Bauernbund | 21.06.2013

Mehr auf den Nachbarn schauen

Seit Wochen steht der Pflanzenschutz im Mittelpunkt der Diskussion rund um die Entwicklung der Landwirtschaft im Obervinschgau. Zur besseren Aufklärung der Bevölkerung, aber auch zur Annäherung der Bauern selbst, hat der Bauernbund-Bezirk eine öffentliche Informationsveranstaltung in Prad organisiert.

Über 400 Besucher waren zur Bauernbund-Informationsveranstaltung über den Pflanzenschutz im Obervinschgau nach Prad gekommen.

Über 400 Besucher waren zur Bauernbund-Informationsveranstaltung über den Pflanzenschutz im Obervinschgau nach Prad gekommen.

Die Veranstaltung richtete sich an die Menschen im Obervinschgau, die durch Berichte über das Risiko von Pflanzenschutzmitteln verunsichert wurden. „Wir wollten auf die Bevölkerung zugehen und versuchen, Antworten auf offene Fragen zu geben“, erklärte Bezirksobmann Andreas Tappeiner eingangs vor mit 400 Zuhörern vollbesetztem Saal.
Hermine Reich von der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) berichtete über die Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln und wie die Sicherheit von Lebensmitteln gewährleistet werde. „Ausschlaggebend für den Schutz der Verbraucher ist die höchste zulässige Menge eines Pestizidrückstands in Lebensmitteln“, sagte Reich. Dieser Grenzwert werde durch ein mehrstufiges wissenschaftliches Verfahren von der EFSA festgesetzt. „Mit diesem gesetzlichen Grenzwert stellen wir sicher, dass Pestizid-Rückstände keine gesundheitliche Gefährdung für die Konsumenten darstellen“, erklärte Reich.

 Südtiroler Apfel ist sicher

Wie schaut die Situation in der Praxis aus, was die Rückstände betrifft? Antwort darauf gab Roland Zelger von der Laimburg, der die Ergebnisse des Südtiroler Apfel-Monitorings präsentierte. „Bei 85 Prozent der Apfelproben liegen die Rückstände innerhalb von nur zehn Prozent des gesetzlichen Höchstwertes“, berichtete Zelger. Ziel im integrierten Obstanbau sei ein möglichst naturnaher Pflanzenschutz und so wenig Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln wie möglich, unterstrich Robert Wiedmer, Koordinator des Beratungsrings für Obst- und Weinbau.

Abdrift ist das Hauptproblem

Nicht der Obstbau selbst oder die Sicherheit von Äpfeln wurden in Frage gestellt, sondern vielmehr die Abdrift kritisiert, die im Obervinschgau besonders wegen der vielen kleinen angrenzenden Anbauflächen und den besonderen Windverhältnissen akut ist. Viele Bio- und Milchbauern äußerten ihren Unmut darüber, dass zu wenig zum Schutz ihrer Flächen gegen Verwehungen getan werde.
VI.P-Obmann Karl Dietl wies auf die geltenden Agrios-Richtlinien hin, die Bestimmungen zu Abständen, Hecken und Sprühertechnik enthielten. Er appellierte an die Umsicht der Bauern: „Wer die Agrios-Richtlinien nicht einhält, muss mit einem Ausschluss rechnen“, unterstrich Dietl. Bezirksobmann Tappeiner äußerte seinen Unmut über die schwarzen Schafe, die dem gesamten Obstbau schaden würden. Zugleich stellte Tappeiner klar, dass an dem Prinzip der freien Anbauwahl nicht gerüttelt werden dürfe: „Jeder soll auf seiner Fläche anbauen, was er für richtig und wirtschaftlich sinnvoll hält.“
Der deutsche Toxikologe Hermann Kruse plädierte für biologische Alternativen. Bei der Festlegung von Rückstandshöchstwerten sollte die EFSA neben Tierversuchen auch Untersuchungen an Menschen miteinbeziehen. Direktor Michael Oberhuber berichtete von den Untersuchungen der Laimburg zur Abdriftminderung. Große Einsparungen seien insbesondere durch resistente Sorten zu erwarten.
Reichlich Beifall erhielt die Aufforderung eines Bauern, untereinander mehr Respekt zu zeigen. Die allermeisten Bauern würden Pflanzenschutzmittel umsichtig einsetzen und die Nachbarflächen nicht beeinträchtigen. Es gebe keine andere Alternative als das Auskommen mit den Nachbarn und gegenseitiges Verständnis. Die Informationsveranstaltung in Prad wird in diesem Sinn nicht der letzte Schritt zur Annäherung gewesen sein.