Südtiroler Landwirt, Förderungen | 19.12.2013

EU-Förderungen im Übergangsjahr

Die ländlichen Entwicklungsprogramme starten 2015 mit neuen Regeln. Die bisherigen Programme werden ein Jahr weitergeführt. Ansuchen sind ab Jänner möglich.

Umweltprämien gibt es u. a. für vom Aussterben bedrohte Rassen (im Bild: Grauvieh).

Umweltprämien gibt es u. a. für vom Aussterben bedrohte Rassen (im Bild: Grauvieh).

Ab Anfang Jänner können Landwirte über die Bauernbund Service GmbH um Umweltprämien, Ausgleichszulage und Betriebsprämie ansuchen. Hier ein Überblick über die einzelnen Förderungen.

Verschiedene Neuerungen bei den Umweltprämien
Der Großteil der Antragsteller schließt mit 15. Mai 2014 das siebte fakultative Verpflichtungsjahr ab. Damit steht es diesen Landwirten frei, aus diesem Prämiensystem auszuscheiden oder eine Verlängerung um ein weiteres Verpflichtungsjahr zu beantragen. Denn im Jahr 2014 werden die bestehenden Programme der ländlichen Entwicklung weitergeführt (Überblick auf der Folgeseite). Erst mit dem Jahr 2015 beginnt die neue Agrarfinanzierungsperiode mit neuen Regeln.
Antragsteller, die ihre fünfjährige Verpflichtung nicht abgeschlossen haben, müssen die Verpflichtungen vorerst weiterführen.
Neue Anträge können für alle Vorhaben der Agrarumweltmaßnahme nur dann eingereicht werden, wenn im Jahr 2013 für die gleichen Vorhaben kein Antrag gestellt wurde.
Mit dem Jahr 2015 können allerdings nicht abgeschlossene Verpflichtungen keineswegs fortgeführt werden. Somit werden die Vorhaben ohne Sanktionen abgeschlossen. Der Landwirt kann darauf Erstanträge über den neuen ländlichen Entwicklungsplan einreichen.

Ausgleichszulage
Die Ausgleichszulage wird von Jahr zu Jahr neu eingereicht und umspannt somit nicht direkt einen fünfjährigen Verpflichtungszeitraum.

Betriebsprämie
Auch die Betriebsprämie ist jährlich als Einzeljahresprämie zu beantragen. Gemeldete Änderungen zur Flächenbewirtschaftung und Viehhaltung werden dabei ebenso berücksichtigt.

Qualitätsprogramme
Zusätzlich zur Betriebsprämie werden wie in den vergangenen Jahren Qualitätsprogramme angeboten. Die diesbezüglichen Anträge werden zeitgleich mit dem Antrag auf die Betriebsprämien gestellt.
Auch Landwirte ohne Zahlungsansprüche dürfen an diesen Programmen teilnehmen.
Qualitätsmilchproduktion im Molkerei-
und Direktvermarktungssektor

Dafür gelten folgende Bedingungen:

  • Zellzahl unter 300.000 pro ml;
  • Keimzahl unter 40.000 pro ml;
  • Proteingehalt nicht unter 3,35 %.
Mindestens zwei dieser Kriterien müssen erfüllt sein. Das dritte Kriterium darf folgende Werte nicht über- bzw. unterschreiten:
  • Zellzahl unter 400.000 pro ml;
  • Keimzahl unter 100.000 pro ml;
  • Proteingehalt nicht unter 3,2 %.
Prämie: rund 5,5 Euro je Tonne produzierte Milch bis zur Quotenausschöpfung.
Kälber einer Mutterkuhhaltung
  • Fleischrassen im Herdebuch eingetragen – zugelassene Rasse: Fleckvieh Fleischschlag
    Prämie:
    rund 140 Euro je zweites, drittes usw. Kalb einer Kuh; rund 186 Euro je erstes Kalb einer Kuh
  • Zweinutzungsrassen – zugelassene Rasse: Fleckvieh, Pinzgauer, Grauvieh, Pustertaler Sprinzen
Falls der Betrieb über eine Milchquote verfügt, darf sie nicht über 120.000 kg liegen. Liegt sie unterhalb, muss die Höhe durch einen Milchleistungsdurchschnitt von
5150 kg dividiert werden. Für die daraus rein rechnerisch erhaltenen Milchkühe darf um keine Prämie angesucht werden.
Beispiel: Kontingent: 50.000 kg, 11 weibliche Rinder über 24 Monate
50.000 kg: 5150 kg = 9,71 Milchkühe > um 1 Kuh darf die Prämie angesucht werden.
Prämie: rund 56 Euro je Kalb

