Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 05.02.2014

Zeigen, was sie leisten

Mit einem „Internationalen Jahr“ würdigt die UNO heuer die – meist unterschätzten – Leistungen der bäuerlichen Familienbetriebe in der Welt. Der Südtiroler Bauernbund und die bäuerlichen Organisationen haben kürzlich gemeinsam mit verschiedenen Partnern ihr reichhaltiges Programm zum Thema vorgestellt.

Ein neues Schulungszentrum für diese Bauern in Meki/Äthiopien: Das ist ein Schwerpunkt der Südtirol-Initiativen zum UNO-Jahr.

Ein neues Schulungszentrum für diese Bauern in Meki/Äthiopien: Das ist ein Schwerpunkt der Südtirol-Initiativen zum UNO-Jahr.

Bäuerliche Familienbetriebe produzieren weltweit über 70 Prozent der Lebensmittel. Dennoch wird ihre Bedeutung nach wie vor unterschätzt. Das will die UNO mit dem Internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe ändern. Der Südtiroler Bauernbund und die bäuerlichen Organisationen sind mit dabei.

Südtirols Betriebe in Familienhand
In Südtirol ist die Landwirtschaft fest in Familienhand. Darauf verwies Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler bei der Vorstellung der geplanten Initiativen für 2014.
Nahezu alle bäuerlichen Betriebe sind Familienbetriebe, auf denen meist mehrere Generationen gemeinsam arbeiten. Sie produzieren im Einklang mit Umwelt, Klima und Tierschutz hochwertige und rückverfolgbare Lebensmittel, schaffen Arbeitsplätze in vor- und nachgelagerten Bereichen, pflegen die Kulturlandschaft, erhalten Tradition und Brauchtum und schützen die besiedelten Gebiete vor Erosionen. Tiefenthaler bedauert, „dass diese Leistungen für die Gesellschaft häufig nicht genügend Anerkennung finden.“ Deshalb will der Südtiroler Bauernbund das UNO-Jahr dazu nutzen, „die Öffentlichkeit auf die Bedeutung der bäuerlichen Familienbetriebe aufmerksam zu machen und um Verständnis zu werben.“ Gleichzeitig will er das Selbstbewusstsein der bäuerlichen Familien stärken und neue Netzwerke knüpfen.

Die Initiativen
Bis Dezember ist eine ganze Reihe an Initiativen geplant: Eine Wanderausstellung zeigt und beschreibt bäuerliche Familienbetriebe aus allen Teilen der Erde. Interessierte Vereinigungen und Organisationen wie Bildungsausschüsse, Schulen oder bäuerliche Ortsgruppen können die Wanderausstellung ab Herbst buchen. Tiefenthaler dankte in diesem Zusammenhang dem Landesamt für Kabinettsangelegenheiten und den Südtiroler Raiffeisenkassen für ihre Unterstützung.  
Eine wissenschaftliche Publikation über die bäuerlichen Familienbetriebe ist ebenfalls geplant: Zusammen mit der EURAC und der Freien Universität Bozen will der Bauernbund die Situation der bäuerlichen Familienunternehmen im internationalen Vergleich untersuchen. In einer empirischen Untersuchung will die EURAC zudem Aspekte der Landwirtschaft analysieren, die bisher nur wenig beleuchtet wurden, wie etwa die Vertragslandwirtschaft oder das Potential ungenutzter landwirtschaftlicher Strukturen.
Verstärkt blickt der Südtiroler Bauernbund in diesem UNO-Jahres über die Grenzen: Zusammen mit der Caritas, dem Amt für Kabinettsangelegenheiten und den Südtiroler Raiffeisenkassen wird er die Gründung eines Schulungszentrums für Landwirte in Meki/Äthiopien unterstützen. Caritas-Direktor Heiner Schweigkofler erklärte: „Dort sollen die Bauern lernen, wie sie den Boden besser nutzen und stabile Ernten erzielen.“ Da in vielen Entwicklungsländern besonders die Bauern Hunger leiden, sei die Gründung des Schulungszentrums eine wichtige Maßnahme gegen den Hunger auf dem Land.
Neben diesen Sonderaktionen stellt der Südtiroler Bauernbund auch verschiedene regelmäßig stattfindende Initiativen – u.a. seine Landesversammlung, den SBB-Preis oder den Bauernhof-Sonntag unter das Motto des UNO-Jahres.

Dokumentarfilm der Senioren
Auch die bäuerlichen Organisationen beteiligen sich mit diversen Aktionen am UNO-Jahr. Die Entwicklung der bäuerlichen Familie in den letzten Jahrzehnten und der Vergleich „früher und heute“ ist Thema einer Filmproduktion, die die Seniorenvereinigung in Auftrag gegeben hat. Damit sollen die Erinnerungen der alten Menschen an vergangene Zeiten bewahrt werden. Der Dokumentarfilm wird von Rai Südtirol unterstützt und im Abendprogramm des Senders ausgestrahlt.

SBO mit Überraschung am Welternährungstag
Beim Sechs-Länder-Treffen von 10. bis 12. September diskutiert die Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO) über die Bedeutung der bäuerlichen Familienbetriebe.  Am 1. August findet die Tagung „Vom Miteinander auf dem Hof“ statt. Die Pressekonferenz zum Internationalen Tag der Landfrauen steht unter dem Motto des UNO-Jahres. Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer erklärte: „Die Rolle der Bäuerinnen hat sich verändert und ist vielfältiger geworden. Darauf möchten wir heuer besonders aufmerksam machen.“
Für den Welternährungstag am 16. Oktober bereiten die Bäuerinnen eine Überraschungsaktion vor.

SBJ: Produkte im Mittelpunkt
Die Südtiroler Bauernjugend will das UNO-Jahr hingegen nutzen, um den Wert der bäuerlichen Produkte in den Mittelpunkt zu stellen.
Finanzielle Unterstützung erhält der Südtiroler Bauernbund von den Südtiroler Raiffeisenkassen. Revisionsdirektor Robert Nicolussi hob den Wert der bäuerlichen Familienbetriebe, aber auch der Genossenschaften hervor: „Sie sind das Rückgrat der Landwirtschaft.“

Herzensanliegen in Äthiopien
Ein besonderes Anliegen ist den Raiffeisenkassen das Projekt in Äthiopien: „Wir unterstützen gerne Initiativen, die u.a. auch die Genossenschaftsidee weiter entwickeln.“ Unterstützung kommt auch von der Handelskammer Bozen. Generaldirektor Alfred Aberer hob die besondere Rolle der regionalen Kreisläufe hervor: „Die Krise zeigt, dass regionale Märkte wesentlich stabiler sind als die globalen Märkte. Das gilt auch für kleine, lokal verwurzelte Betriebe.“ Zudem sei die Regionalität wichtig für den Tourismus.
Ein wichtiger Ansprechpartner ist auch das Landesamt für Kabinettsangelegenheiten. Neben den Aktionen des Bauernbundes unterstützt es bereits Projekte u.a. auf den Kapverdischen Inseln und in Uganda. Margit Laimer unterstrich die Bedeutung der Landwirtschaft im Kampf gegen die Landflucht und bei der Ernährungssicherheit. Das UNO-Jahr passe zudem gut zum Motto des Amtes, das „Die Welt, die uns ernährt“, lautet.


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