Bauernbund | 11.03.2013

Öffentliche Ausschreibungen: Auf Regionalität achten

Preis darf bei Vergabe nicht alleiniges Kriterium sein - Lokale Kreisläufe stärken

Bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen müssen auch in Zukunft die Qualität und die lokale Herkunft berücksichtigt werden, fordert der Südtiroler Bauernbund in Richtung neuer Vergabeagentur. Sonst würden Südtiroler Unternehmen riskieren, durch die Finger zu schauen - mit negativen Folgen für Wertschöpfung und Arbeitsplätze.

Ob Kinder in den Mensen und Patienten in den Krankenhäusern Lebensmittel aus Südtirol erhalten oder Handwerker Aufträge von Land und Gemeinden bekommen, soll zukünftig eine landeseigene Vergabeagentur entscheiden. Sie wickelt die Vergabe von öffentlichen Arbeiten, freiberuflichen Leistungen sowie den Einkauf von Dienstleistungen und Lieferungen ab - mit dem Ziel, bei öffentlichen Ausschreibungen Geld zu sparen.
Sollte der Preis aber das alleinige Kriterium sein, werden zukünftig wohl viele Dienstleistungen und Lebensmittel von außerhalb der Region zugekauft werden müssen, befürchtet der Südtiroler Bauernbund. „Wir begrüßen, dass die öffentliche Verwaltung Geld sparen will. Allerdings darf nicht nur auf den Preis geachtet werden. Auch die Qualität und die Herkunft der Produkte und Leistungen müssen in die Entscheidungen mit einfließen“, fordert Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. Sollte dies nicht der Fall sein, würden heimische Unternehmen in der Landwirtschaft, im Handel oder im Handwerk wohl häufig leer ausgehen. „Unsere landwirtschaftlichen Betriebe sind extrem kleinstrukturiert und daher gegenüber Großbetrieben beim Preis nicht konkurrenzfähig. Sehr wohl aber können wir mit hoher Qualität und kurzen Wegen punkten. Gleiches gilt auch für Betriebe in anderen Wirtschaftssektoren“, stellt Rinner klar.
Kritisch sieht der SBB auch die geplante telematische Abwicklung der Aufträge. „Dadurch würden viele potentielle heimische Anbieter ausgeschlossen. Auch andere Formen der Teilnahme an der Ausschreibung müssen ermöglicht werden“, fordert Obmann Leo Tiefenthaler.
Wenn Aufträge verstärkt an Unternehmen von außerhalb gehen würden, hätte das negative Auswirkungen auf die lokale Wertschöpfung, auf den Arbeitsmarkt, da Arbeitsplätze verloren gingen und die Steuereinnahmen, da Unternehmen von außerhalb dort auch die Steuern zahlten. Zudem würde damit der Ländliche Raum gefährdet, da viele Betriebe in der Peripherie angesiedelt sind. „Daher müssen wir darauf achten, heimische Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen nicht zu benachteiligen. Es nützt nämlich nichts, immer über regionale Wirtschaftskreisläufe und ihre Bedeutung für Südtirol zu reden, diese dann aber nicht zu unterstützen“, so Tiefenthaler.