Schlachtvieh
Dafür gelten folgende Bedingungen: Der Betrieb muss bei einem staatlich anerkannten Etikettierungssystem dabei sein. Die Prämie gilt für Tiere, die zwischen einem Alter über 12 und unter 24 Monaten geschlachtet werden und zwischen dem 1. Jänner und 31. Dezember mindestens sieben Monate gehalten werden. Die Tiere müssen innerhalb von 30 Tagen nach Stallaustritt geschlachtet werden.
Prämie: rund 44 Euro je Stück
Schaf- und Ziegenhaltung
Dafür gelten folgende Bedingungen:
  • Ankauf von Schaf-Herdebuchwidder vom Genotyp ARR/ARR: Gilt für Betriebe mit mindestens 30 weiblichen Tieren. Das Verhältnis männliche zu weiblichen Tieren muss immer 1/30 sein. Beispiel: 2 Widder und 50 Mutterschafe > nur ein Widder kann bezahlt werden.
    Prämie: rund 300 Euro je Tier
  • Haltung von Schaf-Herdebuchwidder vom Genotyp ARR/ARQ: Gilt ab mindestens 30 weiblichen Tieren pro Betrieb mit einem Widder, der im Herdebuch eingetragen ist. Widder dürfen nicht älter als fünf Jahre sein. Das Verhältnis männliche zu weiblichen Tieren muss immer 1/30 sein.
    Beispiel: 2 Widder und 50 Mutterschafe > nur ein Widder kann bezahlt werden. Prämie: rund 70 Euro je Tier
  • Haltung von weiblichen Schafen und Ziegen auf Dauergrünland: Gilt für Weidehaltung von weiblichen Tieren, die älter als zwölf Monate sind oder einmal abgelammt bzw. gekitzt haben – mit einem Viehbesatz kleiner gleich 1 GVE/ha Futterfläche.
    Prämie: rund 10 Euro je Tier
Beiträge für abzuschließende Hagelschutzversicherungen
Bedingung ist die Mitgliedschaft beim Hagelschutzkonsortium.

Ansuchen persönlich unterschreiben
Die Bauernbund Service GmbH lädt alle Landwirte, die im Vorjahr Anträge zu Umweltprämien, Ausgleichszulage, Betriebsprämie und Qualitätsprogrammen eingereicht haben, zwischen Anfang Jänner und Ende April 2014 schriftlich zu einer Sprechstunde in die jeweiligen Bezirksbüros ein.
Die Mitarbeiter der Förderungsabteilung nehmen sich die Zeit, jedem Antragsteller eine angemessene Beratung und die anschließende Gesuchstellung gewährleisten zu können. Die Anträge werden am Ende der oben genannten Sprechstunden telematisch eingereicht.
Dazu ein wichiger Hinweis: Der Antragsteller muss die Anträge persönlich unterschreiben. Andere Personen können sie nur mit notarieller Vollmacht vertreten. Eine reibungslose Abwicklung der sehr umfangreichen Prämienaktion kann nur funktionieren, wenn die vorgeschlagenen Termine eingehalten werden.
Benötigte Unterlagen
  • gültiges Erkennungsdokument (Personalausweis);
  • Bankverbindung (IBAN-Kode).
Bei Viehbestandsänderungen: Selbst ermittelte Anzahl zum Vieh
Wichtig: Falls der Antragsteller Tiere auf einem anderen Betrieb eingestellt hat, bedarf es eines Vertrags der überbetrieblichen Zusammenarbeit, damit die Viehbesätze für beide Betriebe korrekt berechnet werden können.

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UMWELTPRÄMIEN


  • Grünland
    Prämie für das umweltschonende Bewirtschaften von Wiesen gewährt: Zuschläge gibt es für den völligen Verzicht auf die Silage-Herstellung und -Fütterung.
  • Zucht der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen
    Prämie für das Halten von Pinzgauern, Pusterer Sprinzen, Grauvieh, originalem Braunvieh, Villnösser Brillenschafen, Schwarzbraunen Bergschafen, Tiroler Steinschafen, Schnalser Schafen und Norikern
  • Getreidebau
    Prämie für umweltschonenden Getreideanbau
  • Umweltschonender Weinbau in Steillagen
    Prämie für umweltschonend bewirtschaftete Rebflächen mit mindestens 20 Prozent Hangneigung
  • Ökologischer Landbau
    Prämie für Landwirte, die im Landesverzeichnis der biologisch wirtschaftenden Betriebe eingetragen sind
  • Alpungsprämie
    Prämie für Galt- und Milchviehalmen
  • Landschaftspflegeprämie
    Prämie für Magerwiesen, artenreiche Bergwiesen, bestockte Wiesen und Weiden, Streuwiesen, Möser und Hecken