Bauernbund | 21.05.2013

Ein Apfel am Tag…

Eine Datenbank mit den genetischen Profilen von 500 alten und neuen Apfelsorten und die Analyse der Inhaltsstoffe von 100 Sorten, ist das Ziel des Projektes „Apfel-Fit“ des Versuchszentrums Laimburg. Die Zwischenergebnisse sind kürzlich vorgestellt worden.

Ein Apfel am Tag, und der Doktor kann bleiben, wo er mag, heißt es im Volksmund. In der Tat ist seit langem bekannt, dass Äpfel gesund sind. „Äpfel enthalten Polyphenole, Vitamine und Mineralstoffe. Besonders die Polyphenole, also die natürlichen Antioxidantien, haben nachgewiesen positive Auswirkungen auf die Gesundheit. So beeinflussen sie die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Zudem helfen sie, altersbedingte Erkrankungen vorzubeugen. Auch weisen Studien eine positive Auswirkung auf Wachstum von Tumoren nach“, erklärte der Direktor des Versuchszentrums Laimburg Michael Oberhuber einleitend zur Vorstellung der Zwischenergebnisse vergangene Woche in Bozen.

Apfel ist nicht gleich Apfel

Was weniger bekannt sein dürfte und vom Versuchszentrum Laimburg belegt: Apfel ist nicht gleich Apfel. „Unsere Analysen der Inhaltsstoffe von 100 alten und modernen Sorten haben gezeigt, dass die Konzentration von Polyphenolen im Fruchtfleisch besonders bei alten Sorten wie dem „Tiroler Spitzlederer“, „Kanada Renette“ oder „Boznerapfel“ viermal so hoch ist wie in anderen Sorten“, berichteten der Molekularbiologe Alberto Storti und der Chemiker Flavio Ciesa. Allerdings: Wichtiger als das Fruchtfleisch selbst ist die Schale. „Während sich der Anteil der Polyphenole in der Schale zwischen 50 mg-200mg/100 g bewegt, liegt er im Fruchtfleisch zwischen 10 mg-80 mg/100g“, so Oberhuber. Zudem sind Anthocyane, eine wichtige Gruppe von Polyphenolen, im Fruchtfleisch nicht enthalten.
Die Unterschiede beim Anteil an Polyphenolen in der Schale bei alten und modernen Apfelsorten sind deutlich geringer als im Fruchtfleisch. „Die Analysen der Laimburg haben aber gezeigt, dass es auch hier besonders gesunde Äpfel gibt. So konnte beim „Tiroler Spitzlederer“ als auch bei „Modì“ ein sehr hoher Anteil an Polyphenolen nachgewiesen werden“, erklärte Oberhuber.

„Werte für die Zukunft erhalten“
Ein zweites, ebenso wichtiges Ziel des vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung EFRE finanzierten Projektes "Apfel-Fit", das 2008 gestartet ist, ist der Aufbau einer Datenbank mit den genetisch abgesicherten Profilen von derzeit 200 alten und 200 neueren Sorten. „Dieses Projekt ist einzigartig. Wir wollen damit die Werte der alten Apfelsorten für die Zukunft erhalten“, unterstrich Landeshauptmann Luis Durnwalder. Mit über zweitausend Sorten ist der Apfel in der Tat die wichtigste mitteleuropäische Frucht. "Derzeit", bedauerte Landeshauptmann Luis Durnwalder, "machen in Südtirol lediglich acht Sorten 95 Prozent des Apfelanbaus aus. Es wäre schade, die Gene und Merkmale der alten Sorten wie Tiroler Spitzlederer, Kanada Renette oder Bozner Apfel zu vernachlässigen.“ Dank der Datenbank mit den genetisch abgesicherten Profilen soll das Wissen über die Sorten erhalten werden. Gleichzeitig soll die Datenbank dazu dienen, Sorten exakt zu identifizieren. Denn auch wenn Sorten an verschiedenen Standorten wachsen und sich in Größe und Farbe unterscheiden, bleiben sie anhand der Gene erkennbar.

Ergebnisse wirtschaftlich nutzen
Die Ergebnisse des Projektes haben aber nicht nur wissenschaftlichen Wert. „Die Erkenntnisse sollen auch für die Entwicklung von Nischenprodukten dienen. „Da gewisse Apfelsorten mehr gesunde Inhaltsstoffe haben als andere, könnten sich genau diese Sorten für die Weiterverarbeitung eignen“, so Oberhuber. Derzeit wird im Laimburger Labor für Aromen und Metaboliten der Anteil an Vitaminen in den analysierten Apfelsorten erhoben.
"Pomosano", ein weiteres EFRE-finanziertes Forschungsprojekt am Versuchszentrum Laimburg, schließt an die Ergebnisse des Projektes Apfel-Fit an und befasst sich mit der Analyse von verarbeiteten Apfelprodukten wie frischen Säften oder Cidre. Es wird untersucht, ob und wie sich die Inhaltsstoffe der Äpfel im Verarbeitungsprozess verändern. Zudem werden auch erste Analysen von neuen Apfelsorten durchgeführt, darunter solche mit rotem Fruchtfleisch.
Forschungen der vergangenen Jahre belegen, dass Antioxidantien und Ballaststoffe (etwa das Pektin im Apfel) die Verdauung bzw. die Vorbeugung von Krankheiten positiv beeinflussen; deshalb sind Untersuchungen der antioxidantischen Wirkung und der Ballaststoffe der einzelnen Apfelsorten geplant.


Foto: VI.P Vinschgau