Bauernbund | 31.07.2013

Ein Fünf-Jahres-Programm für Südtirols Landwirtschaft

Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Um weiterhin flächendeckend die Kulturlandschaft pflegen und wettbewerbsfähig Lebensmittel produzieren zu können, brauchen die heimischen Landwirtschaftsbetriebe günstige Rahmenbedingungen. Aus diesem Grund haben der Südtiroler Bauernbund und die bäuerlichen Organisationen zusammen mit den vom SBB unterstützten Landtagskandidaten ein Arbeitsprogramm mit notwendigen Maßnahmen und Initiativen für die nächsten fünf Jahre erstellt.

Auf diese vier Landtagskandidaten setzt der Südtiroler Bauernbund: Sepp Noggler, Albert Wurzer, SBB-Landesobmann Leo Tiefenthaler, Christian Gruber und Maria Hochgruber Kuenzer

Auf diese vier Landtagskandidaten setzt der Südtiroler Bauernbund: Sepp Noggler, Albert Wurzer, SBB-Landesobmann Leo Tiefenthaler, Christian Gruber und Maria Hochgruber Kuenzer

Fünf Schwerpunkte haben der Südtiroler Bauernbund, die bäuerlichen Organisationen und die Landtagskandidaten Maria Hochgruber Kuenzer, Albert Wurzer, Christian Gruber und Sepp Noggler identifiziert, in denen Handlungsbedarf herrscht: der Mensch auf dem Land, die Landwirtschaft als Wirtschaftssektor,  der Bereich Umwelt, der Schutz landwirtschaftlicher Nutzflächen und der ländliche Raum. „Dabei geht es weniger um neue finanzielle Unterstützungen, sondern vielmehr um Verbesserungen der derzeitigen Rahmenbedingungen und um Vereinfachungen“, erklärte SBB-Obmann Leo Tiefenthaler heute bei der Vorstellung der Maßnahmen. 
In den nächsten Jahren sollen möglichst viele der Maßnahmen, so der Wunsch des SBB, auf politischer Ebene umgesetzt werden – im Interesse der Bäuerinnen und Bauern, aber auch der gesamten Bevölkerung. „Viele Maßnahmen kommen nämlich allen zugute“. 
Der Mensch im Mittelpunkt
Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Unterstützung der Menschen, die auf dem Land leben. Die Familien brauchen eine besondere Aufmerksamkeit. Die Sicherung des Einkommens der bäuerlichen Familien, die Erhöhung des Kindergeldes und der Familienzulagen, die Aufwertung und Gleichstellung der Kinderbetreuung am Hof und die Einrichtung eines Betriebshelferdienstes stehen dabei ganz oben auf der Agenda. Auch  soll die Förderung der Junglandwirte ausgebaut und die Zweiberuflichkeit, d.h. die Kombination der landwirtschaftlichen Grundausbildung mit einer handwerklichen Ausbildung, deutlich stärker unterstützt werden. Die Bäuerinnen wünschen sich die Anerkennung der Pflege- und der Erziehungszeiten für die Rente sowie eine bessere soziale Absicherung fürs Alter. „Zudem muss der ländliche Raum attraktiv bleiben, etwa durch Teilzeitarbeitsplätze, Nah-, Gesundheits- und Sozialvorsorgeeinrichtungen und spezielle Bildungs-, Förderungs- und Entwicklungsprogramme“, erklärte die Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer. Für die Senioren brauche es Maßnahmen für seniorengerechtes Wohnen, für Hauspflegedienste, Essen auf Rädern sowie zur Gesundheitsförderung.
Die Land-Wirtschaft im Mittelpunkt
Eines der Hauptziele des SBB ist, eine vielfältige, wettbewerbsfähige und unternehmerisch ausgerichtete Land- und Forstwirtschaft – betrieben durch bäuerliche Familienbetriebe – zu erhalten. „Dazu müssen die Betriebe ein befriedigendes Einkommen erzielen können und Entwicklungsmöglichkeiten haben. Das garantiert, dass die Höfe weiterbewirtschaftet werden“, erklärte Christian Gruber. Der junge Meraner Stadtrat für Urbanistik und Landwirtschaft, der von einem Obst- und Weinbauernhof stammt, wir vom Südtiroler Bauernbund unterstützt. Ein einfacher Kreditzugang und eine Stärkung der Garantiegenossenschaft sind besonders in Krisenzeiten wichtig. Das Landwirtschaftsbudget des Landes darf nicht weiter gekürzt werden. Die Berglandwirtschaft verdient aufgrund der erschwerten Produktionsbedingungen und der Kleinstrukturiertheit der Betriebe besondere Beachtung. Alternative Einkommensquellen zur Milchwirtschaft sollen unterstützt werden. Eine Schlüsselrolle kommt dem neuen Beratungsring BRING zu.
