Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 19.12.2013

Jahresbilanz 2013 ist wechselhaft

Ein wechselvolles Landwirtschaftsjahr geht zu Ende. In einer Umfrage hat sich der „Südtiroler Landwirt“ bei den Obmännern der sechs Bauernbund-Bezirke erkundigt, wie die Ernte in den einzelnen Sektoren verlaufen ist und wo die jeweiligen Schwerpunkte ihrer Arbeit lagen. von Bernhard Christanell und Michael Deltedesco

Für die Grünlandbauern im Land war 2013 ein gutes Jahr. Sowohl mit der Menge als auch mit der Qualität sind fast alle Bezirksobmänner zufrieden.

Für die Grünlandbauern im Land war 2013 ein gutes Jahr. Sowohl mit der Menge als auch mit der Qualität sind fast alle Bezirksobmänner zufrieden.

In einem sind sich die Bezirksobmänner einig: 2013 war vor allem in punkto Witterung ein außergewöhnliches Jahr: Im Frühjahr war es zunächst relativ nass und teilweise kühl, was dazu geführt hat, dass die Vegetation später als in den Jahren zuvor Fahrt aufgenommen hat. Das hatte Auswirkungen in allen Sektoren der heimischen Landwirtschaft: Im Obst- und Weinbau setzte das Wachstum später ein und holte bis zur Ernte kaum auf, auf den Almen war später Futter für die Tiere vorhanden.
Das wechselhafte Wetter im Frühjahr stellte die Bauern  vor allem beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln vor große Herausforderungen. Im Sommer war es dann einige Wochen lang sehr heiß, die Energie entlud sich dann in teils sehr heftigen Gewittern mit Hagelschlägen, die einen großen Teil des Landes überzogen. Auch im Herbst – als die Obst- und Weinbauern ihre Ernte einbrachten – war das Wetter wieder ziemlich nass. Alles in allem sind die Bezirksobmänner mit dem Landwirtschaftsjahr aber durchwegs zufrieden.

Schwerpunkt Landtagswahlen

Die verbandspolitische Arbeit in den Bezirken war geprägt von den Landtagswahlen Ende Oktober. Hier fällt die Bilanz der einzelnen Bezirke verständlicherweise unterschiedlich aus: Wo die bäuerlichen Kandidaten den Sprung in den Landtag schaffen – wie im Vinschgau oder im Pustertal – ist die Stimmung nach den Wahlen recht gut, in Bezirken, die ihre Kandidaten nicht durchbrachten – wie beispielsweise im Burggrafenamt – eher weniger. Insgesamt sei die Landwirtschaft aber auch im neuen Südtiroler Landtag gut vertreten.

In der Folge gehen die Bezirksobmänner auf die Erntebilanz vor Ort und auf bezirksspezifische Themen ein.

Viktor Peintner, Bezirk Pustertal
Ein im Großen und Ganzen zufriedenstellendes Landwirtschaftsjahr gab es im Pustertal. Im Grünland hat die Witterung zu einem hohen Ertrag geführt, leider ließ die Qualität zu wünschen übrig.
Der Almsommer lag im Durchschnitt. Die Rohnen- und Kartoffelernte ging um etwa zehn Prozent zurück. Auf jeweils 35 Hektar wurde im Pustertal Gemüse, Roggen und Dinkel angebaut.
Die wichtigste Einkommensquelle bleibt die Milchwirtschaft. Im ersten Halbjahr ging die Milchlieferung zurück, seit Anfang August steigt sie wieder. Nun hoffen die Bauern auf einen leicht steigenden Milchpreis – auch, um die gestiegenen Produktionskosten abfedern zu können. Mit dem Preisen für Zucht- und Nutzvieh ist man im Pustertal zufrieden, mit jenen für Schlachtvieh weniger.

Bernhard Burger, Bezirk Meran
Die Obstbauern im Burggrafenamt hatten 2013 wenig zu lachen: Der Hagel sorgte für große Schäden, der Besenwuchs trat außergewöhnlich stark auf und auch die Erntemenge war nicht berauschend. Zum Thema Besenwuchs hat der Bezirk mit dem Beratungsring eine Initiative gestartet: Alle Bauern sollen nun melden, wie viele Bäume sie gerodet haben. So sollen „schwarze Schafe“ leichter aufgespürt werden können.
Im Weinbau waren die Hagelschäden weniger groß als im Obstbau, die Erntebilanz fällt hier durchaus zufriedenstellend aus.
Zufrieden können auch die Grünlandbauern im Burggrafenamt sein: Die Ernte war sowohl mengenmäßig als auch qualitätsmäßig gut. Der Bär war in diesem Jahr eher am Deutschnonsberg unterwegs und hat dort Schäden verursacht.

