Bauernbund | 24.02.2013

Auf gutem Weg

Die Landwirtschaft in Südtirol steht vor großen neuen Herausforderungen. Sie ist aber auch gut für die Zukunft gerüstet. Das wurde auf der 66. Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes deutlich.

Künftig werden weltweit neun Milliarden Menschen ernährt werden müssen. Das ist eine große Herausforderung für die landwirtschaftliche Produktion und für die Lebensmittelindustrie. Die industrielle Landwirtschaft und die großen Konzerne werden deshalb auch in Zukunft ihren Stellenwert als Versorger und Verteiler behalten. Landesobmann Leo Tiefenthaler stellte bei der diesjährigen Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes aber gleichzeitig fest: „Es gibt daneben aber auch immer mehr Menschen, die regionale Lebensmittel schätzen. Und genau hierin liegt die Chance für die heimische Landwirtschaft!“ Die klein strukturierten Betriebe Südtirols können diesen Wunsch nach Regionalität erfüllen. „Bei uns haben die Kühe noch Namen. Bei uns kann sich der Konsument noch sicher sein, dass draufsteht, was drinnen ist,“ so Tiefenthaler weiter. Und so solle und müsse es auch sein. Lebensmittelskandale, wie der wegen Pferde- und Eselfleisch im Rinderhack, leisten diesem Trend nach regionaler Qualität Vorschub: In kleinen Kreisläufen können Produkte bis zum Bauern und letztendlich bis zum einzelnen Tier, Baum oder Acker nachvollzogen werden. Das gibt dem Konsumenten Sicherheit. Und festigt die heimische Landwirtschaft.

Respekt vor Eigentum der Bauern
Die Südtiroler Landwirtschaft ist aber nicht nur Garant für qualitativ hochwertige Lebensmittel. Sie gestaltet und bewahrt auch die typische Kulturlandschaft, die für Einheimische und Gäste so reizvoll ist. Der Tourismus profitiert stark von dieser zusätzlichen Nutzen der Landwirtschaft, von gepflegten Almen, Wiesen und Weiden, von blühenden Obstwiesen und durchforsteten Wäldern. Dafür habe sich die Landwirtschaft aber auch Respekt verdient.„Viele wissen nicht, oder denken nicht daran: Einen Großteil der Flächen für Freizeit und Sport stellen unsere Bauern zur Verfügung,“ so Tiefenthaler weiter. „Dafür müssen aber auch die Spielregeln eingehalten werden.“

Flächenschutz als zentrales Thema
Tiefenthaler unterstrich, wie wichtig es sei, den ländlichen Raum lebenswert zu gestalten und entsprechende Infrastrukturen zu schaffen. Das soll außerhalb der Städte eine hohe Lebensqualität garantieren und die Bauern auf ihren Höfen und die Menschen in ihren Dörfern halten. Denn davon würden letztendlich alle profitieren. Auch sei es notwendig, verantwortungsvoller mit Grund und Boden umzugehen. „Wir sehen den Flächenschutz als zentrales Thema der nächsten Jahre an. Daher möchten wir eine Allianz für den Flächenschutz schaffen, in der sich politische und gesellschaftliche Kräfte gemeinsam engagieren,“ stellte Tiefenthaler in Aussicht.

Bürokratie ab- und Autonomie ausbauen
„Bauern sind Unternehmer“, sagte Tiefenthaler weiter. Als solche müssten sie mehr Freiraum zum Arbeiten erhalten. Alle Wirtschaftsbereiche, also Tourismus, Handel, Handwerk, Industrie und Landwirtschaft zusammen, sollten sich dafür stark machen, dass unnötige Bürokratie abgewendet und notwendige Bestimmungen möglichst praxistauglich angewandt werden. „Hilfreich wäre ein weiterer Ausbau der Autonomie,“ so Tiefenthaler. „Nur wenn wir möglichst viel selbst entscheiden können, erreichen wir auch das Beste für unser Land.“

