Bauernbund | 24.09.2013

Milchquoten: Strategien für die Zeit danach

Im April 2015 werden die Milchquoten in Europa Geschichte sein. Wie die Milchwirtschaft trotz Quoten-Aus abgesichert werden kann, war Thema einer Fachtagung in Brüssel, an der auch Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler teilnahm.

Nahmen an der Milchtagung in Brüssel teil: Annemarie Kaser, Joachim Reinalter, Leo Tiefenthaler, Vesna Caminades, Herbert Dorfmann, Michl Ebner, Georg Häusler, Martin Pazeller

Nahmen an der Milchtagung in Brüssel teil: Annemarie Kaser, Joachim Reinalter, Leo Tiefenthaler, Vesna Caminades, Herbert Dorfmann, Michl Ebner, Georg Häusler, Martin Pazeller

Drei Jahrzehnte lang regelte das System der Milchquoten den europäischen Milchmarkt. Wer mehr produziert als erlaubt ist, wird sanktioniert. Dieses Quotensystem hat in Europa große Milchfarmen in Gunstlagen verhindert und ist damit auch ein Schutz für kleinstrukturierte Milchbauern im Berggebiet. Bald gehört dieses System der Vergangenheit an. Die EU will nämlich die Chancen des schnell wachsenden Weltmarktes für Milch und Milchprodukte nutzen. Deshalb wurde der Ausstieg aus dem bestehenden Quotensystem bereits vor Jahren eingeläutet und nun umgesetzt. Das Europäische Parlament wird sich in den nächsten Monaten mit der zukünftigen Milchpolitik in Europa befassen. In diesem Rahmen ist der Südtiroler Europaabgeordnete Herbert Dorfmann an einer Schlüsselfunktion im Parlament. Er ist  Berichterstatter zu einem Bericht über die Zukunft der Milchproduktion im Berggebiet nach dem Auslaufen des Quotensystems.
Nun lud Herbert Dorfmann gemeinsam mit dem Außenamt der Landesverwaltung Südtirol in Brüssel zu einer Tagung zum Thema Milchproduktion. „Das Auslaufen der Milchquoten könnte die schon schwierige Milchproduktion in den Berggebieten  zusätzlich belasten. Die Liberalisierung, die anderswo Chancen für Wachstum bringen wird, könnte den Bergbauern neue Konkurrenz bringen. Wir müssen deshalb nachdenken, welche Maßnahmen möglich sind, um die Milchbauern am Berg zu halten“, meinte dazu Dorfmann.  
Professor Hannes Weindlmaier von der Technischen Universität München erläuterte auf der Tagung vorab eine Studie der Europäischen Kommission zum Auslaufen des Milchquotensystems, die in Brüssel vorgestellt wird. Georg Häusler, Kabinettchef des europäischen Agrarkommissars Dacian Ciolos legte die Sichtweise der EU Kommission dar. René Souchon, Präsident der französischen Region Auvergne und Mitglied des Ausschusses der Regionen stellte den Bericht vor, den er im AdR zum Thema erarbeitet hat. Rund 150 Experten aus ganz Europa nahmen an der Tagung teil.
Auch Südtiroler Milchexperten vor Ort
Aus Südtirol kamen Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler, der Direktor der Abteilung Landwirtschaft Martin Pazeller, sowie Joachim Reinalter und Annemarie Kaser vom Sennereiverband Südtirol nach Brüssel. „Milch am Berg  ist in Südtirol mehr als einfach ein Wirtschaftszweig. Die Milchbauern bewirtschaften Grünland und Almen, auf denen es oft kaum eine Alternative zur Milch gibt. Deshalb ist es wichtig, dass auch das Europäische Parlament darüber spricht“ meinte Leo Tiefenthaler nach der Tagung. Auch der ehemalige Südtiroler Europaabgeordnete und derzeitige Handelskammerpräsident Michl Ebner erkannte die Wichtigkeit der Thematik und reiste nach Brüssel an. 
„Die jüngsten Diskussionen in Südtirol darüber, welcher Milchhof welche Milch bekommt, zeigen, dass Milch in Südtirol trotz der schwierigen Produktionsbedingungen Zukunft hat. Wir haben politische Rahmenbedingungen zu setzen, damit jene, die wegen der schwierigen Lage teuer produzieren, ein paar Vorteile gegenüber der Konkurrenz bekommen. Dafür werde ich mich im Parlament gemeinsam mit meinen Kollegen aus dem Berggebiet einsetzen“ meinte Herbert Dorfmann.