Konrad Obexer, Bezirk Eisacktal/Wipptal
Im Gegensatz zu den Kollegen im Burggrafenamt, Etschtal und Unterland blieben die Obstbauern im Eisacktal von Hagelschäden weitgehend verschont. Auch mit Menge und Qualität der Obsternte sind die Eisacktaler zufrieden. Für die Weinbauern im Bezirk war 2013 ebenfalls ein gutes Jahr, die Trauben haben sich durchwegs gut entwickelt.
Im Grünland war die Futterernte im Hinblick auf Menge und Qualität gut, auch hier sind die Bauern von größeren Unwettern verschont geblieben. Recht gute Ergebnisse gibt es auch aus der Milchwirtschaft zu vermelden. Der späte Vegetationsbeginn machte sich vor allem auch auf den Almen bemerkbar, wo das Jahr zwar insgesamt gut verlaufen ist, aber mühsam war. Im Bereich der Forstwirtschaft wären höhere Preise für das Holz wünschenswert.

Karl Framba, Bezirk Bozen
Der Bezirk Bozen im Südtiroler Bauernbund blickt auf ein außergewöhnliches Jahr zurück. Besonders die Witterung machte den Bäuerinnen und Bauern heuer zu schaffen. Hagelschläge sorgten in einigen Gebieten für große Schäden. Ansonsten kann man mit der heurigen Ernte, berücksichtigt man die Witterung mit, zufrieden sein.
Sehr gut waren die Preise für die Ernte 2012. Jene Bauern, die im letzten Jahr zudem eine normale Ernte hatten, können zufrieden sein. Probleme bereitet den Obstbauern im Bezirk der Besenwuchs, der Feuerbrand war weniger ein Thema.
Die Berglandwirtschaft blickt auf ein im Großen und Ganzen auf ein durchschnittliches Erntejahr zurück. In einigen Gegenden brachte die Trockenheit im Sommer einige Probleme mit sich.

Andreas Tappeiner, Bezirk Vinschgau
Durch den verspäteten Vegetationsbeginn war die Saison vor allem in den höheren Lagen sehr kurz, was sich in allen Sektoren bemerkbar machte. Im Obstbau war die Qualität gut, Einbußen gab es durch Schneedruck und Windwurf im Oktober. Der frühe Wintereinbruch hat auch beim Anbau von Silomais zu Verlusten geführt. Beim Beerenobst war die Saison sowohl bei der Ernte als auch in der Vermarktung durchwachsen, ähnliches gilt für das Gemüse, wo einige Hitzetage im Sommer eher ungünstig waren. Im Grünland war die Futterernte qualitativ gut, auch die Almsaison ist zufriedenstellend verlaufen.
Verbandspolitisch war das Jahr im Vinschgau geprägt von der hitzigen Debatte um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Dieses Thema wird die Bauern vor allem im oberen Vinschgau auch noch weiter beschäftigen.

Georg Jageregger, Bezirk Unterland
Licht und Schatten gab es 2013 im Unterland. Der Hagel hat im Obst- und Weinbau zu großen Ausfällen geführt. 3500 Waggon Äpfel konnten nur mehr als Industrieware angeliefert werden.
Auch im Weinbau hat der Hagel im Unterland Schäden verursacht. Wo es im Sommer keinen Hagel gab, konnte eine gute Qualität geerntet werden. Bei einigen Sorten, vor allem bei Fuji und Pink Lady, ließ gerade bei älteren Klonen die Ausfärbung zu wünschen übrig. Mit den Preisen der Ernte 2012 konnten die Bauern sehr zufrieden sein.
Die Viehwirtschaft im südlichsten Bezirk des Landes kann auf ein relativ gutes Jahr zurückblicken. Die Heuernte war zufriedenstellend bis gut, der Milchpreis ist relativ stabil. Erfreulich ist, dass der Holzpreis anzieht.