Bauernbund | 09.07.2013

Jede Investition in die Landwirtschaft ist eine Investition in die Lebensqualität

Es war ein historischer Moment. Auf Einladung von Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler trafen sich vergangene Woche die Präsidenten der nationalen Bauernverbände Italiens, Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zu einem Agrar-Gipfelgespräch in Bozen. Dabei sprachen sie sich für eine Stärkung der bäuerlichen Familienbetriebe, einen besseren Schutz der landwirtschaftlichen Nutzflächen und eine besondere Unterstützung für die Berglandwirtschaft aus. Als Ergebnis wurde ein Positionspapier unterzeichnet.

Die Präsidenten der nationalen Bauernverbände trafen sich, auf Einladung des Südtiroler Bauernbundes, zu einem Agar-Gipfeltreffen in Bozen.

Die Präsidenten der nationalen Bauernverbände trafen sich, auf Einladung des Südtiroler Bauernbundes, zu einem Agar-Gipfeltreffen in Bozen.

Die europäische Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Immer mehr Menschen müssen mit sicheren und ökologisch produzierten Lebensmitteln zu erschwinglichen Preisen versorgt werden. Das können nur wettbewerbsfähige bäuerliche Betriebe leisten, waren sich die Präsidenten auf dem Agrar-Gipfeltreffen, zu dem der Südtiroler Bauernbund geladen hatte, einig.
Daher richtete sich ihr Blick in den letzten Monaten nach Brüssel, wo die Reform der Agrarpolitik über die Bühne ging. Mit dem Ergebnis sind die Präsidenten im Großen und Ganzen zufrieden. „Die Reform und der vereinbarte Finanzrahmen geben den Bauern Planungssicherheit. Die Reform hätte in einigen Punkten noch besser sein können. Was für uns wichtig ist, ist die Möglichkeit, den Berggebieten und den benachteiligten Gebieten besser zu helfen“, erklärte der Präsident des Österreichischen Bauernbundes Jakob Auer.  Kritisch sieht der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied, dass viele Bereiche an die Mitgliedsstaaten delegiert wurden. „Bei der nächsten Reform müssen wieder die gemeinschaftlichen Maßnahmen im Vordergrund stehen.“ Mario Guidi, Präsident der Confagricoltura, hätte sich eine weniger bürokratische Reform gewünscht. Zudem werde die große wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung der Landwirtschaft zu wenig hervorgehoben. Wichtig sei für Guidi nun, die Finanzmittel gerecht zu verteilen, um die Lebensmittelproduktion zu sichern. Das gilt auch für die Berglandwirtschaft. „Sie muss besonders unterstützt werden. Die Aufteilung der Geldmittel auf nationaler Ebene wird in diese Richtung gehen“, erklärte Guidi, der Südtirol als „Modellregion“ bezeichnete. „Südtirol ist ein gutes Beispiel, wie auch eine klein strukturierte Landwirtschaft erfolgreich sein kann.“  Daher gelte den Familienbetrieben die Aufmerksamkeit aller Bauernverbände, so die Präsidenten. 

Eine große Herausforderung ist in allen Ländern der enorme Flächenverbrauch. In Deutschland werden täglich 90 Hektar Kulturgrund verbaut, in Österreich 19 Hektar, was einem durchschnittlichen Betrieb entspricht. Auch der nationale Bauernverband Confagricoltura fordert ein rasches Umdenken. „Wir brauchen eine stärkere Flächenkontrolle auf lokaler und nationaler Ebene und eine bessere Nutzung von bereits bestehendem Bauvolumen. Entsprechende gesetzliche Regelungen sind bereits auf dem Weg“, erklärte Mario Guidi, Präsident der Confagricoltura. Ähnlich sind die Überlegungen in den anderen Ländern, wo das Thema ebenfalls „gespürt“ wird. „In der Schweiz hat es dazu eine Volksbefragung gegeben“, erklärte Markus Ritter, der Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes.
Einig waren sich die Präsidenten auch, dass die Landwirtschaft eine große Bedeutung für das Wirtschaftswachstum haben wird. „Was oft vergessen wird ist, dass die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. In Deutschland hängt jeder 9. Arbeitsplatz von der Land- und Ernährungswirtschaft ab. 4,7 Millionen Menschen sind in diesem Sektor beschäftigt“, so Rukwied. Besonders für die regionale Wirtschaft sei die Landwirtschaft ein wichtiger Impulsgeber, war auch Jakob Auer überzeugt.

Für Guidi ist die öffentliche Unterstützung der Landwirtschaft daher mehr als gerechtfertigt. „Jeder Euro, der in die Landwirtschaft und somit in die Lebensmittelproduktion und die Pflege der Kulturlandschaft investiert wird, steigert letztlich die Lebensqualität der gesamten Bevölkerung.“