Bezirke | 27.03.2013

Bürokratie wird immer mehr zum Problem

Fast wöchentlich werden die Bauern mit immer neuen und oft unsinnigen Auflagen konfrontiert. Für viele ist das Maß jetzt voll, wurde auf dem großen bäuerlichen Informationstag heute in Bruneck klar. Ihr Appell: Bürokratie nur mit Maß und Ziel.

Die Stimmung unter den knapp 500 Teilnehmern auf dem bäuerlichen Infotag war gut. Dank akzeptabler Preise blicken die Bäuerinnen und Bauern im Bezirk einigermaßen zuversichtlich auf das heurige Jahr. Lediglich die stark gestiegenen Betriebskosten besonders für Futtermittel und Treibstoffe machen den Bauern zu schaffen. Doch auch das wäre verkraftbar. Was die Bauern aber wirklich belastet, sind immer neue Auflagen, stellte Bezirksobmann Viktor Peintner klar. Beispiel, wo den Bauern der Schuh drückt, sprach Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner an. „Besonders die Bestimmungen zur Arbeitssicherheit wurden in den letzten Jahren ständig verschärft. Auch wir sind dafür, dass das Arbeiten sicherer wird. Was wir aber fordern, ist ein erträgliches Maß an Auflagen. Vielfach übertreibt Rom mit seinen Bestimmungen, besonders in der Aus- und Weiterbildung und bei der Überprüfung der landwirtschaftlichen Maschinen. Dagegen setzen wir uns zur Wehr“. Ein weiteres Beispiel: die zertifizierten PEC-Mailadressen. „PEC-Adressen mögen für manche Betriebe sinnvoll sein, für andere aber nicht. Daher haben wir vorgeschlagen, kleine Betriebe von der PEC-Pflicht zu befreien. Unser Vorschlag fand in Rom aber keine Zustimmung.“ Da viele Auflagen alle Sektoren betreffen, rief Rinner alle Wirtschaftsverbände auf, gemeinsam in Rom aufzutreten und neue, unnütze Auflagen zu verhindern. Doch auch im Land gehöre manche Bestimmung vereinfacht. Nach wie vor zu aufwändig und langwierig sind die Kulturänderungsverfahren. Hier hat Landeshauptmann Luis Durnwalder den Bauern eine Vereinfachung in Aussicht gestellt. Unterstützung versprach Durnwalder auch für die Bauernbund-Themen Abwanderung und Flächensicherung. So sollen Sanierungen zukünftig stärker unterstützt und weitere Maßnahmen zur Verhinderung der Abwanderung gesetzt werden.
Peintner nutzte die Gelegenheit, dem Landeshauptmann für seinen Einsatz in den letzten Jahrzehnten zu danken, gab ihm aber auch einige Anliegen für die letzten Monate mit auf dem Weg. „Mit dem Landschaftsschutz sind wir nicht zufrieden. Verbessert werden müssen auch die Internetverbindungen.“ Spontane Danksagungen kamen auch aus dem Publikum. Ein Dank Peintners ging auch an den Präsidenten des Gemeindenverbandes Arno Kompatscher, mit dem der Bauernbund in den letzten Jahren gut zusammengearbeitet hat. Auf die anstehenden Wahlen bezogen sprach sich Peintner dafür aus, ein neues, junges Team mit neuen Ideen und Visionen zu unterstützen.
Einen Blick auf den Milchsektor wagte der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann. Das Auslaufen der Milchquoten, die bisher die Produktion geregelt hatten, hätte für Südtirol keine allzu großen Auswirkungen, erklärte Dorfmann, auch wenn sich die Produktionsgebiete leicht verschieben könnten. „Zuversichtlich stimmt mich die Tatsache, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte weltweit steigen. Das bedeutet allerdings, dass auch die Preise für Futtermittel nach oben gehen.“ Positiv sieht Dorfmann die Verhandlung über die neue EU-Agrarperiode bis 2020. Die Landtagsabgeordnete Maria Kuenzer ging auf das Familiengesetz ein und sprach die Absicherung der Frauen auf den Höfen an.

Bildtext: Standen den Fragen der Mitglieder Rede und Antwort: Der Präsident des Gemeindenverbandes Arno Kompatscher, EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann, Landtagsabg. Maria Kuenzer, Landeshauptmann Luis Durnwalder, Direktor Siegfried Rinner und Bezirksobmann Viktor Peintner.