Innovation, Südtiroler Landwirt | 12.09.2013

Blumige Aussichten

Energie sparen, Pflanzenschutzmittel reduzieren: Um das zu erreichen, forschen zwei führende Südtiroler Gärtnereibetriebe an neuen Zierpflanzenzüchtungen. Begleitet hat das gemeinsame Forschungsprojekt der Innovationsschalter des Südtiroler Bauernbundes. von Stefanie Gruber

Die Blumenexpertin Barbara Raffeiner kontrolliert die Fortschritte ihrer Orchideenzüchtung im betriebseigenen Labor.

Die Blumenexpertin Barbara Raffeiner kontrolliert die Fortschritte ihrer Orchideenzüchtung im betriebseigenen Labor.

Mit einem Ruck öffnet sich die schwere Stahltür und gibt den Blick frei auf Tausende und Abertausende Orchideenpflänzchen, die sich in gekühlten Probenbehältern aneinanderdrängen. Laborleiterin Barbara Raffeiner untersucht die Jungpflanzen mit prüfendem Blick und notiert ihre Beobachtungen, um den Mitarbeitern des Partnerbetriebes noch heute die neuesten Informationen über die Fortschritte der Forschung mitteilen zu können.
Kreative Köpfe, innovative Ideen und professionelle Beratung – das sind die Zutaten für erfolgreiche einzelbetriebliche oder betriebsübergreifende Initiativen wie jene der beiden Südtiroler Gartenbaubetriebe „Andreas Psenner“ und „Valtl Raffeiner“. Die zwei Betriebe arbeiten seit 2012 an einem gemeinsamen wissenschaftlichen Projekt über neue Züchtungsmethoden bei Zierpflanzen. Mit Hilfe des SBB-Innovationsschalters wurde beim Amt für Innovation, Forschung und Entwicklung erfolgreich um Mitfinanzierung dieses Projektes über das Landesgesetz 14/2006 angesucht.
Die Gärtnerei Psenner erforscht die interspezifische Kreuzung von zwei verschiedenen Zierpflanzenarten. Die Neuzüchtungen sollen im Vergleich zu den derzeit am Markt verfügbaren Sorten kälte- und schädlingstoleranter sein. Die Gärtnerei Raffeiner beschäftigt sich mit neuen Kreuzungen von Paphiopedilum-Hybriden, einer Pflanzengattung der Orchideen. Ziel der Zusammenarbeit ist es, in Zukunft umweltfreundlicher züchten und produzieren zu können, indem der Energiebedarf und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert werden.

Unterstützung für kluge Köpfe
Innovation ist einer der Schlüsselfaktoren für die Landwirtschaft von morgen. Das wissen nicht nur die beiden genannten Gärtnereibetriebe. Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe erkennen, dass Fortschritt auch Vorsprung und somit einen Vorteil in Produktion, Verarbeitung und Vermarktung bedeutet. Aus diesem Grund hat es sich der Bauernbund zur Aufgabe gemacht, innovative Projekte in der Landwirtschaft zu beratend zu unterstützen. Er will die geeignete Basis für die Entwicklung und Umsetzung neuer, erfolgreicher Ideen schaffen.

Von der Idee bis hin zum Erfolg
Die Innovationsbereiche sind vielfältig: Sie reichen beispielsweise von der neuartigen Veredelung landwirtschaftlicher Rohstoffe über die Entwicklung innovativer Dienstleistungen am Hof bis hin zur Erschließung neuer Vertriebs- und Vermarktungsmöglichkeiten.
Der Weg von der Geburt einer neuen Idee bis hin zum wirtschaftlichen Erfolg ist aber lang und risikobehaftet.
Aktuell betreut der Innovationsschalter über 30 innovative Ideen von landwirtschaftlichen Betrieben. Dabei handelt es sich derzeit vorwiegend um Innovationsbestrebungen in den Bereichen Obst- und Gemüsebau, einige interessante Ideen sind aber auch im Bereich der Viehwirtschaft an den Innovationsschalter herangetragen worden.
„Ein betreutes innovatives Kooperationsprojekt liefert zahlreiche Vorteile für einen Betrieb. In unserem Fall kann durch die Zusammenarbeit mit dem Partnerbetrieb die Forschungsarbeit aufgeteilt werden. Somit kann das nötige Know-how durch die Spezialisierung in einem bestimmen Bereich perfektioniert werden“, betont Thomas Psenner.

Aufwand nicht unterschätzen
Auch Barbara Raffeiner zieht zum jetzigen Zeitpunkt eine positive Bilanz. „Die Zusammenarbeit mit dem SBB-Innovationsschalter funktioniert bisher sehr gut. Allerdings sollte bei einem derartigen Großprojekt der bürokratische Aufwand nicht unterschätzt werden. Ich habe meine Mitarbeiterin, die eigens für dieses Projekt eingestellt wurde, noch nie ohne Zettel und Stift gesehen“, meint Frau Raffeiner augenzwinkernd.
Das gemeinsame Projekt wird noch bis Dezember 2014 weiterlaufen. Die beiden Betriebe forschen weiterhin daran, kälteresistentere Sorten zu entwickeln. Denn eine Senkung von einem Grad Celsius in der Produktion führt bereits zu einer Energieeinsparung von bis zu sechs Prozent. Jeder eingesparte Grad ist daher von großem Vorteil.
Das in diesem Projekt erworbene Know-how wird den beiden Betrieben auch in Zukunft auf dem internationalen Blumenmarkt von Nutzen sein.

Fachliche Beratung und Betreuung wird großgeschrieben
Seit einigen Jahren bemüht sich der Südtiroler Bauernbund darum, den innovativen Köpfen in diesem Land die nötige Unterstützung zu geben, die es ihnen ermöglicht, ihre Ideen umsetzen zu können.
Seit Januar 2013 ist der SBB-Innovationsschalter offizieller Vertrauenspartner und Schnittstelle für das Thema Innovation in der Südtiroler Landwirtschaft. Hauptaufgabe ist es, den Interessierten betriebsspezifische Innovationsberatungen zu bieten. Dabei prüfen die Mitarbeiter des Schalters zuerst den Innovationsgehalt der Idee und zeigen eventuelle Fördermöglichkeiten auf. Anschließend werden Interessierte gemeinsam mit Fachexperten dabei betreut, wie sie ihre Idee erfolgreich weiterentwickeln und umsetzen können.
Darüber hinaus unterstützt der Innovationsschalter landwirtschaftliche Betriebe bei der Einreichung und Abwicklung von Innovations-Förderansuchen.
„Unsere bisherigen Erkenntnisse lassen auf große Resultate am Ende des Innovationsprojektes hoffen“, meint Barbara Raffeiner. Und damit schließt sie die weiße Stahltür und die Mitarbeiterin im weißen Labormantel verschwindet mit Block und Stift zwischen den meterlangen Eisenregalen des Forschungslabors.