„Um den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte zu fördern, müssen die Genossenschaften und gezielte Marketingmaßnahmen verstärkt unterstützt werden. Darin sehe ich noch großes Potential“, erklärte Gruber.  Für eine zukunftsfeste Landwirtschaft braucht es Investitionen in Innovation, Forschung und Beratung und eine gute Vernetzung der Akteure. Neben der Stärkung des Erfolgsmodells Genossenschaft sollen neue Formen der Kooperation unter Landwirtschaftsbetrieben ermöglicht werden.
Für den Vinschger Landtagsabgeordneten Sepp Noggler muss der Bürokratieabbau konkret angegangen werden. „Bürokratie kostet Zeit und Geld. Daher müssen die Gesetze in Zukunft dahingehend geprüft werden, ob oder wie viel Aufwand sie in der Umsetzung verursachen.“
Wichtiger Faktor Umwelt
Die Förderung einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Bewirtschaftung ist ein wichtiges Ziel. Dazu muss die Forschung zu gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen ausgebaut und die Entwicklung von resistenten Sorten begünstigt werden. Kampagnen, die die Landwirtschaft der Gesellschaft näher bringen und Bewusstsein für gesunde Ernährung, Umwelt und Landwirtschaft schaffen, sind zu unterstützen. „Im Energiebereich muss gerade die Verwendung von Biomasse aus den heimischen Wäldern intensiviert werden. Höhere Aufwände bei der energetischen Sanierung von historischer Bausubstanz bedürfen eines Ausgleichs“, forderte Noggler, der sich ganz allgemein für mehr Transparenz in der Politik aussprach. „Was wir noch brauchen ist, den Menschen wieder mehr Selbständigkeit zu geben.“
Flächen für die Landwirtschaft sichern
Ein besonderes Anliegen ist dem Bauernbund der Schutz des bäuerlichen Eigentums. Mit einem Bündel von Maßnahmen soll der Flächenverbrauch eingedämmt werden. Wirtschaftswachstum und Flächensicherung seien dabei kein Widerspruch, erklärte der Pusterer Albert Wurzer, bis vor kurzem Direktor im Ressort Landwirtschaft unter Landesrat Hans Berger. „Wir brauchen die Festlegung eines konkreten Flächenziels, die Einrichtung eines Kontrollsystems zur Bautätigkeit und einen besseren Schutz für das landwirtschaftliche Grün. Das Prinzip „Sanierung vor Neubau – braun vor grün“ muss bei allen Bauvorhaben gelten.“ Vor der Verwirklichung eines Bauvorhabens auf der grünen Wiese sollten demzufolge alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, dafür bestehende Gebäude oder bereits erschlossenes Bauland zu verwenden.
Der Bauernbund ist für eine umfassende Vereinfachung des Raumordnungsgesetzes unter Beibehaltung der bewährten Grundsätze: mehr Klarheit, weniger Ausnahmen, bessere Verständlichkeit, mehr Bürgernähe. Freizeitnutzungen müssen durch faire Abkommen zwischen Grundbesitzern und Streckenbetreibern geregelt werden.
Ländlichen Raum lebendig erhalten
„Um Abwanderungstendenzen entgegenzutreten, müssen bestehende Arbeitsplätzen erhalten bzw. neue geschaffen werden“, war Wurzer überzeugt. Außerdem müsse die Lebensqualität in den ländlichen Räumen durch die Aufrechterhaltung wichtiger Dienstleistungs- und Versorgungseinrichtungen gesichert sein, forderte Kuenzer.
Die Chancengleichheit für die Menschen, die in den ländlichen Gebieten leben, ist Aufgabe der Politik. „Erreichbarkeit und Instandhaltung von Infrastrukturen gilt es zu sichern – durch flächendeckende schnelle Internetverbindungen (Breitband), die Aufrechterhaltung des Postdienstes und dessen Integration in Strukturen vor Ort, z.B. Bars oder Geschäfte“, so Kuenzer.
Diese und weitere Maßnahmen sollen in den nächsten Jahren umgesetzt werden, hofft der Südtiroler Bauernbund.