Internationales, Bauernbund | 11.12.2013

Milch am Berg auch ohne Quoten

Auch nach der Liberalisierung des europäischen Milchmarktes soll die Milchproduktion im Berggebiet gehalten werden. Vorschläge dazu enthält ein Bericht des Europaparlamentariers Herbert Dorfmann, den das Europäische Parlament heute mit großer Mehrheit angenommen hat.

Seit 1984 war europaweit genauestens festgelegt, wer wie viel Milch produzieren durfte. Das Quotensystem hat große Milchfarmen in Gunstlagen verhindert und war damit auch ein Schutz für kleinstrukturierte Milchbauern im Berggebiet. Im April 2015 wird mit dieser Regelung Schluss sein. Die Milchproduktion in Europa wird liberalisiert.  Das Europäische Parlament hat dazu heute Mittag einen Bericht von Herbert Dorfmann angenommen, der sich mit der Zukunft der Milchproduktion im Berggebiet beschäftigt.

Die EU will die Chancen des schnell wachsenden Weltmarktes für Milch und Milchprodukte nutzen und deshalb wurde der Ausstieg aus dem bestehenden Quotensystem bereits vor Jahren eingeläutet und nun umgesetzt. Während sich damit für die Milchbauern in Gunstlagen neue Chancen auftun, könnte das Auslaufen der Milchquoten die bereits schon schwierige Lage der Milchbauern in den Berggebieten zusätzlich verschärfen. „Man muss darüber nachdenken, welche Maßnahmen möglich sind, um die Milchbauern am Berg zu halten“, erklärt Herbert Dorfmann.

Der heute mit breiter Mehrheit vom Europäischen Parlament angenommene Bericht sieht ein ganzes Bündel am Maßnahmen vor, welche den Milchbauern am Berg helfen können. „Ich bin überzeugt, dass hochwertige Produkte gut am Markt platziert werden können und die höhere Wertschöpfung daraus ein Mehrwert für die Bauern ist. Diesbezüglich braucht es gezielte Unterstützung in der Vermarktung“, meint Dorfmann.

Wenn sich Milchbauern, wie beispielsweise in Südtirol, in Genossenschaften organisieren und damit gemeinsam ihre Produkte vermarkten, sollte man sie dabei mehr als bisher unterstützen. Auch für die Bergbauern ist es nämlich immer noch das Beste, wenn sie einen möglichst hohen Anteil ihres Einkommens aus dem Verkauf ihrer Produkte erwirtschaften. Darüber hinaus muss es aber auch bei der Verteilung der Agrargelder eine Verschiebung von den Gunstlagen hin zu den Berggebieten geben. „Wer in Gunstlagen produziert, wird zunehmend auf eigenen Füßen stehen müssen. Wir müssen unsere Fördergelder jenen zukommen lassen, die ohne diese nicht überleben können“ meint Herbert Dorfmann.  Eine besondere Belastung im Berggebiet sind die höheren Transport- und Sammelkosten. Dieser Wettbewerbsnachteil muss ausgeglichen werden.

Mit der heutigen Abstimmung im Plenum ist ein erster wichtiger Schritt gemacht. Die Europäische Kommission hat bereits angekündigt innerhalb Mitte nächsten Jahres einen Legislativvorschlag zu präsentieren. Darin sollen möglichst viele der nun vorgeschlagenen Maßnahmen verankert werden.

Der Bericht im Wortlaut: http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+REPORT+A7-2013-0383+0+DOC+XML+V0//DE&language=de