Bauernbund | 20.09.2013

Beängstigende Situation

Der Besenwuchs (oder Apfeltriebsucht) nimmt im Untervinschgau, besonders aber im Meraner Raum, beängstigende Ausmaße an. In einigen Obstanlagen sind allein heuer teilweise bis zu 15 Prozent der Bäume vom Bakterium befallen. In anderen Anlagen mussten in den letzten Jahren bis zu einem Drittel der Bäume gerodet werden. Bei einem Lokalaugenschein in Schenna, der vom Bauernbund und dem Beratungsring für Obst- und Weinbau organisiert wurde, haben sich Landespolitik und Laimburg ein Bild von der Lage gemacht und zusammen mit den betroffenen Bauern über Maßnahmen beraten.

Zahlreiche Experten und betroffene Bauern kamen zum Lokalaugenschein mit Landeshauptmann Luis Durnwalder, den der Südtiroler Bauernbund und der Beratungsring für Obst- und Weinbau organisiert hat.

Zahlreiche Experten und betroffene Bauern kamen zum Lokalaugenschein mit Landeshauptmann Luis Durnwalder, den der Südtiroler Bauernbund und der Beratungsring für Obst- und Weinbau organisiert hat.

Bereits in den letzten Jahren war ein leichter Anstieg der befallenen Bäume im Gebiet Untervinschgau-Meran festzustellen. Heuer hat sich die Situation dramatisch verschlimmert:  In manchen Anlagen ist jeder 7. Baum vom Besenwuchs befallen, zeigen Auswertungen des Südtiroler Beratungsrings für Obst- und Weinbau. Die Krankheit trete sowohl bei Ertragsanlagen als auch bei Junganlagen auf. Die Folge des Besenwuchs: Die Früchte bleiben klein und sind für die Vermarktung wertlos. Dramatisch ist die Situation auch deshalb, weil der Überträger – der Sommerapfelblattsauger – zwar bekannt ist, die direkte Bekämpfung des für die Krankheit verantwortlichen Bakteriums sich aber als sehr schwierig erweist bzw. derzeit gar nicht möglich ist. Zudem gibt es noch viele offene Fragen.
Das Versuchszentrum Laimburg hat die Forschung im Bereich Apfeltriebsucht auch deshalb intensiviert. „Sieben Mitarbeiter und einige saisonale Angestellte forschen mit Hochdruck. Wir wollen klären, wieso gerade der Raum Meran so stark betroffen ist, ob noch andere Überträger als der Sommerapfelblattsauger in Frage kommen und wann bzw. wie die Infektion stattfindet. Darüber hinaus soll in zahlreichen Versuchen geprüft werden, wie die Überträger am effektivsten bekämpft werden können“, erklärten Landeshauptmann sowie Landesrat für Landwirtschaft Luis Durnwalder und der Direktor des Versuchszentrums Laimburg Michael Oberhuber. Eng arbeiten die Forscher dabei mit dem Versuchszentrum San Michele all’Adige und anderen Forschungseinrichtungen zusammen. In den Obstwiesen führen, zusammen mit den Obstbauern selbst, die Berater des Beratungsringes für Obst- und Weinbau Erhebungen und Auswertungen durch. „Die Zusammenarbeit zwischen Laimburg, Beratungsring und Bauern ist immens wichtig“, erklärte Robert Widmer vom Beratungsring für Obst- und Weinbau.

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Befallene Bäume müssen gerodet werden!

Er und der Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes Leo Tiefenthaler sowie SBB-Bezirksobmann Bernhard Burger appellierten an die Obstbauern, ihre Anlagen weiterhin im Auge zu behalten, „verdächtige“ Bäume zu kennzeichnen und zu roden. „Eine Rodung ist nach wie vor die beste Maßnahme, um eine Übertragung der Krankheit von befallenen auf gesunde Bäume zu verringern.“ Die Rodung sei zudem verpflichtend, so das Amt für Obst- und Weinbau des Landes. Wer sich nicht an diese Verpflichtung halte, riskiere Verwaltungsstrafen und eine Zwangsrodung. 
Für die Zukunft hoffen die Obstbauern auf neue Erkenntnisse aus der Forschung – und auf resistente Unterlagen. „Letztere würden eine effektive Verbesserung bringen. Allerdings dürfte dies noch einige Zeit dauern.“