Bauernbund | 23.01.2013

Optimismus trotz schwieriger Zeiten

Auch Rückschläge auf verschiedenen Ebenen bringen die Landwirtschaft nicht aus dem Konzept. Das wurde am heutigen Donnerstagvormittag beim Bäuerinnen- und Bauerntag des Burggrafenamtes im Veranstaltungszentrum KIMM in Untermais deutlich.

Begrüßt wurden die rund 300 Bäuerinnen und Bauern zunächst von der „Meraner Bauernmusig“ und dann von Bauernbund-Bezirksobmann Bernhard Burger und Bezirksbäuerin Maria Haller gemeinsam. „Wir bäuerlichen Organisationen müssen zusammenhalten, das macht uns stark und hilft uns, auch schwierige Zeiten zu überstehen und mit Optimismus nach vorne zu blicken“, unterstrich Haller.
Schwierige Situationen hatten die Bauern im Burggrafenamt im vergangenen Jahr einige zu meistern, wie Bezirksobmann Burger zu berichten wusste: „Die Qualität der Ernte war in allen Sektoren gut bis sehr gut, Sorgenfalten bereitete den Bauern aber das Wetter“, erklärte Burger. Während die Frostnacht am Ostermontag vor allem im Obst- und Weinbau zu erheblichen Ernteausfällen führte, hat es im Grünland – ganz im Gegensatz zum Jahr zuvor – 2012 vielerorts sogar zu viel geregnet. „Ob es vor allem in der Obstvermarktung gelingt, die geringere Ernte mit Hilfe der guten Qualität und einer günstigen Marktlage auszugleichen, ist derzeit noch fraglich“, blickt Burger nach vorne. Im Burggräfler Obstbau habe im vergangenen Jahr dann noch ein Wiederaufflammen der Apfeltriebsucht zu Problemen geführt. „Warum gerade wir so stark davon betroffen waren, kann sich auch die Forschung nicht erklären. Sicher ist nur, dass das konsequente Roden der befallenen Bäume der einzig mögliche Weg ist, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden“, betonte Burger. Zu kämpfen haben die Bauern – und das haben wieder alle Sektoren gemeinsam – mit den weiterhin explosionsartig ansteigenden Produktionskosten.
Mit gleich zwei richtungsweisenden Wahlen sei das Jahr 2013 ein „Schicksalsjahr für die Landwirtschaft“, wie es Bauernbund-Landesobmann-Stellvertreter Viktor Peintner bezeichnete. Besonders jetzt sei es enorm wichtig, dass sich die Bauern nicht auseinander dividieren lassen und ihre Stärken ausspielen: den Zusammenhalt und die Geschlossenheit.
Gastreferent Alexander Brenner-Knoll sprach zu den Folgen der Eurokrise auf die Landwirtschaft. Die Globalisierung und die Finanzmärkte hätten Europa in den vergangenen Jahren enorm unter Druck gesetzt. Für das hochverschuldete Italien habe sich die Lage letzthin zwar etwas entspannt, für eine Entwarnung sei es aber noch viel zu früh. „Die Landwirtschaft muss sich auf einen Konsumrückgang einstellen, der angesichts der Lage Italiens vor allem auf die Milchwirtschaft auswirken wird. Schließlich sind die Südtiroler Milchhöfe gerade hier in vielen Bereichen ganz vorne mit dabei, und eine kleine Änderung im Konsumverhalten wirkt sich stark aus“, erklärt Brenner-Knoll. Der Preisdruck der Handelsriesen, der im Vergleich zum Dollar hohe Euro-Kurs und der Zwang zu Rationalisierungen seien weitere Herausforderungen für die Landwirtschaft. Gut aufgestellt sei Südtirol bei der Erschließung neuer Märkte für die Produkte sowie im Bereich Marketing. „Hier haben wir einen Vorsprung gegenüber anderen, den wir aber nicht aus der Hand geben dürfen“, forderte Brenner-Knoll.
Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner stellte eine Reihe von Neuerungen vor, die auf die bäuerlichen Familien im Jahr 2013 zukommen. Bei den meisten davon handle es sich um teils unsinnige bürokratische Belastungen und neue Abgaben. „Als Bauernbund versuchen wir immer das Möglichste, um unseren Mitgliedern solche Hürden zu ersparen. Vor allem im Bereich der Arbeitssicherheit zeigt sich aber leider, dass bei den staatlichen Stellen der Blick für das richtige Maß verloren gegangen ist“, bedauerte Rinner. Es sei jedenfalls wichtig, auf allen politischen Ebenen – in Rom genauso wie in Brüssel – ständig am Ball zu bleiben.
Bauernjugend-Landesobmann Hannes Dosser stellte abschließend den neuen „BeratungsRing Berglandwirtschaft“ vor, der im Laufe des Jahres seine Tätigkeit voll aufnehmen soll. „Wir haben ein Konzept erstellt, mit dem wir die bislang recht unkoordinierte Beratung zwischen Bergbauernberatung, Zuchtorganisationen, Tierärzten und anderen Einrichtungen vereinheitlichen wollen. Vor allem in betriebswirtschaftlichen Fragen haben Umfragen einen Aufholbedarf aufgezeigt“, betonte Dosser. Mit der neuen Beratung soll den Betrieben in der Berglandwirtschaft eine Zukunftsperspektive gegeben und so ein weiterer Rückgang der Betriebe vermieden werden.


Foto: Bezirksobmann Bernhard Burger blickte auf das abgelaufene Jahr zurück.