Arbeitsberatung | 21.06.2012

Neuer Landeskollektivvertrag unterzeichnet

Am 7. Juni 2012 wurde zwischen den Sozialpartnern der neue Landeskollektivvertrag der landwirtschaftlichen Arbeiter, Gartenbauarbeiter und Jagdaufseher (ab jetzt LAKV genannt) unterzeichnet. Die Verhandlungen standen im Zeichen der Wirtschaftskrise, welche die Landwirtschaft in Südtirol erleiden muss.

Ziel der Vertreter der Gewerkschaften war es, für die Mitarbeiter einen Inflationsausgleich und somit den Erhalt der Kaufkraft zu vereinbaren. Die Arbeitgebervertreter verwiesen auf die letzthin enormen Kostensteigerungen bei gleichbleibenden Erlösen und den damit verbundenen Verlust der Rentabilität der Landwirtschaftsbetriebe. Letztendlich gelang es den Sozialpartnern einen Kompromiss zu finden, welcher von beiden Seiten akzeptiert werden konnte.
Nachfolgend werden die wichtigsten Neuerungen erklärt.

Gültigkeitsbereich
Dieser Artikel wurde an den nationalen Kollektivvertrag angepasst. Der Gültigkeitsbereich ist im Wesentlichen derselbe wie beim bisherigen Landeskollektivvertrag. Es ist nun allerdings klarer definiert, dass dieser Vertrag auch für die mit der Landwirtschaft verbundenen Tätigkeiten angewendet werden darf. Außerdem wurden die Tätigkeiten nochmals explizit aufgelistet.

Probezeit
Für Tagelöhner gilt weiterhin, dass bei einem Arbeitsverhältnis von über 60 Tagen die Probezeit auf bis zu einer Woche verlängert werden kann. Anderfalls gilt eine Probezeit von 2 Arbeitstagen.
Neu ist, dass sich die Probezeit um den Zeitraum verlängert wird, bei dem der Arbeiter bei den vorgeschriebenen Aus- Weiterbildungen, Untersuchungen u.ä. ist.

Entlohnung
Die Entlohnung wurde ab Juni 2012 um 2,70 % erhöht und für das nachfolgende Jahr 2013 um 2,50%. Das ehemalige provinziale Zusatzelement der Fixarbeiter wird in den Grundlohn integriert und wird somit abgeschafft. Dies hat den Vorteil für die Mitarbeiter, dass dies mit künftigen Lohnerhöhungen miterhöht wird.

Steuer und Beitragserleichterung zur Produktivitätssteigerung
Die Steuer- und Beitragserleichterungen zur Produktivitätssteigerung konnte in den LAKV integriert werden. Somit müssen die Sozialpartner nicht jährlich die Voraussetzungen schaffen, dass den Mitarbeitern diese Erleichterungen gewährt werden können.

Bereitschaftsdienst
Die Entschädigung für den Bereitschaftsdienst wurde von € 1,00 auf € 1,20 erhöht.

Naturalleistungen
Die Abzüge für Naturalleistungen wurden der Steigerung der Lebenshaltungskosten angepasst. Sie betragen nun wie folgt:
• Zimmer für Arbeiter: Wird dem Arbeiter eine Übernachtungsmöglichkeit geboten, können € 2,15 abgezogen werden.
• Essen: 2,15 € pro Mahlzeit bzw. 8,70 € pro Tag.
Dem Arbeiter werden somit im Falle von voller Kost und Logie € 10,85 pro Tag abgezogen.

Sonderfälle
Behinderte Landarbeiter
Mit einem Protokollvermerk haben die Sozialpartner vereinbart, dass sie die Integration in die Arbeitswelt von benachteiligten Personen unterstützen. Die paritätische Landeskommission erhält die Aufgabe, Lösungen für diese Integration auszuarbeiten und vorzuschlagen. Diese paritätische Kommission besteht aus Vertretern der Sozialpartner und ist im LAKV geregelt.


Überstunden
Grundsätzlich sieht der LAKV einen Aufschlag von 32 % auf Überstunden vor. Dem Arbeitgeber hat jedoch die Möglichkeit, eine bestimmte Anzahl von Mehrstunden durch Zeitausgleich kompensieren zu lassen. Verzichtet der Arbeitgeber auf diese Möglichkeit des Zeitausgleichs, so reduziert sich der Überstundenaufschlag bei Erntehelfern auf 15 Prozent.

Sozialleistungen bei Unfall und Krankheit
Die Sozialpartner haben vereinbart, die Machbarkeit einer territorialen Einrichtung zu überprüfen, welche dann die Integration des Arbeitgebers im Falle von Unfall oder Krankheit übernehmen könnte.
Eine weitere wichtige Neuerung ist, dass die Vorstreckung der Soziallleistungen immer dann ausgesetzt wird, wenn das NISF/INPS nicht in der Lage ist, die Beträge in einem annehmbaren Zeitraum zurückzuzahlen und eine Verrechnung im aktuellen und im Folgetrimester nicht möglich ist.

Ergänzung des Tagegeldes bei Unfall und Krankheit
Hier wurde nun spezifiziert, dass es sich bei den Tagen für die die Integration zu zahlen ist, um Kalendertage handelt (vom 04. bis zum 60. Kalendertag). Im LAKV von 2008 war noch die allgemeine Formulierung „Tage“ enthalten.

Meldung der Krankheit an den Arbeitgeber
Dieser Artikel wurde an die neuen gesetzlichen Bestimmungen angepasst und besagt, dass der Arbeiter innerhalb von zwei Tagen die Protokollnummer des elektronisch übermittelten Krankenscheines mitteilen muss.

Entlassungen
In einigen wenigen Fällen kann der Mitarbeiter entlassen werden. Dazu ist ein triftiger Grund oder eine gerechte Ursache notwendig. Diese wurden mit der Erneuerung des Kollektivertrages überarbeitet und neu formuliert. Unter anderem ist nun auch die schwere und wiederholte Trunkenheit ein triftiger Grund, den Mitarbeiter entlassen zu können.

Disziplinarmaßnahmen
Der Lohnabzug wegen disziplinärer Übertretungen wurde von zwei auf vier Stunden erhöht. Im Falle von wiederholten Übertretungen wurde dieser von einem halben auf einen ganzen Tag erhöht.

Überstunden bei Lehrlingen
Es gelten auf für Lehrlinge nun die allgemeinen Bestimmungen mit der zusätzlichen Einschränkung für die Minderjährigen.
 
Der neue Landeskollektivvertrag 2012 sowie die neuen Lohntabellen können unter Publikationen und Fomulare heruntergeladen werden.