innere Ja-Sagen und sich mit anderen freuen sind Wege zum Glücklich sein.“
Dank Atem- und Entspannungsübungen könne jeder zu Ruhe, innerer Freude und neuer Energie gelangen.

Wie Bäuerinnen begeistern
Wie Bäuerinnen Gäste begeistern, erklärten Sonja und Sebastian Zöggeler vom Oberfahrerhof in Jenesien/Flaas und Karin und Konrad Delazer vom Häuslerhof in Raas. Erstere setzten vor allem auf die unvergleichliche Landschaft zwischen zwei Hochplateaus und das Haflingerreiten. „Unsere Gäste reiten, wenn überhaupt, meist nur in Reithallen. In der freien Natur zu reiten ist für viele fast eine neue Erfahrung“, erklärte Sonja Zöggeler.
Für Karin Delazer unterscheidet der Bauernladen am Häuslerhof den Bauernhof von anderen Höfen. „Wir verkaufen selbstgemachte Marmeladen, Säfte usw. Seit fünf Jahren bieten wir am Hof auch Urlaub auf dem Bauernhof an. Jedes Jahr konnten wir unsere Übernachtungen steigern.“


Bilder (v.l.n.r.): Christian Schölnhammer, Bernhard Jochum und Monika Czerny;