Bauernbund | 08.02.2013

„Große Herausforderungen, aber auch große Chancen“

Klausurtagung des Südtiroler Bauernbundes: Arbeitsprogramm 2013 vorgestellt – Bürokratieabbau ein Hauptanliegen

Viel vorgenommen hat sich der Südtiroler Bauernbund (SBB) für das Jahr 2013, das nicht einfach werden dürfte, wurde heute auf der Klausurtagung in Terlan klar.

Weniger Bürokratie in vielen Bereichen, einen besseren Schutz landwirtschaftlicher Nutzflächen und neue Erwerbsmöglichkeiten gerade in der Berglandwirtschaft sind einige der Schwerpunkte des SBB.

Mit immer neuen und oft praxisfremden Auflagen, die vor allem Zeit und Geld kosten, sehen sich die Bäuerinnen und Bauern konfrontiert. Besonders ärgerlich: Bei vielen neuen Bestimmungen - besonders im Bereich Arbeitsschutz - werde nicht zwischen einem Großbetrieb in der Poebene und einem kleinen Familienbetrieb im Berggebiet unterschieden, kritisierte SBB-Direktor Siegfried Rinner. „Es kann nicht sein, dass Erntehelfer eine zweitägige Ausbildung besuchen müssen, damit sie zwei, drei Wochen lang Äpfel pflücken dürfen.“ Ein weiteres Beispiel für unnötige Bürokratie seien die Kunden-Lieferanten-Listen für Betriebe mit einem Umsatz (nicht Gewinn!) von unter 7.000 Euro. Auch die Bestimmungen zur Abfallbewirtschaftung (SISTRI) und zum Abfalltransport stoßen im SBB auf Widerstand. „Wir werden den zukünftigen politischen Vertretern in Rom einen Rucksack voll mit Anregungen und Anliegen mit auf den Weg geben, mit denen wir die Belastungen für unsere Kleinbetriebe mindern wollen“, kündigte Rinner an. Gleichzeitig forderte Rinner von Rom mehr Handlungsspielraum - beispielsweise bei der Jagd oder dem Landschaftsschutz. 

Nicht erfreut ist der Bauernbund mit dem gestern ausverhandelten EU-Budgetkompromiss. „Die Budgetkürzungen schmerzen. Viel mehr aber stört uns die Tatsache, dass die erste und zweite Fördersäule gleichermaßen gekürzt werden“, so Rinner. Während die Kürzung der historischen Betriebsprämien in der ersten Säule gerechtfertigt sei, hätte die Finanzierung der zweiten Säule mit der für Südtirol so wichtigen Bergbauernförderung gleich bleiben müssen.

Handlungsbedarf sieht der Südtiroler Bauernbund auch im Land selbst, zum Beispiel in der Raumordnung. „Wir setzen uns für einen besseren Schutz der landwirtschaftlichen Kulturflächen ein und haben erst diese Woche dafür unsere Vorschläge präsentiert“, erklärte SBB-Obmann Leo Tiefenthaler. Vereinfacht werden müssen die Kulturänderungsverfahren wie z. B. die Umwidmung von Wald in Wiese. „Diese dauern derzeit einfach zu lange.“

Ein Schwerpunkt der Verbandstätigkeit des Südtiroler Bauernbundes bleibt auch 2013 die Unterstützung der Berglandwirtschaft. Ein Meilenstein wird die neue Bergbauernberatung sein, die heuer startet. „Was wir brauchen, ist eine Grundsicherung und neue Zu- und Nebenerwerbsmöglichkeiten für unsere Familienbetriebe. Sonst werden wir irgendwann keine flächendeckende Landwirtschaft mehr haben“, warnte Tiefenthaler. Alle zusammen seien gefordert, neue Chancen in der Vermarktung zu suchen und zu nutzen. Der Südtiroler Bauernbund bietet seinen Mitgliedern zu diesem Zweck einen neuen Innovationsschalter. Dieser soll für Bauern mit guten Ideen, die auf Nischenmärkte setzen und ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung entwickeln möchten, die erste Anlaufstelle werden.

Unterstützt werden muss auch das Genossenschaftswesen, das die tragende Säule der landwirtschaftlichen Vermarktung ist.

Ein wichtiges Vorhaben, das in Kürze umgesetzt wird, ist die erste Garantiegenossenschaft Creditagri. Dank der Bürgschaft der Genossenschaft sollten Kredite für Investitionen günstiger werden.

Ein weiteres Anliegen des SBB ist der Kampf gegen die Abwanderung. „Wir müssen alles unternehmen, um Arbeitsplätze auch auf dem Land zu schaffen bzw. zu erhalten. Nur dann bleiben die Menschen in den Tälern“, sagte Tiefenthaler. 

Weitere Anliegen des SBB sind die soziale Sicherung, vor allem eine bessere Rentenabsicherung und der Ausbau der Weiterbildung.

„Ziel aller Maßnahmen ist eine wettbewerbsfähige kleinbäuerliche Land- und Forstwirtschaft. Dafür werden wir uns weiterhin einsetzen“, versicherte Tiefenthaler.


Bildtext: Nach der Vorstellung des Arbeitsprogrammes folgte traditionell die Diskussion mit den Funktionären. Die politischen Vertreter EU-Abg. Herbert Dorfmann, Hans Berger, Abg. Rosa Thaler, SBB-Landesobmann Leo Tiefenthaler und Abg. Maria Kuenzer standen Rede und Antwort.