Bauernbund | 13.06.2013

Wenn Handwerker mit Bauern …

Bei Wärmeversorgung und Arbeitsmarkt wollen Handwerker und Bauern künftig stärker zusammenarbeiten. Das soll lokale Kreisläufe stärken, die Wertschöpfung sichern und Arbeitsplätze schaffen. von Michael Deltedesco

Etwa 2500 bis 3000 Bauern sind derzeit in Handwerksbetrieben beschäftigt - die meisten im Bau- und Holzsektor. (Foto: www.agrarfoto.com)

Etwa 2500 bis 3000 Bauern sind derzeit in Handwerksbetrieben beschäftigt - die meisten im Bau- und Holzsektor. (Foto: www.agrarfoto.com)

Mit einem gemeinsamen ESF-Projekts wollen Südtiroler Bauernbund und Landesverband der Handwerker die Netzwerke zwischen Handwerkern und Landwirten künftig ausbauen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz wurden die Potentiale in beiden Bereichen erörtert. Fazit: Netzwerke zwischen Handwerkern und Landwirten stärken lokale Kreisläufe, sichern Wertschöpfung und schaffen Arbeitsplätze.
Vielfältige Chancen zur Zusammenarbeit sehen Bauernbund und Handwerkerverband im Energiebereich. Besonders interessant, in Südtirol aber bisher kaum bekannt, sind „Biomasse-Mikronetze". Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner erklärte bei der Pressekonferenz: „Handwerker und Bauern versorgen kleinere Wohnsiedlungen bzw. mehrere öffentliche Gebäude gemeinsam mit Wärme. Die Idee dahinter: Dort, wo Unternehmen oder Private nicht die Möglichkeit haben, sich an ein Fernwärmenetz anzuschließen, springen Handwerker und Landwirte als Wärmeversorger ein." Handwerker installieren die Heizanlage und kümmern sich um die Wartung, der Bauer liefert das Holz aus den heimischen Wäldern. Oder Handwerker und Landwirte schließen sich zusammen und treten als „Energie-Contractor" auf: Gegen die Entrichtung eines Wärmetarifs kümmern sich Handwerker und Landwirte um sämtliche Bereiche der Wärmeversorgung, von der Finanzierung über den Bau der Anlage bis zu Betrieb und Wartung.
Der Vorteil für die Kunden bei diesem Modell ist klar: Die Investitionskosten sind geringer als bei Einzelanlagen. Zudem haben die Endabnehmer nur einen Ansprechpartner. Aber auch die Umwelt profitiert: Dank kurzer Transportwege und der Nutzung erneuerbarer Energien, wird die Umwelt geschont. Die Wälder werden bewirtschaftet und ihre Funktion als Schutzwald gestärkt.
Aber auch die Betriebe und die Bevölkerung profitieren von Mikronetzen. Martin Haller, Vizepräsident im LVH, erklärt: „Die Wertschöpfung wird lokal erwirtschaftet und bleibt vor Ort. Zudem werden Arbeitsplätze gesichert bzw. neue geschaffen. Das stärkt die Peripherie, in der die meisten Betriebe angesiedelt sind."

Landesförderung anpassen
Um Biomasse-Mikronetze besonders in der Startphase zu unterstützen, fordern LVH und SBB eine Anpassung der Landesförderung. „Wir möchten, dass die Landesförderung für Biomasse-Mikronetze jener der Fernheizanlagen angeglichen wird", erklärte Rinner.
In zwei Pilotgemeinden wird derzeit untersucht, ob ein Biomasse-Mikronetz interessant sein kann. „In Eppan sollen elf öffentliche Gebäude und private Haushalte mit einem Mikronetz versorgt werden. Derzeit werden mehrere Betriebsmodelle untersucht, dann wird an die Umsetzung gegangen", erklärte Haller. In Welschnofen sind hingegen zwei Biomasse-Mikronetze geplant. Die technischen Erhebungen und eine Haushaltsbefragung wurden bereits durchgeführt. „Das Interesse an den Mikronetzen ist sehr groß. Im nächsten Jahr können wir bereits mit dem Bau beginnen", erklärte der Vizebürgermeister von Welschnofen Jürgen Pardeller.
Die Ergebnisse des Projektes und viele weitere Informationen über Biomasse-Mikronetze finden Interessierte in einem Leitfaden, der sowohl im Südtiroler Bauernbund als auch im Landesverband der Handwerker erhältlich ist.

Auch der Arbeitsmarkt bietet Potential für Kooperationen
Gute Chancen für eine Zusammenarbeit zwischen Handwerkern und Bauern sehen Handwerkerverband und Bauernbund auch auf dem Arbeitsmarkt. Thomas Pardeller, Direktor im LVH, ist überzeugt: „Etwa 2500 bis 3000 Bauern sind derzeit, vorwiegend in Teilzeit, in einem Handwerksbetrieb beschäftigt – die meisten im Bau- und im Holzsektor. Diese Zahl könnte aber noch ausgebaut werden."
Obwohl der Arbeitsmarkt starr ist, bestünden mehrere Möglichkeit der Beschäftigung von Landwirten. „Bäuerinnen und Bauern können im Sinne des Berggesetzes, in Teilzeit, auf Abruf oder über Wertgutscheine beschäftigt werden", erklärte Pardeller.
Chancen für eine Zusammenarbeit gibt es aber auch, wenn Bauern Bauarbeiten am eigenen Betrieb durchführen: So kann der Landwirt in Kombination mit selbständigen Handwerkern Arbeiten ausführen oder über einen Handwerksbetrieb angestellt werden. Alternativ dazu beauftragt der Bauer einen Handwerker, bringt aber einen Teil der Leistungen in Eigenregie ein.
Die Beschäftigungsmodelle sind zwar zahlreich, erweisen sich jedoch als starr und bürokratisch. Daher fordern SBB und LVH neue Arbeitsmodelle und einfachere, klare Regelungen. Eine Entrümpelung des italienischen Arbeitsrechtes sei daher notwendig.
Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler erklärte: „Über das Potential der Zusammenarbeit am Arbeitsmarkt, die sozialrechtlichen Vor- und Nachteile und die arbeitsrechtlichen Aspekte informiert ein Leitfaden, der von LVH und SBB in Zusammenarbeit mit der Landesabteilung Arbeit, dem NISF/INPS und dem INAIL entstanden ist." Auch lobte er die gute Zusammenarbeit mit dem LVH. „Nach der gemeinsamen Photovoltaikoffensive von SBB und LVH sind wir überzeugt, ein weiteres sehr erfolgreiches Projekt initiiert zu haben", sagte Tiefenthaler.