Marketing | 25.10.2010

Eine Südtiroler Erfolgsgeschichte

Knapp fünf Prozent mehr Nächtigungen im heurigen Jahr und über eine Million mehr in den letzten zehn Jahren: Der Urlaub auf dem Bauernhof ist eine Erfolgsgeschichte, wie es sie im Südtiroler Tourismus so wohl kaum noch einmal gibt. Auf der zehnten Fachtagung für den Urlaub auf dem Bauernhof haben etwa 800 Bäuerinnen und Bauern mit illustren Gästen das zehnjährige Bestehen der Marke „Roter Hahn“ gefeiert – und ein wenig sich selbst.

Die Zahlen sind in der Tat beeindruckend: In den ersten acht Monaten 2010 sind die Ankünfte um 4,6 Prozent gestiegen, die Nächtigungen sogar um 4,8 Prozent auf 1,47 Millionen. Noch deutlicher wird der Erfolg der Marke „Roter Hahn“ im Zehn-Jahres-Vergleich: Lagen die Ankünfte im Jahr 1999 bei 108.000 und die Nächtigungen bei knapp 800.000, kommen nur zehn Jahre später knapp 270.000 Gäste auf 1.855.000 Nächtigungen jährlich. „Die Auslastung unserer Mitgliedsbetriebe ist seit dem Start der Marke vor zehn Jahren um 66 Prozent gestiegen“, freute sich Hans J. Kienzl, der Leiter der Abteilung Marketing im SBB. Dabei waren die Anfänge alles andere als einfach. „Die Notwendigkeit, eine Marke zu schaffen, ist aus einer Notsituation heraus entstanden. Die Urlaub auf dem Bauernhof-Betriebe kämpften mit einem Billigimage“, erklärte Kienzl. Davon ist der Bauernhofurlaub mittlerweile weit entfernt. „Urlaub auf dem Bauernhof ist zu einem Qualitätssektor geworden. Wir verlangen im Alpenraum die höchsten Übernachtungspreise und sind für viele Regionen ein vielbeachtetes Modell – auch mit den zwei übrigen Säulen der Marke, den Qualitätsprodukten und dem bäuerlichen Schankbetrieben“, berichtete Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler.
Landesrat Hans Berger appellierte an die Bäuerinnen und Bauern, auch weiterhin auf Authentizität und Natürlichkeit zu setzen. „Wo Bauernhof draufsteht, muss auch Bauernhof drinnen sein. Wir brauchen keine Pseudo-Hotels oder Pseudo-Restaurants“, unterstrich Berger. Umfragen würden zeigen, dass für 66 Prozent der Gäste der direkte Kontakt mit der Familie, die Natur, die Tiere und die hofeigenen Produkte für die Urlaubsentscheidung ausschlaggebend seien. Gesteigert werden müsse weiter die Auslastung. „Da ist noch viel Potential vorhanden.“

Hoteliers die größten Gewinner der Berglandwirtschaft
Gelingen kann das für den Extrembergsteiger Reinhold Messner, wenn die Bäuerinnen und Bauern auch weiterhin ihre Eigenheit unterstreichen. „Im Tourismus hat das Lokale, das „Unsere“ einen immer größeren Stellenwert. Diese Identifikation ist auf dem Bauernhof besonders spür- und erlebbar.“ Messner appellierte, noch mehr auf heimische Produkte zu setzen und diese verstärkt am Hof zu veredeln.
Überzeugt ist Messner auch, dass der heimische Tourismus von einer funktionierenden Landwirtschaft nicht nur profitiert, sondern sie die Voraussetzung für einen erfolgreichen Tourismus ist. „Südtirol zeichnet sich durch seine Natur- und Kulturlandschaft aus. Die Berge sind gegeben, die Kulturlandschaft haben wir unseren Bauern zu verdanken.“ Wie hofeigene Produkte im Urlaub auf dem Bauernhof richtig eingesetzt werden können, zeigte der Kärntner Feinkosthändler Herwig Ertl auf. „Die Produkte müssen zelebriert werden und eine Botschaft vermitteln. Eine Schüssel Äpfel mit einem Kärtchen, das auf die Frische der Äpfel oder deren Gesundheitswert hinweist, ist etwas anderes als eine Schüssel Äpfel ohne irgendetwas.“ Ebenso wichtig sei es, die Produkte entsprechend zu präsentieren. „Milch oder Apfelsaft im einem hochwertigen Glas vermitteln eine höhere Qualität und geben dem Gast das Gefühl, dass das Produkt seinen Preis wert ist“, verriet Ertl, der die Anwesenden zu mehr Kommunikation und weniger Bescheidenheit aufrief. „Wir haben gute Produkte, also sollten wir sie auch kommunizieren.“
Monika von Payr, Mitarbeiter der Abteilung Marketing im SBB, hat die Entwicklung der Marke „Roter Hahn“ aufgezeigt. Wie Bäuerinnen und Bauern mit Vitalangeboten und hofeigenen Produkten ihre Gäste begeistern, haben Hildegard und Franz Plattner vom Kastnerhof in Mölten sowie Brigitte und Paul Zelger vom Engadinerhof in Montan in zwei Kurzfilmen verraten.


Bilder:
- Für Reinhold Messner schaffe die Landwirtschaft erst die Voraussetzungen, damit erfolgreich Tourismus betrieben werden kann. Ohne eine funktionierende Landwirtschaft könnten viele Hotels zusperren.
- „Hofeigene Produkte müssen zelebriert werden und eine Botschaft vermitteln“, forderte Herwig Ertl auf der zehnten UaB-Fachtagung. Nur dann würde ihre wahrer Wert sichtbar.


www.roterhahn.it