Bauernbund | 28.01.2013

„Müssen Marktnischen besetzen“

Mehr Mut zur Innovation und zur besseren Nutzung neuer Marktnischen hat Bauernbund-Bezirksobmann Andreas Tappeiner heute auf der Bezirkstagung in Schlanders gefordert. Besonders für lokale Produkte wären die Zeiten derzeit besonders günstig.

Dass von der Wirtschaftskrise in der Landwirtschaft nur wenig zu spüren ist, ist für Tappeiner auch ein Verdienst der Genossenschaften. Mit dem Zusammenschluss der Vinschger Obstgenossenschaften zur Vermarktungsorganisation Vi.P hat der Vinschgau ein wichtiges Zeichen gesetzt. Nun habe auch die Milchwirtschaft mit der neu gegründeten „Bergmilch Südtirol“, dem Zusammenschluss von Mila und Senni, nachgezogen. Obwohl die genossenschaftliche Vermarktung auch in Zukunft die wichtigste Absatzschiene für Vinschger Bauernprodukte bleiben wird, forderte Tappeiner die Bauern auf, selbst stärker auf Veredelung und Vermarktung zu setzen. „Wir müssen unsere Chance in den Marktnischen suchen. Besonders Sonderkulturen, aber auch der Zu- und Nebenerwerb mit dem Urlaub auf dem Bauernhof, der Direktvermarktung und den bäuerlichen Schankbetrieben, bieten gerade für das Berggebiet Potential, das es besser zu nutzen gilt.“ Dazu laufen derzeit verschiedene Initiativen, wie der Innovationsschalter des Südtiroler Bauernbundes, ein ESF-finanziertes Projekt zum Anbau von Sonderkulturen und ein Projekt zur besseren Nutzung von einheimischem Holz.
Um die Chancen in der Nische zu nutzen, müssten die Landwirte offen für Neues und flexibel sein. Die Politik sei gefordert, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Schulen würden bereits jetzt durch interessante Aus- und Weiterbildungsangebote ihren Beitrag zu neuen Produkten und Dienstleistungen leisten.

Konsumenten wünschen Regionalität
Ein besonderes Potential sieht Tappeiner in der Direktvermarktung – egal ob ab Hof, auf Bauernmärkten oder im Einzelhandel. „Der Konsument fragt immer öfter nach regionalen Produkten. Diesen Trend müssen wir nutzen.“ Dass regionale Produkte in der Gunst der Konsumenten mittlerweile vor den Bioprodukten liegen, hat auch Bettina Schmid, Leiterin des Cluster Alimentaris im TIS Innovation Park bestätigt. Sie appellierte, die neuen Trends – Regionalität, Gesundheit, Convenience Food und Qualität – im Auge zu behalten. „Erfolgreiche Produkte müssen Nähe und Vertrautheit, Emotionen, Identität und Sinn vermitteln. Zudem sollten sie natürlich produziert werden, gesund sowie attraktiv im Aussehen sein.“

Kein Obstbau ohne Pflanzenschutz
Um als Obstbauer am Markt bestehen zu können, muss er erstklassige Äpfel produzieren. Das sei ohne Pflanzenschutz auch in Zukunft nicht möglich. Dank des „Integrierten Pflanzenschutzes“ konnte der Mitteleinsatz reduziert werden. Zudem würde alles unternommen, um die Abdrift zu minimieren, versicherte der Senatskandidat Hans Berger. „Wenn jeder Bauer verantwortungsbewusst handelt und auf seinen Nachbarn Rücksicht nimmt, wird es in Zukunft keine Schwierigkeiten geben.“
Zusammen mit Hans Berger waren heute auch die beiden Parlamentskandidaten Albrecht Plangger und Karl Zeller in Schlanders. Alle drei Parlamentskandidaten versicherten, sich in Rom für die Anliegen der Landwirtschaft einzusetzen. „Nicht nur Brüssel, sondern besonders Rom bestimmt die heimische Landwirtschaft maßgeblich mit. Beispiele dafür sind die Arbeitssicherheit oder der Pflanzenschutz. Daher ist es gut, wenn Südtirol in Rom stark vertreten ist“, erklärte Berger.
Die Herausforderungen im heurigen Jahr, besonders die Arbeitssicherheit, die EU-Verhandlungen über die neue Finanzperiode bis 2020, die Initiativen zur Flächensicherung und die neue Agrarkreditgenossenschaft, stellte SBB-Landesobmann Leo Tiefenthaler vor.

 

 

„Wie eine Adelung“

Festlich wurde es auf der Bezirkstagung, als Hans Berger die Erbhofurkunde an die Familien Pichler von Hof Bachgut in Tarsch und Oberdörfer vom Klosterhof in Latsch verlieh.

Als ein außergewöhnliches Beispiel für die Verbundenheit mit Grund und Boden bezeichnete Landesrat Hans Berger die Erbhoffamilien. Denn ein Erbhof sein Eigen nennen darf eine Familie nur, wenn ein geschossener Hof in den letzten zweihundert Jahren nur in gerader Linie oder in Seitenlinie bis zum 2. Grad weitergegeben worden ist. „Aufgrund der bewegten Geschichte Südtirols ist der Titel Erbhof wie eine Adelung und hierzulande höher einzuschätzen als in Tirol.“ Zudem seien die Erbhöfe, mittlerweile immerhin 1.107 im ganzen Land, ein unschätzbarer Reichtum für Südtirol.
Ein Erbhof ist Anerkennung und Auftrag zugleich. „Anerkennung für die Generationen zuvor, die trotz schwerer Zeiten am Hof ausgeharrt und ihn weiterbewirtschaftet haben. Es ist aber auch eine Verpflichtung für die heutigen Besitzer, den Hof an die Nachkommen weiterzugeben.“
Zwei neue Erbhöfe
Seit 1769 ist der Hof Bachgut in der Fraktion Tarsch in Familienbesitz. Lebte der Hof früher vom Getreide- und Marillenanbau und der Viehwirtschaft, begann die Familie Pichler in den 70-er Jahren mit dem Obstbau. Im Jahr 2000 hat Bauer Wolfgang Pichler den Hof von seiner Mutter übernommen und bewirtschaftet ihn mit seiner Frau Romana und den Kindern Mathias, Lisa und Jonas. Im Nebenerwerb hat Wolfgang Pichler einen Imkereibetrieb aufgebaut.
Seit 1812 ist der Klosterhof in Latsch im Eigentum der Familie Oberdörfer. Bereits früh wurde der Hof von der Viehwirtschaft auf Obstanbau umgestellt und am Hof Urlaub auf dem Bauernhof angeboten. Bereits mit 16 Jahren musste Karl Oberdörfer den Hof übernehmen, der in vielen Vereinen tätig war. Heute führte Sohn Hansjörg und dessen Familie den Hof.