Bauernbund | 26.07.2013

Neue Publikation zu den Südtiroler Erbhöfen vorgestellt

Als "wichtige Zeugen der Geschichte" bezeichnete LH Luis Durnwalder die Südtiroler Erbhöfe bei der Präsentation des neuen Erhof-Buches. 320 Seiten mit über 450 historischen und aktuellen Abbildungen zeichnen ein umfassendes Bild der Südtiroler Erbhöfe.

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine erste Auflage des Erbhofbuches ist 1994 erschienen und umfasste eine kurze Chronik der 811 Höfe, denen bis dahin die Erbhofurkunde überreicht worden war. Seither sind weitere 300 Erbhöfe dazugekommen. Aus diesem Grund wurde nun im Auftrag des Landesamtes für bäuerliches Eigentum und in Zusammenarbeit mit dem Raetia Verlag ein neues Erbhof-Buch ausgearbeitet, in dem sich sämtliche 1.125 Erbhöfe in Südtirol wiederfinden: "Südtiroler Erbhöfe. Menschen und Geschichten" lautet der Titel.

Dass es in Südtirol so viele Erbhöfe gebe, sei keine Selbstverständlichkeit, erklärte Landeshauptmann Luis Durnwalder bei der Präsentation der Publikation im Palais Widmann in Bozen. Denn die Landwirtschaft sei oft schwierigen Zeiten und auch den Wirren der politischen Geschichte ausgesetzt gewesen. "Erbhöfe sind wichtige Zeugen der Geschichte und ihre Bedeutung geht weit über jene als  reine Wirtschaftsstätte hinaus", unterstrich der Landeshauptmann. "Vielmehr waren und sind sie eine Heimstätte für die Großfamilie und für alle, die am Hof versorgt wurden, sowie eine wichtige Kulturstätte."

Die Verleihung des Erbhof-Titels stelle demnach nicht nur eine Auszeichnung für den aktuellen Hofbesitzer dar, sondern auch einen großen Dank an die Vorfahren, denen es auch in schwierigen Zeiten gelungen war, den Hof zu erhalten, so Durnwalder. "Nicht zuletzt ist diese Auszeichnung auch eine Verpflichtung für die jüngere Generation, den Erbhof erfolgreich in die Zukunft zu führen", sagte LH Durnwalder, denn: "Nur dank der Tatkraft und dem manchmal unbeirrbaren Festhalten an Werten und Überzeugungen schaffen es die Bauersleute, die Herausforderungen der jeweiligen Zeit erfolgreich zu bewältigen. Dies und vieles mehr kann man im Buch über die Erbhöfe und den darauf lebenden Familien nachlesen."

Beim neuen Erbhof-Buch handelt es sich um einen Bild- und Textband, den Thomas Kager von der Edition Raetia im Detail vorstellte. Über 450 Abbildungen - zum Großteil Bilder, die aus den Familienalben der Erbhofbauern stammen - erzählen gemeinsam mit den Texten verschiedener Autoren von schönen und weniger erfreulichen Alltagsgeschichten auf dem Hof, von Katastrophen und Schicksalsschlägen ebenso wie von Errungenschaften. "Dabei wird zurückgeblickt, aber es werden auch sehr viele Bezüge zur heutigen Realität der Erbhofbauern hergestellt", erklärt Kager. "Erklärtes Ziel der Publikation war es, ein authentisches und stimmiges Bild der Bauernfamilien auf den Erbhöfen zu zeichnen."

Auf den einführenden Beitrag von Hans Karl Peterlini zum "Leben, Sterben und Weitermachen auf den Höfen" folgt der Bericht des amerikanischen Anthropologen Phillip S. Katz über eine Studie im Stuls der frühen 1970er Jahre. Weiters haben Landesarchivsdirektorin Christine Roilo, Hans Grießmair, Susanne Pitro, Florian Kronbichler, Gerhard Siegl, Erich Tasser und Ulrike Tappeiner, Astrid Kofler, Martin P. Schennach, Paul Rösch und Evelyn Reso sowie Konrad Bergmeister Beiträge geliefert, die von der Geschichte und Rechtsgeschichte über kreative Bewirtschaftungsformen und klimatische Einflüsse bis hin zur Rolle der Bäuerin, der Verbindung mit dem Tourismus und der bäuerlichen Baukultur reichen.

"Als Spiegelbild der Geschichte und Gegenwart des Südtiroler Bauernstandes soll die Publikation auch Menschen ansprechen, die nicht bäuerlicher Abstammung sind oder einer bäuerlichen Betätigung nachgehen", wünschte abschließend Werner Hintner, Direktor des Landesamtes für bäuerliches Eigentum. Er bedankte sich auch bei den anwesenden Vertretern der Erbhofbauernfamilien: Franz Schuster vom Indersthof in Oberwielenbach, Walter Moosmair vom Niedersteinhof in Passeier und Johann Tappeiner vom Oberniederhof in Schnals.

Die gesetzliche Grundlage für die Erbhöfe findet sich im Landesgesetz Nr. 10 aus dem Jahr 1982. Demnach ist ein Erbhof ein geschlossener Hof, der vom Eigentümer selbst bewohnt und bewirtschaftet wird und der seit mindestens 200 Jahren in ununterbrochener Folge in Besitz ein und derselben Familie geblieben ist und in gerader Linie oder in der Seitenlinie bis zum zweiten Grad von Todes wegen oder durch Rechtsgeschäfte unter Lebenden übertragen worden ist.

Die Auszeichnung als Erbhof, die im Erbhof-Schild und einer Erbhof-Urkunde besteht, erfolgt "Zur ehrenden Hervorhebung von Beispielen treuen Festhaltens an ererbten bäuerlichen Eigentum", wie es im Gesetzestext heißt. Sie wird immer an den Hofbewirtschafter und -eigentümer übergeben. Im benachbarten Tirol war diese Ehrung bereits 1931 eingeführt worden.

Die Verleihung erfolgt auf Antrag der Besitzer und ist beim Landesamt für bäuerliches Eigentum einzubringen. Die Überprüfung der Voraussetzungen übernimmt dann das Landesarchiv. Wenn diese positiv ausfällt, wird die Verleihung des Titels "Erbhof" mit Dekret des Landesrates für Landwirtschaft vorgenommen.

 

Allen Erbhofbauern, denen die Auszeichnung nach Erscheinen des ersten Buches zu den Erbhöfen verliehen worden ist und die deshalb im ersten Buch nicht aufscheinen, wird ein Exemplar des neuen Erbhofbuches ausgehändigt. Alle Interessierten können es im Buchhandel erwerben. Erhältlich ist sowohl der Hauptteil plus Registerband im Schuber, als auch der Hauptteil alleine.


Mitteilung des Landespresseamtes