Energie, Bauernbund | 19.12.2013

Wasser: Optimale Ressourcennutzung nicht verhindern

Ein Landesgesetz ermöglicht den Bodenverbesserungs- und Bonifizierungskonsortien, Wasser für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Nutzflächen auch für die Erzeugung von Strom zu nutzen. Bei einer von der Weiterbildungsgenossenschaft im Südtiroler Bauernbund und dem Landesverband der Konsortien organisierten Informationsveranstaltung über die wirtschaftlichen, rechtlichen und steuerrechtlichen Voraussetzungen für die Stromproduktion wurde Kritik an der Landesverwaltung laut.

Direktor Siegfried Rinner mit den Referenten Norbert Klammsteiner, Anton von Walther, Wilhelm Obwexer und Hansjörg Widmann.

Direktor Siegfried Rinner mit den Referenten Norbert Klammsteiner, Anton von Walther, Wilhelm Obwexer und Hansjörg Widmann.

Ein und dasselbe Wasser gleich zweimal zu nutzen, ist die Idee hinter dem Landesgesetz. Konkret ermöglicht es Bodenverbesserungs- und Bonifizierungskonsortien, mit Wasser, das zu Bewässerungszwecken abgeleitet wird, Strom zu erzeugen. Dazu wird, einfach erklärt, zwischen der Wasserfassung am Anfang und den Beregnern am Ende, ein kleines E-Werk zwischengeschaltet. Die Vorteile einer solchen Form der Stromerzeugung liegen für Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner auf der Hand. „Die erneuerbare Ressource Wasser wird zweimal genutzt und somit die Nutzung optimiert. Zudem sind die Eingriffe in die Natur minimal, da das Rohrnetz bereits besteht und umfangreiche Grabungsarbeiten entfallen. Es müsste lediglich ein kleines Krafthaus gebaut werden.“ Und nicht zuletzt werde auf eine sehr umweltfreundliche und klimaschonende Art und Weise Strom produziert.

Für die Konsortien und ihre vielen Mitglieder hätten kleine E-Werke den Vorteil, dass aus den Erlösen ein Teil der laufenden Kosten für den Betrieb der Bewässerungsanlagen abgedeckt werden könnten.  Die Entscheidung, ob ein Kraftwerk errichtet werden soll oder nicht, muss aber gut überdacht sein, riet Energiefachmann Norbert Klammsteiner, einer der Referenten. Über die steuerrechtlichen Aspekte klärten die Wirtschaftsberater Wilhelm Obwexer und Hansjörg Widmann auf. „Der von den Konsortien produzierte Strom muss wie bei jeder anderen Gesellschaft auch ganz normal versteuert werden.“ Nicht unterschätzt werden darf der bürokratische Aufwand, mahnten Obwexer und Widmann an.

Bisher produzieren nur sehr wenige Konsortien Strom, was zu einem guten Teil mit der Landesverwaltung zu tun hat. „Viele Gesuche liegen seit Monaten, wenn nicht sogar seit Jahren auf. Es scheint so, als wollen die zuständigen Ämter die Konzessionserteilung bewusst bremsen, obwohl eine EU-Bestimmung eine Behandlung der Gesuche innerhalb von sechs Monaten vorsieht. Diese Zeitspanne wurde letzthin sogar auf 90 Tage reduziert“, erklärte Rechtsanwalt Anton von Walther. Durch diese Verzögerungen würde ein nicht unbeträchtlicher volkswirtschaftlicher Schaden entstehen. Denn viele Aufträge für einheimische Firmen, wie Turbinenbauer, Elektroingenieure, Baumeister usw., könnten nicht vergeben werden. Direktor Rinner und der Geschäftsführer des Landesverbandes der Konsortien Armin Villgrattner mahnten an, dass die Landesverwaltung im Bereich der Konzessionsvergabe rasch wieder handlungsfähig werden muss.