Marketing, Südtiroler Landwirt | 10.10.2013

Bäuerliche Handarbeit trifft auf edles Design

Eine alte Tradition wiederbeleben und bäuerlichen Familien einen weiteren Zuerwerb ermöglichen, will der Bauernbund mit dem „Bäuerlichen Handwerk“. Für die besondere Qualität und Einzigartigkeit sorgt die Marke „Roter Hahn“.

Aus bäuerlicher Handarbeit entstandene Formen: Die Zusammenarbeit zwischen Uni-Studenten und Bauernbund trägt Früchte. (Foto: Frieder Blickle)

Aus bäuerlicher Handarbeit entstandene Formen: Die Zusammenarbeit zwischen Uni-Studenten und Bauernbund trägt Früchte. (Foto: Frieder Blickle)

Schnitzen, drechseln, filzen oder weben: Jahrhundertelang spielte das Handwerk auf Südtirols Bauernhöfen eine besondere Rolle. Im Laufe der Zeit ist diese Tradition fast verschwunden. Nun will der Südtiroler Bauernbund das bäuerliche Handwerk neu zum Leben erwecken und hat es vor kurzem als neue, vierte Säule der Qualitätsmarke „Roter Hahn“ präsentiert. Hans J. Kienzl, Leiter der Abteilung Marketing, erklärte bei der Vorstellung: „Das bäuerliche Handwerk passt ideal zu unserer Philosophie, den Menschen ein Stück bäuerlicher Südtiroler Lebensart näherzubringen. Damit entsteht neben dem Urlaub auf dem Bauernhof, den bäuerlichen Schankbetrieben und den Qualitätsprodukten vom Bauernhof eine weitere Säule.“

Jedes Werkstück ein Unikat
Nach einem Aufruf im „Südtiroler Landwirt“ hatten sich dreißig bäuerliche Handwerker gemeldet. „Fünf davon haben die strengen Qualitätskriterien erfüllt“, berichtete Kienzl. Das begehrte Markenzeichen erhalten nur Werkstücke, deren Ausgangsmaterial zu 100 Prozent von Südtiroler Bauernhöfen stammt – ein Teil davon muss vom eigenen Hof kommen. Zudem müssen sie zur Gänze in bäuerlicher Handarbeit hergestellt werden. So wird jedes Werkstück garantiert zum Unikat.
Nun wollen die Verantwortlichen der Marke „Roter Hahn“ das bäuerliche Handwerk weiterentwickeln. In einem Workshop hat der  Bauernbund zusammen mit der Fakultät für Design der Freien Universität Bozen bäuerliche Handwerker und Studenten zusammengeführt. Wie Kienzl erklärte, „sind dabei tolle Ideen für neue Handwerksgegenstände entstanden.“
Interessierten Bäuerinnen und Bauern wird zudem in Zusammenarbeit mit der Bauernbund-Weiterbildungsgenossenschaft der Lehrgang „Bäuerliches Handwerk“ angeboten.
Etwa zwei Drittel der bäuerlichen Familienbetriebe sind auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen. Für einige könnte das bäuerliche Handwerk zu einem interessanten Nebenerwerb direkt am Hof werden, sagte Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler: „Wir starten mit fünf Betrieben, in den nächsten Jahren werden einige dazukommen. Mehr als an der Zahl der Betriebe sind wir interessiert, die hohe Qualität auszubauen.“ Eine Konkurrenz zu anderen Handwerkern gebe es daher nicht.