Südtiroler Landwirt, Innovation | 06.12.2013

Zweite Regiokorn-Ernte eingebracht

58 Landwirte haben im zweiten Regiokorn-Jahr auf 82 Hektar knapp 350 Tonnen Wintergetreide von ausgesprochen guter Qualität erzeugt. von Simone Seling, VZ Laimburg

Getreideanbau in Südtirol: Je zur Hälfte haben die Regiokorn-Bauern heuer Roggen und Dinkel angebaut.

Getreideanbau in Südtirol: Je zur Hälfte haben die Regiokorn-Bauern heuer Roggen und Dinkel angebaut.

Im nunmehr zweiten Regiokorn-Jahr haben 58 Landwirte auf gut 82 ha Winter-Getreide im Pustertal (50 ha), Vinschgau (21 ha) und Eisacktal (12 ha) angebaut. Etwa ein Drittel der Betriebe waren biologisch zertifiziert. Die übrigen waren sozusagen konventionelle Betriebe, die aber Getreide gemäß den naturnahen Regiokorn-Anbaurichtlinien angebaut haben, ohne schnellwirksame Mineraldünger oder Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Angebaut wurden je etwa zur Hälfte Roggen (Sorte Conduct) und Dinkel (Sorte Franckenkorn).
Im Vergleich zum Vorjahr waren die Witterungsbedingungen im Herbst und Frühjahr weniger günstig für das Getreide. Der Herbst war relativ nass und kalt, so dass zum Teil nur ein kurzes Zeitfenster für die Aussaat zur Verfügung stand und der Feldaufgang teilweise zögerlich erfolgte. Auch das Frühjahr war recht nass und kalt, so dass sich die Bestände nur langsam entwickelten.
Die darauf folgende trockenere Phase ging im Frühsommer in eine ausgesprochen heiße Witterung über. So reiften die Bestände relativ zügig ab. Allerdings war die Kornfüllungsphase dadurch etwas verkürzt und die Kornausbildung teilweise schwächer. Die Ernte begann am 1. August. Dank der trockenen Witterungsbedingungen wurden die Felder praktisch ohne Unterbrechung abgeerntet.

Menge und Qualität
Die diesjährige Ernte von knapp 350 t überzeugt durch eine ausgesprochen gute Qualität. Die hohen Anforderungen, die im Rahmen von Regiokorn an die Qualität der Ernte gestellt werden, wurden von gut 99 Prozent der geernteten Getreidemenge erfüllt. Hinsichtlich der durchschnittlichen Erträge je Flächeneinheit (Abb. 1) lagen beim naturnahen Roggen die diesjährigen Werte von
4,1 t/ha im Mittel allerdings um fast 20 Prozent unter denen des Vorjahres von 4,9 t/ha. Beim Roggen aus biologischem Anbau lagen die Erträge mit 4,1 t/ha hingegen fast auf dem Niveau vom Vorjahr mit 4,2 t/ha. Gleiches gilt für den naturnahen Dinkel, der mit durchschnittlich 4,4 t/ha fast den Vorjahreswert von 4,5 t/ha erreichte. Beim Dinkel aus biologischem Anbau wurden heuer 4,4 t/ha erreicht. Der Durchschnittsertrag im Vorjahr lag nur bei 2,7 t/ha, war aber bedingt durch besondere Verunkrautungsprobleme bei den beiden Dinkelerzeugern und schien damals schon wenig repräsentativ.
Im Durchschnitt dieser beiden Erntejahre ergeben sich die Erträge für Roggen und Dinkel aus naturnahem Anbau zu 4,5 t/ha und aus biologischem Anbau zu 4,1 t/ha.
Wirtschaftlichkeit des Anbaus
Das Land- und Forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg hat die Frage nach der Wirtschaftlichkeit des Getreideanbaus im Rahmen von Regiokorn näher untersucht. Dazu wurden im ersten Jahr 23 Landwirte und im zweiten Jahr 20 andere Regiokorn-Anbauer zu den Ausgaben und Einnahmen befragt. Die Kosten für den Getreideanbau beliefen sich im Durchschnitt der 43 Landwirte auf 950 Euro/ha, mit einer Spannweite von 650 Euro/ha bis 1500 Euro/ha. Dabei entfielen durchschnittlich etwa ein Drittel der Kosten auf die Herbstarbeiten (Bodenbearbeitung, Saatbettbereitung und Aussaat) und ein weiteres Drittel auf den Mähdrusch. Das letzte Drittel der Kosten umfasste die Ausgaben für das Saatgut, für das Striegeln (zur Unkrautregulierung), den Abtransport des Korns vom Feld (z.B. zu einer Sammel-Lagerstelle) und den Beitrag zur Kontrolle durch die Südtiroler Qualitätskontrolle.

Einnahmen aus Stroh und Korn
Die Einnahmen setzen sich zusammen aus dem Verkauf von Stroh und Korn. Die Netto-Einnahmen aus dem Stroh-Verkauf beliefen sich im Durchschnitt der beiden Getreidearten auf 250 Euro/ha, wobei sich beim Roggen aufgrund der im Vergleich zum Dinkel um knapp zehn Prozent höheren Strohmenge geringfügig höhere Einnahmen und beim Dinkel geringfügig niedrigere Einnahmen ergaben.
Die Einnahmen über das Korn lagen – unter Berücksichtigung der Regiokorn-Abnahmepreise  und unter der Voraussetzung, dass die Erntepartie die Qualitätsanforderungen erfüllte – durchschnittlich bei 3500 Euro/ha mit eine Spannweite von 1500 bis 6000 Euro/ha. Diese große Spannweite erklärt sich durch die große Spannweite bei den Kornerträgen (s. Abb. 1). Der Deckungsbeitrag ergibt sich dann durchschnittlich zu 2800 Euro/ha, mit einer Spannweite von 1000 bis 4500 Euro/ha. Ein solcher Deckungsbeitrag für eine Kultur, deren Anbau durchaus im Nebenerwerb zu realisieren ist und zudem eine Erweiterung der Fruchtfolge ermöglicht, ist sicherlich für manch einen Landwirt nicht uninteressant.

Ausblick
Für die Zukunft sind die Regiokorn-Partner zuversichtlich: Auch für das dritte Jahr haben sich wieder viele Landwirte gefunden. Sie bauen Getreide auf einer Fläche von knapp 80 ha an.
Zu hoffen bleibt, dass dann im nächsten Sommer wieder eine qualitativ so gute Ernte wie heuer einbracht wird, so dass die heimischen  Bäcker daraus wieder schmackhafte Brot- und Backwaren herstellen können.