Südtiroler Landwirt, Innovation | 13.02.2014

Das Brombeer-Potenzial

Brombeeren gedeihen vom arktischen Polarkreis bis zu den Tropen. Derzeit in Südtirol noch kaum angebaut, hat diese Beere doch großes Potential und könnte bestehende Nischenkulturen ergänzen. Vorgestellt wurden diese Inhalte kürzlich auf einer Tagung des ESF-Projekts NiKuPas. von von Massimo Zago und Oswald Bauer, Versuchszentrum Laimburg

Die Brombeere könnte auch in Südtirol bestehende Nischenkulturen ergänzen.

Die Brombeere könnte auch in Südtirol bestehende Nischenkulturen ergänzen.

Dank der günstigen klimatischen Voraussetzungen unserer Mittelgebirgslagen können in Südtirol verschiedene Beerenobstarten erfolgreich angebaut werden. Vorreiter und mengenmäßig stärkster Vertreter dieser Artenvielfalt sind die Erdbeeren, gefolgt von Himbeeren und Johannisbeeren. Heidelbeeren werden noch in geringerem Ausmaß angebaut.

Bislang noch kaum Anbauflächen
Wenig verbreitet sind bislang Nischenkulturen wie Stachel- und Jostabeeren. Sie eignen sich sehr gut für die Verarbeitung zu Marmelade und Saft, finden aber als Frischobst nur bedingt Anklang bei den Verbrauchern.
Die Brombeere hat bis dato in unserer Region unverständlicherweise kaum das Interesse der Landwirte geweckt. Wenn man von wenigen Anbauversuchen unternehmensfreudiger Bauern absieht, sind in Südtirol deshalb noch keine Erwerbsanlagen von Brombeeren zu finden. Positive Anbauerfahrungen des Versuchszentrums Laimburg aber bestätigen das große Potential dieser Frucht, die als ergänzende Kultur für manche Betriebe wirtschaftlich interessant sein kann. Vor dem Anbau sollte man aber schon klären, wie die Früchte abgesetzt werden können, da sie sich nur kurz lagern lassen.

Vom Tal bis in höhere Hanglagen
Die Brombeere (rubus fructicosus) gedeiht von der Talsohle bis in Gebirgslagen von 1300 m Meereshöhe. Die Wildformen sind meist kriechende Brombeer-Arten und weisen an den Ruten einen unübersehbaren Anteil an Stacheln auf, die die Ernte stark erschweren. Deshalb sind diese Wildarten für den erwerbsmäßigen Anbau ungeeignet. Die interessanteren Zuchtformen haben einen aufrechten Wuchs, sind stachellos und produzieren großfruchtige Beeren, die hervorragend schmecken. Diese Pflanzen können in Südtirol von der Talsohle bis auf 600 m Meereshöhe bedenkenlos angebaut werden – in milden, geschützten Lagen sogar bis auf 800 bis 1000 m über dem Meer.

Pflege der Pflanzen im Pflanzjahr
Der Wurzelstock der Brombeere ist mehrjährig, während der oberirdische Teil (Jung- und Tragrute) zweijährig ist. Wie auch bei den Sommer-Himbeeren fruchten die Brombeersorten, die im norditalienischen Raum angebaut werden, am zweijährigen Trieb, also auf der so genannten Tragrute.
Im Frühjahr treiben aus den Adventivknospen am Wurzelstock mehrere Jungtriebe aus, die im Laufe des Sommers bis zu einigen Metern lang werden können. Aus den Blatt­achseln können sich mehrere vorzeitige Triebe (Geiztriebe) entwickeln. Je nach Wachstumsstärke der Jungrute können diese bis zu einem Meter und auch länger werden. Die Ruten werden später auf einer Höhe von etwa zwei Meter zurückgeschnitten. Die Geiztriebe werden auf drei bis fünf Blattknospen eingekürzt. Diese Schnittmaßnahme darf nicht zu früh im Herbst erfolgen; sonst können die Knospen neu austreiben – das passiert vor allem in tiefen, wärmeren Lagen. Dieser unerwünschte Spätaustrieb kann zu beachtlichen Winterschäden führen, weil diese Neutriebe nicht ausreichend verholzen.

