Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 25.01.2014

Landwirtschaft ist Kern der Marke Südtirol

Mit einer kleinen Segensfeier hat der Südtiroler Bauernbund die erweiterten Büroräume an seinem Hauptsitz in Bozen eröffnet. Direktor Siegfried Rinner forderte mehr unternehmerische Freiheit und gegenseitiges Verständnis. von Michael Deltedesco

Einige der Ehrengäste: Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer, Landesrat Arnold Schuler, Direktor Siegfried Rinner, Landesrätin Waltraud Deeg, Obmann Leo Tiefenthaler, Bischof Ivo Muser, Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder und Senator Hans Berger.

Einige der Ehrengäste: Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer, Landesrat Arnold Schuler, Direktor Siegfried Rinner, Landesrätin Waltraud Deeg, Obmann Leo Tiefenthaler, Bischof Ivo Muser, Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder und Senator Hans Berger.

Mehr Verständnis für die besondere Rolle der Landwirtschaft und der bäuerlichen Familienbetriebe wünscht sich der Direktor des Südtiroler Bauernbundes Siegfried Rinner, wie er anlässlich der Segnung der erweiterten Bauernbund-Zentrale erklärte.
Dafür werde sich die Landwirtschaft verstärkt zum Konsumenten und zur Gesellschaft hin öffnen, versprach er. Die größte Herausforderung für die Landwirtschaft sieht Rinner in den gesellschaftlichen Verpflichtungen, wie Ernährung, Landschaftspflege und Klimaschutz.

Dialog mit allen Gruppen der Gesellschaft
Der Bauernbund werde in den nächsten Jahren einen noch deutlicheren, und breiteren Dialog mit den verschiedenen Interessensgruppen suchen, erklärte Rinner vor den anwesenden Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft: „Dabei wollen wir zeigen, welchen Wert die Landwirtschaft und die bäuerlichen Familienbetriebe haben.“

Kernbotschaft verinnerlichen
Einen Satz hob Rinner in diesem Zusammenhang besonders hervor und bat alle Anwesenden, ihn zu verinnerlichen und zu beherzigen: „Die Landwirtschaft ist der Kern der Marke Südtirol. In der Vergangenheit haben wir die vielfältigen und wichtigen Aufgaben der Landwirtschaft nicht immer ausreichend erklärt.“

Gesellschaft kennt Landwirtschaft zu wenig
Vor allem geht es Rinner um das Verständnis, dass die Landwirtschaft ein besonderer Sektor und mit keinem anderen vergleichbar ist: „Der Agrarmarkt folgt nicht den Gesetzen der Konjunktur, der Ertrag schwankt aufgrund der Witterung von Jahr zu Jahr stark und die Arbeitsproduktivität ist aufgrund der zu erzielenden Preise tiefer als in anderen Sektoren: „Zehn Prozent der Beschäftigten erzielen nur fünf Prozent der Wertschöpfung.“ In der Gesellschaft fehle vielfach das Wissen darüber. Was die öffentliche Unterstützung anbelangt, würde es die nur in sehr geringem Umfang brauchen, wenn die Preise für Lebensmittel der normalen Preisentwicklung gefolgt wären. „Wenn wir beispielsweise das Jahr 1960 als Referenz hernehmen, müsste jeder Landwirt statt der derzeitigen 50 Cent satte 1,40 Euro für einen Liter Milch erhalten“, rechnte Rinner vor.
Gesunde und erfolgreiche bäuerliche Betriebe seien aber wichtig – auch wegen der großen Herausforderungen der nächsten Jahre. „Die Landwirtschaft muss Einkommen für 20.000 Betriebe schaffen, den Kulturraum pflegen und soziale Verantwortung, z. B. durch die Sicherung von Arbeitsplätzen, übernehmen. Dafür braucht es entsprechende Rahmenbedingungen, die die Politik schaffen und unterstützen muss.“ Auch stellte Rinner klar, dass die vielbeschworene Nachhaltigkeit nicht nur Aufgabe der Landwirtschaft sein kann. „Wir werden aber unseren Beitrag zu sauberer Energie, Klimaschutz und dem Schutz vor Naturgefahren leisten.“
Wichtig ist es, den Betrieben die notwendigen Freiheiten zu lassen. „Was wir brauchen, ist eine neue Kultur des miteinander Umgehens, insbesondere zwischen Bürgern und Verwaltung. Wir brauchen nicht ellenlange Verbotslisten, sondern Unterstützung und Beratung.“ Dazu gehöre auch, das Eigentum zu respektieren und entsprechend zu schützen.
Auch rief Rinner die Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dazu auf, stärker als bisher zusammenzuarbeiten und die Gemeinsamkeiten, nicht die Unterschiede, zu suchen.

Flächenschonend gebaut
Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler stellte die Zahlen der Erweiterung des Bauernbund-Hauptsitzes vor. So wurden über 2000 m³ neues Bürovolumen durch die Erhöhung um ein Stockwerk geschaffen – ohne zusätzliche Grundfläche zu verbrauchen.

Bischof segnet neue Räume
Die Segnung der neuen Struktur nahm Bischof Ivo Muser vor. Alt-Landeshauptmann Luis Durnwalder stellte in seinen Grußworten klar, dass diese Invesition Sinn hat: „Hier wird gute Arbeit für die Landwirtschaft und unser ganzes Land geleistet. Dazu brauchen die Mitarbeiter geeignete Räume, in denen sie die Bauern und Bäuerinnen sowie Partner empfangen können.“ Wie Rinner verwies auch Durnwalder auf die steigenden Anforderungen und die zunehmende Bürokratie, die leider auch stärkere Beratung durch kompetente Mitarbeiter und somit mehr Arbeitsplätze erfordert: „Lieber wäre ja jedem, dass man hier nicht dazu bauen müsste. Aber der Bauernbund musste immer wachsen, um die neuen Aufgaben zu bewältigen. Mit den 25 Mitarbeitern, die es zu meiner Direktoren-Zeit gegeben hatte, wäre den Bauern heute kaum geholfen“, zog Durnwalder Bilanz.