Marketing | 19.10.2009

Emotion „Bauernhof“ noch besser vermitteln

Mit einer noch stärkeren Identifikation mit dem bäuerlichen Angebot, einer besseren Präsentation der hofeigenen Produkte, einem neuen gastronomischen Angebot und einer stimmigen Präsentation will der Urlaub auf dem Bauernhof auch in Zukunft am Markt erfolgreich sein. Diese „Zukunftsbilder“ waren Thema auf der heutigen Fachtagung für Urlaub auf dem Bauernhof in der Messe Bozen.

In den 10 Jahren seit Bestehen der Marke „Roter Hahn“ hat sich der Urlaub auf dem Bauernhof zu einem Erfolgsmodell entwickelt. Heuer verzeichnen die UaB-Betreiber bereits über 1,4 Mio. Nächtigungen. Nach Jahren des Aufbaus muss nun die Marke abgesichert werden, um nicht an „Strahlkraft“ zu verlieren. „Wir müssen die Identifikation mit der Landwirtschaft steigern. Der Gast muss das bäuerliche Angebot am Hof noch deutlicher spüren, die Natur erleben können und die Landwirtschaft kennen lernen. Wo Bauernhof draufsteht, muss auch Bauernhof drinnen sein“, erklärte Hans J. Kienzl, der Leiter der Abteilung Marketing im SBB. Ebenso wichtig sei, die Stimmigkeit zu verstärken. „Kinderspielplätze mit Plastikspielgeräten oder Orangensaft zum Frühstück passen nicht zu einem Bauernhof. Stattdessen müssen Unterkunft, Gastfreundschaft, Angebote und zum Beispiel Sprachkenntnisse stimmen“, so Kienzl.
Auch das Frühstücks- und Halbpensionsangebot müsse ausgebaut werden. „Derzeit bieten nur drei Prozent der Höfe mit Ferienwohnungen eine Halbpension und nur 25 Prozent ein Frühstück an. In den nächsten Jahren soll auf mindestens jedem zehnten Hof eine Wohnung oder Zimmer mit Halbpension buchbar sein. Frühstück sollten künftig mindestens die Hälfte der Höfe anbieten“.
Ein weiterer Trumpf der UaB-Betriebe: die hofeigenen Produkte. Diese müssten aber besser präsentiert werden – etwa durch eine Produktecke oder einen eigenen Hofladen. „Hofeigene Produkte sind unser Alleinstellungsmerkmal. Diese Chance müssen wir besser nutzen – auch, indem wir über unsere Produkte reden“, so Kienzl.

Kulinarische Weltreise weckt Sehnsucht nach lokalen Produkten
Dass der Urlaub auf dem Bauernhof mit seinen hofeigenen Produkten in Zukunft noch interessanter wird, davon ist auch die Trendforscherin und Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler vom Zukunftsinstitut Kelkheim überzeugt. Nach Jahren der „kulinarischen Weltreise“ und der gastronomischen Globalisierung sehne sich der Mensch wieder nach lokalen Produkten und der heimischen Küche. Und da sei der Bauernhof genau der richtige Ort. „Wir stellen fest, dass der Wunsch nach saisonalen, heimischen Produkten steigt. Ebenso spielt das Koch-Handwerk wieder eine größere Rolle“, sagte Hanni Rützler. Zudem würde auch der Megatrend Gesundheit lokale Produkte wieder interessant machen.
Theologe und Philosoph Clemens Sedmak appellierte an die Bäuerinnen und Bauern, trotz der großen Arbeitsbelastung am Hof nicht sich selbst zu vergessen. „Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen. Zusammen mit Vertrauen und dem Erleben der Natur sind das die Glücksfaktoren, die das Leben lebenswert machen.“
Landesrat Hans Berger sprach sich in seinen Grußworten für eine engere Zusammenarbeit mit dem Tourismus aus. Erste neue Initiativen seien bereits gestartet. „Wir müssen ein „Wir-Gefühl“ wecken.“ Zudem appellierte Berger an die Teilnehmer, weiter auf Qualität zu setzen. In Zukunft würde verstärkt kontrolliert werden, ob die Qualitätskriterien eingehalten werden.
Obmann Leo Tiefenthaler dankte den Bäuerinnen und Bauern für ihr großes Engagement. „Die Landwirtschaft hat durch den Urlaub auf dem Bauernhof und die hofeigenen Produkte nicht nur ein willkommenes Zusatzeinkommen, sondern erfährt dadurch eine große Aufwertung.“
Zum Abschluss der Tagung berichteten Helene und Paul Dissertori vom Dissertorihof aus Kaltern sowie Rosi und Martin Steiner vom Gönnerhof in Percha, wie sie ihre Gäste begeistern.


Fotos:
- Dissertorihof in Kaltern
- Hanni Rützler, Trendforscherin und Ernährungswissenschaftlerin
- Clemens Sedmak, Theologe und Philosoph