Marketing, Südtiroler Landwirt | 07.11.2013

Winter-Wünsche

Er kommt nicht nur zur Sommerszeit, nein auch im Winter, wenn es schneit. Wie beim Erfolgsmodell Urlaub auf dem Bauernhof das Potential im Winter noch besser ausgeschöpft und dem Gast Bräuche und Traditionen ehrlich vermitteln werden können, erfuhren UaB-Betreiber bei ihrer Fachtagung. von Michael Deltedesco

Was sich die Feriengäste in der kalten Jahreszeit von ihrem Urlaub am Bauernhof erwarten.

Was sich die Feriengäste in der kalten Jahreszeit von ihrem Urlaub am Bauernhof erwarten.

Über 700 Urlaub auf dem Bauernhof-Betreiber und Interessierte waren auch heuer dem Ruf des „Roten Hahn“ in die Messe Bozen gefolgt, um sich nützliche Tipps zu holen – zum Beispiel darüber, was sich der Gast beim Winterurlaub auf dem Bauernhof erwartet. Da wäre zum einen die Ausstattung am Hof, erklärte die Münchner Trend- und Tourismusexpertin Felizitas Romeiß-Stracke. „Der Wintergast sehnt sich besonders nach Erholung und Gemütlichkeit. Daher sollten die Wohnungen oder Zimmer möglichst viel Wärme ausstrahlen – durch viel Holz, besonders Holzfußböden, und warme Farben. Ideal wäre auch ein Ofen in der Wohnung.“
Ebenso wichtig sei die Verpflegung, denn Wintergäste sind in der Regel Paare oder Singles mittleren Alters, die nur für ein paar Tage kommen. „Dann wünschen sie sich ein Frühstück und die Möglichkeit, Produkte des Hofes zu kaufen. Wer zusätzlich ein Abendessen anbietet, ist im Vorteil“, erklärte Romeiß-Stracke.
Beliebt sei bei Wintergästen ein warmes, großes Badezimmer mit Badewanne. Geschätzt werden auch Wellnessangebote. Wintergäste mögen eine gut beleuchtete Leseecke sowie Hänge- und Trockenmöglichkeiten für Kleider und Schuhe.
Neben Ruhe suchen die Gäste auch die Sonne. „Es ist unbedingt wichtig, den Gästen die Gelegenheit zu geben, einige Stunden in der Sonne zu sitzen.“ Von Vorteil sei auch, wenn individuelle Wander- und Rodelmöglichkeiten vom Haus weg da sind. „Bei weitem nicht alle Wintergäste fahren Ski. Immer mehr kommen das Winter- oder Schneeschuhwandern und das Rodeln in Mode. Daher bietet der Winter auch Betrieben abseits der Skigebiete gute Chancen“, betont Romeiß-Stracke. Voraussetzung dafür sei aber auch eine geeignete Kommunikation. „Der Winter muss mit entsprechenden Winterbildern beworben werden. Während viele Betriebe über sehr gute Sommerbilder verfügen, fehlt es an guten Winterfotos. Zudem muss in der Kommunikation auf die besonderen Winterwünsche und Angebote, wie Frühstück beispielsweise, eingegangen werden.“

Mit Gästen Bräuche teilen
Wie wichtig und einzigartig Tradition und Bräuche sind, darauf wies Thomas Aichner von der Marketinggesellschaft Meran bei der UaB-Tagung hin. Er forderte die Bäuerinnen und Bauern auf, ihre Gäste an den Bräuchen teilhaben und sie den bäuerlichen Rhythmus am Hof spüren zu lassen. Kein Hof gleiche dem anderen. So werden auch Bräuche individuell gepflegt und Höfe dadurch einzigartig.
Besonders wichtig in der bäuerlichen Welt sind Symbole wie der blaue Schurz oder die Tracht. Ihre Bedeutung müsse den Gästen aber erklärt und die Symbolik nähergebracht werden, betonte Aichner. Gleiches gelte für religiöse Bräuche, Feste oder Prozessionen.
Gäste interessieren sich auch für die bäuerliche Esskultur. Gerade Bauernhöfe haben hier viel zu bieten. Eine besondere Ausstrahlung habe das Herz des Hofes, die Stube. Aichner empfahl, sie von Zeit zu Zeit für die Gäste zu öffnen. Nicht zuletzt müsste den Gästen die bäuerliche Wertehaltung, die stark von der Verantwortung für zukünftige Generationen und von Nachhaltigkeit geprägt ist, vermittelt werden. Das alles müsse aber ehrlich und glaubwürdig sein. Das gelänge nur, wenn auch die ganze Familie dahintersteht.

Vier Erfolgsfaktoren
Egal, ob Winter oder Sommer. Für Hans J. Kienzl, Leiter der Abteilung Marketing im Südtiroler Bauernbund, wird der zukünftige Erfolg von Urlaub auf dem Bauernhof in Südtirol auf vier Faktoren beruhen: auf der Identifikation der Familie mit dem Bauernhof, einem stimmigen Hof, dem Angebot von Frühstück sowie der hochwertigen Präsentation der bäuerlichen Produkte. „Unter Identifikation verstehen wir, dass sich die bäuerliche Familie mit der Landwirtschaft und den eigenen Produkten identifiziert und dass der Hof im Mittelpunkt des Angebots steht. Diese Identifikation muss dem Gast vermittelt werden. Darin unterscheiden wir uns von anderen Anbietern. Dort, wo Bauernhof drauf steht, muss auch Bauernhof drin sein“, stellte Kienzl klar. Ebenso wichtig ist für Kienzl ein stimmiger Bauernhof. „Wir müssen den Gästen ein rundes, stimmiges Angebot bieten, das zum jeweiligen Bauernhof passt“, erklärte er. Immer wichtiger werde auch die Verpflegung am Hof. Umfragen hätten gezeigt, dass bereits über die Hälfte der Gäste ein Frühstück mit hofeigenen Produkten am Bauernhof wünscht. „Hier haben wir noch Potenzial“, sagte Kienzl. Die vierte Stärke von Urlaub auf dem Bauernhof sind die hofeigenen Produkte, das Alleinstellungsmerkmal schlechthin. „Die Produkte sind einmalig, ihre Präsentation kann auf manchen Höfen noch verbessert werden“, ist Kienzl überzeugt.

Zwei Vorzeigebetriebe vorgestellt
Einen Einblick in die Gästebetreuung haben Gerlinde und Peter Schönegger vom Kerschbaumhof in Innichen sowie Birgit und Robert Sinn vom Hof St. Quirinus in Kaltern gegeben. Sie punkten bei den Gästen vor allem mit dem Frühstück, den hofeigenen Produkten und mit der Gästebetreuung.
Bei allem Bemühen, den Hof zu bewirtschaften, dürften die Menschen am Hof aber nicht zu kurz kommen, mahnte Arnold Stiglmair von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen und erinnerte daran, dass Menschen „am siebten Tag ruhen sollten.“ Auch sieht Stiglmair im Glauben eine Quelle für Kraft und Entspannung.