Jungtriebe anschneiden
Wenn in Lagen mit starkem Triebwachstum zu rechnen ist, kann es sehr vorteilhaft sein, die Jungtriebe im Frühjahr, sobald diese eine Höhe von etwa einem Meter erreicht haben, anzuschneiden: Die Jungruten werden dann auf das zweite bis dritte Blatt zurückgeschnitten. In der Folge treiben aus den Blattachseln zwei bis drei schwächere Jungtriebe aus, die wiederum eher kurze Geiztriebe entwickeln und so nicht mehr angeschnitten werden müssen. Inwieweit dieser Rückschnitt der Jungtriebe sinnvoll ist, hängt von der Wachstumsstärke der Pflanzen ab. Und die wird wieder von verschiedenen Faktoren beeinflusst, z.B. vom Typ des Bodens in der Anlage, von der Höhenlage und von der Düngung.

Pflege im zweiten Standjahr
Im Folgejahr werden im Frühjahr drei bis vier gesunde Tragruten pro Laufmeter belassen. Die abgestorbenen und überzähligen Ruten werden knapp über dem Boden abgeschnitten und aus der Anlage entfernt. Diese Hygienemaßnahme setzt die Gefahr von Pilzinfektionen im weiteren Jahresverlauf stark herab. Die belassenen Triebe werden an das Drahtgerüst angebunden. Beim Austrieb bilden die Pflanzen eine geschlossene Laubwand.
Brombeeren blühen eher spät. Die Blüte dauert fast 70 Tage! Für die Bestäubung ist man auf die fleißige Mitarbeit der Insekten angewiesen, da aufgrund der Blütenbeschaffenheit eine Windbestäubung nicht möglich ist. Während die kleinen Beeren zu schmackhaften Früchten heranreifen, wiederholt sich der bereits beschriebene Entwicklungsablauf der Jungtriebe von Neuem.

Stützgerüst soll den Anforderungen der Pflanze entsprechen
Das Erziehungssystem soll also so ausgerichtet sein, dass ein überschaubares Ruten-Management problemlos möglich ist. Demzufolge ist ein Reihenabstand zwischen 2,80 und 3,0 m und ein Pflanzabstand zwischen 1,0 und 2,0 m zu wählen! Wird dieser Pflanzabstand eingehalten, bleibt der Bestand sehr luftig und es wird eine optimale Belichtung der Laubwand erzielt. Die Fruchttriebe werden im Laufe des Sommers immer schwerer, da ständig Früchte heranwachsen und reifen. Dadurch biegen sich diese Seitentriebe nach unten und die Erntearbeit wird deutlich erschwert, da die reifen Früchte im Inneren der Laubwand gepflückt werden müssen. Wer Eisenbügeln an den Säulen anbringt, kann auf verschiedenen Höhen eine Seitenstütze (Draht oder Seil) befestigen, um die langen Fruchttriebe abstützen zu können. So wird die Erntearbeit wesentlich erleichtert und die Pflückleistung deutlich gesteigert.

Die Brombeere hat Potential
Die positiven Anbauerfahrungen bestätigen das große Potential dieser besonderen Frucht für die milden Anbaulagen Südtirols. Die Brombeere könnte die bestehende Palette der in Südtirol angebauten Nischenkulturen ergänzen und für einige Betriebe ein weiteres, wirtschaftlich interessantes Standbein darstellen. Um den wirtschaftlichen Erfolg dieser Kultur abzusichern, sollte der Anbauer im Vorfeld abklären, in welcher Form die Früchte abgesetzt werden. Die Brombeere eignet sich sowohl für den Ab-Hof-Verkauf als auch für die Belieferung des Großhandels. Wichtig ist allerdings eine sorgfältige Schätzung der erwarteten Erntemenge und eine effiziente Planung des Verkaufs, um Überproduktionen zu vermeiden, da die Früchte nur begrenzt lagerfähig sind.