Bauernbund | 05.02.2013

Alt vor neu

Südtiroler Bauernbund stellt Maßnahmen zur Flächensicherung vor – Sanieren statt neu bauen

Die Fläche eines Fußballfeldes wurde in den letzten Jahren tagtäglich (!) in Südtirol verbaut. Um bebaubare Flächen zukünftig effizienter zu nutzen und den Flächenverbrauch besser zu steuern, hat der Südtiroler Bauernbund zusammen mit Experten über 40 Maßnahmen für eine nachhaltige Flächensicherung ausgearbeitet. Die notwendige wirtschaftliche und soziale Weiterentwicklung Südtirols wird dadurch aber nicht behindert.

Bereits im Sommer letzten Jahres hat der Südtiroler Bauernbund auf den enormen Flächenverbrauch hingewiesen. In den letzten 40 Jahren hat sich die verbaute Fläche mehr als verdreifacht. Jährlich werden über 270 Hektar Land zubetoniert. Geht dieser Trend weiter, ist in spätestens 150 Jahren kein Bauland mehr vorhanden. Die Folgen für die Lebensmittelproduktion, die Umwelt, die zukünftigen Generationen, aber auch für den Tourismus und das Freizeitverhalten der Südtiroler wären gravierend.
Daher hat der Südtiroler Bauernbund zusammen mit Experten aus Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Landesverwaltung einen Maßnahmenkatalog mit Vorschlägen zur besseren Nutzung und damit zur nachhaltigen Flächensicherung erstellt.

Braun vor grün = alt vor neu
Die wichtigste Maßnahme: Bestehendes Bauvolumen muss besser genutzt werden. Um dies zu erreichen, sollten Sanierungsmaßnahmen stärker als in der Vergangenheit unterstützt werden. „Bisher war es so, dass für Private ein Neubau günstiger war als eine Sanierung. Den höheren Kosten einer Altbausanierung muss die Politik nun mit zusätzlichen Förderungen Rechnung tragen“, fordert Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. Zudem muss die Förderung der energetischen Sanierung weitergehen.
Auch mit neuen Formen des Wohnens, wie Mehr-Generationen-Haushalten, könnte Baugrund gespart werden. „Hier werden wir Überzeugungsarbeit leisten müssen“, ist Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler überzeugt.
Eine Obergrenze, ähnlich dem Tiroler Vorbild, soll es für Zweitwohnungen geben. Dadurch wird der Zweitwohnungstourismus beschränkt.

Neuerungen für Betriebe vorgeschlagen
Speziell für Betriebe schlägt der Südtiroler Bauernbund vor, die Anmietung von Betriebsgebäuden zu forcieren. Der Kauf von bestehenden Gewerbeimmobilien muss, ähnlich wie bei Privaten, finanziell besser unterstützt werden. Bei der Sanierung von Gebäuden könnten die Bauabgaben und die IRAP reduziert werden. Hingegen soll der Neubau von Gewerbevolumen eingeschränkt werden. „Wir möchten, dass der Bauwerber nachweisen muss, dass kein Bestandsvolumen verfügbar ist, das seinen Anforderungen entspricht. Dafür braucht es eine Liegenschaftsdatenbank“, erklärt Siegfried Rinner.

Raumordnung zu kompliziert
Generell fordert der SBB eine Vereinfachung der Raumordnung. „Die Bestimmungen sind zu komplex. Die Raumordnung muss wieder verständlicher und klarer werden, ohne die Prinzipen aufzuweichen. Vereinfachung bedeutet nicht Liberalisierung“, stellt Tiefenthaler klar. Zudem sollten Ausnahmen wirklich Ausnahmen bleiben und Anlassgesetzgebung verhindert werden. Eine wichtige Maßnahme wäre, den Bauleitplan wieder zu einem richtigen Planungsinstrument zu machen. Ein besonderes Augenmerk gilt auch dem übergemeindlichen Bauen. „Die STEP-Initiative für Gewerbegebiete geht in die richtige Richtung, allerdings muss auf eine ausgewogene räumliche Entwicklung geachtet werden“, ist Direktor Rinner überzeugt.

Flächenmonitoring ist gefragt
Was in Südtirol fehlt, ist ein Flächenziel, wie es in Deutschland üblich ist. Dieses sollte ressortübergreifend sein. Zudem könnte jede gesetzliche Maßnahme einem Flächencheck unterliegen“, schlägt Tiefenthaler vor. Anhand eines Flächenmanagements muss das Flächenziel laufend überprüft werden. Weiters sollten die bestehenden Infosysteme zusammengeführt werden, um einen kompletten Überblick über die Raumplanung zu erhalten.
Besser zu nutzen ist auch die Liegenschaftsdatenbank der BLS. „Im Ausland gibt es ein Gebäudebestandsregister für leer stehende Gebäude und eine Flächen-Datenbank. Hätten wir dieses System auch hierzulande, würden in Bozen Süd sicherlich nicht 144 Gewerbebauten leer stehen“, ist sich Tiefenthaler sicher.
Eine Flächenbilanz braucht es aber auch auf Gemeindeebene – ähnlich der Widmungsbilanz in Tirol. „Gemeinden, die mit Grund und Boden besonders sparsam umgehen, sollten zudem prämiert werden.“

Auch Landwirtschaft ist gefordert
Der Südtiroler Bauernbund nimmt auch die Bäuerinnen und Bauern in die Pflicht. In der Vergangenheit wurde im landwirtschaftlichen Grün zu viel gebaut – auch von den Bauern selbst. Wir wollen, dass das Bauen dort stärker beschränkt wird“, fordert Rinner. Nach Möglichkeit sollten, wenn überhaupt, nur Flächen verbaut werden, die für die landwirtschaftliche Produktion nur zweitrangig sind. Auf den besten Böden müssen wir weiterhin Lebensmittel produzieren“, sagt Rinner.
Und nicht zuletzt muss die Öffentlichkeit – Wirtschaft, Politik und Gesellschaft - von der Notwendigkeit der Flächensicherung überzeugt werden. „Wir haben im letzten Sommer viele positive Rückmeldungen erhalten. Das zeigt uns, dass bereits große Teile der Gesellschaft unser Anliegen unterstützen“, berichtet Tiefenthaler.

Flächenallianz als Plattform
Da die Flächensicherung nicht die Landwirtschaft alleine betrifft, sollen möglichst alle Interessierten an einen Tisch geholt werden. Dazu möchte der Südtiroler Bauernbund eine „Südtiroler Allianz für den Flächenschutz“ ins Leben rufen. Diese soll Ideen aufgreifen, Lösungen ausarbeiten und die Politik in der Umsetzung unterstützen.