Landwirtschaft ist kein Supermarkt
Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner appellierte an das Gemeinschaftsgefühl der Südtiroler: „Glauben Sie mir, jede bäuerliche Familie wünscht sich, vom eigenen Produkt leben zu können!“ Oft sei das aber nicht möglich. Deshalb brauche es Unterstützung um die Südtiroler Landwirtschaft zu erhalten. „Denn Landwirtschaft ist kein Supermarkt, von dem man das herauspicken kann, was man gerade braucht“, so Rinner weiter. „Landwirtschaft funktioniere nur als Ganzes!“ Und daran müsse gemeinsam gearbeitet werden. Denn die Zukunft hängt von der Landwirtschaft ab.

Auf eigene Stärken besinnen
Diese Überzeugung teilt auch David Bosshart, Gastreferent bei der Landesversammlung und Vorstand des Duttweiler-Instituts Zürich:„Es ist kein Zufall, dass die Landwirtschaft weltweit wieder in den Vordergrund rückt. Denn sie ist Hüter der Landschaft, der Ernährung und der Gesellschaft.“ Kaum ein Bereich habe sich in den letzten Jahrzehnten so stark industrialisiert wie die Landwirtschaft. Das sei in Ordnung. Aber man müsse nun lernen, dass es Grenzen in der Effizienzsteigerung und im Wachstum gibt. Deshalb solle sich Südtirol auf die eigenen Stärken besinnen und sich nicht an den globalen Marken messen, sondern auf Regionalität, Authentizität und Qualität setzen. Der erste Kontakt mit einem neuen Land findet laut Bosshart meist über das Essen statt. Wenn dieser erste Kontakt positiv ist, dann wird der Gast das Land sympathisch finden, wird er Produkte aus diesem Land immer einen gewissen Vorzug geben. „Ihr macht das schon ganz gut. Ihr seid auf einem guten Weg“ lobte Bosshart.


Grußworte:

Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, bedankte sich beim Südtiroler Bauernbund für die gute Zusammenarbeit, besonders im Bereich der Berglandwirtschaft. Man habe bereits einige gemeinsame Schlachten geschlagen und wolle auch in Zukunft verstärkt miteinander kooperieren. Dabei sollten alle mit einbezogen werden, also auch Senioren, die Jugend und alle anderen Wirtschaftsbereiche. „Dort, wo wir Stärken haben, müssen wir uns ihrer bewusst werden und mehr damit arbeiten,“ so Heidl und pochte darauf der modernen Landwirtschaft ihren Stellenwert zu lassen, ohne die Traditionen zu verleugnen.

Wehmut schwang in den Worten von Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter und Bauernbund Landesobmann Anton Steixner mit. Schließlich sei dies seine letzte Landesversammlung, er werde nämlich in Kürze aus seinen Ämtern scheiden. „Nach 30 Jahren ist es jetzt aber auch Zeit für einen Neubeginn“, stellte er fest. Er bedankte sich beim zurückgetreten Landesrat Hans Berger und brach eine Lanze für Noch-Landeshauptmann Luis Durnwalder. „Jemand wie du, mit deinem Einsatz, deinem Geschick und deiner Kraft ist ein Glück für Gesamttirol!“

Landeshauptmann Luis Durnwalder zeigte sich gerührt, hielt dann aber eine flammende Rede über den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten wie diesen. Er sei notwendig, sich der Werte der Landwirtschaft bewusst zu werden. Deshalb müsse in die Landwirtschaft investiert werden. Nur so nämlich könne der ländliche Raum lebendig und lebenswert bleiben. „Wir dürfen unsere Wurzeln nicht verlieren“, mahnte er. „Denn wenn wir die Wurzeln verlieren, dann verlieren wir die Kraft, sind nicht mehr widerstandsfähig. Dann verkümmern wir. Das darf nicht geschehen!“


Fotos:
- Landesobmann Leo Tiefenthaler
- Ein voll besetztes Waltherhaus in Bozen
- Drei Familien wurden mit dem Bergbauernpreis 2013 ausgezeichnet