Bauernbund | 18.06.2013

Flächensicherung ist grenzüberschreitendes Anliegen

Mit dem Thema Flächensicherung haben die Bauernbünde von Tirol und Südtirol im vergangenen Jahr voll ins Schwarze getroffen. Das wurde auf der gemeinsamen Sitzung der Führungsgremien des Südtiroler und des Tiroler Bauernbundes auf Schloss Tirol deutlich. Auch die "Milchehe" der Wipptaler Bauern wurde diskutiert.

Besprachen eine Reihe von grenzüberschreitenden Anliegen: Die Spitzen der Bauernbünde von Südtirol und Nordtirol

Besprachen eine Reihe von grenzüberschreitenden Anliegen: Die Spitzen der Bauernbünde von Südtirol und Nordtirol

Einmal im Jahr treffen sich der Landesbauernrat des Südtiroler Bauernbundes und die Bundesvorstehung des Tiroler Bauernbundes zu einer gemeinsamen Sitzung, um Themen zu besprechen, die die Bauern gleichermaßen beschäftigen. Heuer stand die Forderung nach einem sparsamen Umgang mit dem noch verfügbaren Kulturgrund im Mittelpunkt. „In Südtirol wurde in den vergangenen Jahren pro Tag die Fläche eines Fußballfeldes verbaut, in Tirol war es mit einem Hektar pro Tag sogar noch mehr. Sowohl Südtiroler als auch Tiroler Bauernbund haben deshalb auf dieses Problem aufmerksam gemacht und ähnliche Forderungen vorgebracht. Zum Beispiel jene, dass vorrangig bestehende Kubatur für Wohn- und Gewerbezwecke verwendet werden soll, bevor neue Kubatur errichtet wird“, erklärte Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler. In beiden Ländern haben es die Bauernvertreter geschafft, einige Forderung auf politischer Ebene durchzusetzen. So finden sich im Übereinkommen der neuen schwarz-grünen Landesregierung in Tirol Forderungen der Bauern zur Bau- und Raumordnung. Gleiches ist im überarbeiteten Entwurf des Landesraumordnungsgesetzes in Südtirol der Fall. "Wir haben besonderen Wert darauf gelegt, dass ein konkretes Flächenziel angestrebt wird", berichtete Leo Tiefenthaler. Sein Tiroler Amtskollege Josef Geisler verwies auf die Schwierigkeiten, die es Tirol in Sachen Raumordnung gibt: "Bei uns ist die Raumordnung überwiegend Sache der Gemeinden, was natürlich dazu führt, dass sich die Gemeinden oft gegenseitig übertrumpfen wollen. Wir versuchen, mit der Schaffung von Planungsverbänden gemeindeübergreifend tätig zu werden", berichtete Geisler.

„Werden uns nicht einmischen“

Für Diskussionen sorgte beim Treffen der Bauernbund-Vertreter die "Milchehe" der Wipptaler und Stubaitaler Bauern. Der ehemalige Obmann und nunmehrige Ehrenobmann des Tiroler Bauernbundes, Anton Steixner, hatte dieses Projekt federführend vorangetrieben: "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Entscheidung, die Milch zukünftig zum Milchhof Sterzing zu liefern, gut für alle Beteiligten ist – für die Bauern, die einen besseren Preis für ihre Milch bekommen genauso wie für den Milchhof, der eine gesicherte zusätzliche Milchmenge bekommt", erklärte Steixner. Die Zusammenarbeit schließe die Schaffung eines Milchpools in Südtirol keineswegs aus. Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner verwies auf das positive Beispiel einer gesamttiroler Zusammenarbeit. Dennoch blieben Zweifel. "Es geht auch darum, dass die Wertschöpfung für alle Südtiroler Milchlieferanten möglichst hoch ist. Nach dieser Entscheidung besteht die Gefahr, dass die notwendige Zusammenarbeit der Milchhöfe auf der Strecke bleibt", warnte Rinner. Der Südtiroler Bauernbund werde sich in diese Diskussionen jedenfalls nicht einmischen: "Die Milchhöfe sind allesamt eigenständige Unternehmen, denen wir nichts vorschreiben können. Wir als Bauernbund müssen aber sehr wohl auf die Gesamtheit der Südtiroler Milchbauern schauen", unterstrich Tiefenthaler.

Konzepte für die Zukunft

Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens war die Besprechung der Konzepte für die Zukunft der Tiroler und Südtiroler Landwirtschaft. Rinner erklärte das Konzeptpapier "Zielsystem Landwirtschaft", das der Südtiroler Bauernbund gemeinsam mit dem Landwirtschaftsressort des Landes und der Eurac erarbeitet hat. Das oberste Ziel sei die Erhaltung einer flächendeckenden Landwirtschaft mit möglichst vielen produzierenden bäuerlichen Familienbetrieben. In Tirol wurde parallel dazu an einer "Zukunftstrategie 2020" gearbeitet. "Mit Hilfe von Experteninterviews und sechs Arbeitsgruppen haben wir konkrete Kernziele für die Zukunft der Tiroler Landwirtschaft erarbeitet: Die Produktion hochwertiger Lebensmittel vorwiegend für den regionalen Markt, die Verbesserung der Vermarktungsstrukturen und die Flächenverantwortung sind nur einige davon", betonte der Direktor des Tiroler Bauernbundes Peter Raggl.