Bauernbund, Marketing | 22.10.2013

Wo Bauernhof drauf steht, muss Bauernhof drin sein

Der Urlaub auf dem Bauernhof wird immer mehr zur 4. Säule in der Landwirtschaft – neben der Milchwirtschaft, dem Obst- und dem Weinbau. Großes Potential bietet der Winter, wurde auf der heutigen 13. Fachtagung in der Messe Bozen klar.

Echt und authentisch bleiben und auf bäuerliche Produkte setzen, riet Hans J. Kienzl den über 800 Urlaub auf dem Bauernhof-Anbietern auf der Fachtagung für den Urlaub auf dem Bauernhof .

Echt und authentisch bleiben und auf bäuerliche Produkte setzen, riet Hans J. Kienzl den über 800 Urlaub auf dem Bauernhof-Anbietern auf der Fachtagung für den Urlaub auf dem Bauernhof .

Die Identifikation mit dem Bauernhof, ein stimmiges Hofambiente, Frühstück am Hof sowie die Präsentation der bäuerlichen Produkte, sind für Hans J. Kienzl, dem Leiter der SBB-Marketingabteilung, die Erfolgsfaktoren für die Marke „Roter Hahn“ und besonders für den Urlaub auf dem Bauernhof in Südtirol. „Unter Identifikation verstehen wir, dass der Hof im Mittelpunkt des Angebots steht und sich die bäuerliche Familie mit der Landwirtschaft und den eigenen Produkten identifizieren muss. Diese Identifikation muss dem Gast vermittelt  werden. Darin unterscheiden wir uns von anderen Anbietern. Dort, wo Bauernhof drauf steht, muss auch Bauernhof drin sein“, stellte Kienzl klar. Ebenso wichtig ist für Kienzl ein stimmiger Bauernhof. „Wir müssen den Gästen ein rundes stimmiges Angebot bieten, das zum jeweiligen Bauernhof passt“, erklärte Kienzl. Immer wichtiger wird die Verköstigung am Hof. Umfragen haben gezeigt, dass bereits über die Hälfte der Gäste ein Frühstück mit hofeigenen Produkten am Bauernhof wünscht. „Hier haben wir noch Nachholpotenzial“. Vierte und letzte Stärke des Urlaubs auf dem Bauernhof sind die hofeigenen Produkte, das Alleinstellungsmerkmal schlechthin. „Die Produkte sind einmalig, die Präsentation kann auf manchen Höfen noch verbessert  werden“, war Kienzl überzeugt.
Im Winter steckt noch Potential
Bis vor einigen Jahren spielte der Winter auf den Bauernhöfen nur eine untergeordnete Rolle. Mittlerweile zählt der Urlaub auf dem Bauernhof 27 Prozent der Übernachtungen in den Wintermonaten, das Potential ist aber noch lange nicht erschöpft. „Gerade der Wintergast, der oft nur einige Tage bleibt, sucht Ruhe und Erholung. Besonders wichtig sind  eine gemütliche Einrichtung, heimische Materialen und viel Holz. Das alles können Gäste auf den Bauernhöfen finden.“ Zudem wünschen sich vor allem auch Wintergäste ein Frühstück und hofeigene Produkte in Hofläden oder Produktecken.
Eine weitere Stärke des Bauernhofes sind die gelebten Bräuche und Rituale am Bauernhof. Darauf wies Thomas Aichner, der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Meran hin. „Am Bauernhof sollen dem Gast die gelebten Alltags- und Feiertagsbräuche vermitteln werden, um so einen Einblick in das bäuerliche Leben zu bekommen. Ein Beispiel hierfür ist der Holbmittog, der auf den Höfen eine lange Tradition hat.“ Noch tiefer steige der Gast in das Brauchtum ein, wenn er zum Beispiel beim Zubereiten einer traditionellen Speise dabei sein kann. Gelebtes Brauchtum darf aber nie als eine Marketingstrategie benutzt werden. „Wenn das Brauchtum zur Gästeanimation wird, verliert es seinen ursprünglichen Inhalt und damit seinen Wert.“
Wie der Glaube Motivation sein und Entlastung im arbeitsintensiven Alltag bringen kann, darüber sprach Arnold Stiglmair, Professor für Bibelwissenschaften an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Brixen.
Zwei Vorzeigebetriebe vorgestellt
Einen Einblick in die Gästebetreuung haben Gerlinde und Peter Schönegger vom Kerschbaumhof in Innichen sowie Birgit und Robert Sinn vom Hof St. Quirinus in Kaltern gegeben. Sie punkten bei den Gästen vor allem durch das Frühstück, die hofeigenen Produkte und die Gästebetreuung.