Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 13.02.2014

Es braucht eine starke Marke

Südtirols Weinwirtschaft steht vor großen Herausforderungen, sowohl im Anbau als auch auf dem Absatzmarkt. Das wurde bei der diesjährigen Weinbautagung des Absolventenvereins Landwirtschaftlicher Schulen (ALS) in Eppan deutlich. Aufgezeigt wurden aber auch entsprechende Lösungsansätze. von Renate Anna Rubner

ALS-Obmann Andreas Khuen begrüßte wieder viele interessierte Weinbauern und Fachleute zur Weinbautagung in St. Michael/Eppan.

ALS-Obmann Andreas Khuen begrüßte wieder viele interessierte Weinbauern und Fachleute zur Weinbautagung in St. Michael/Eppan.

„Die Flaschenweinvermarktung braucht starke Marken“, stellte Dieter Hoffmann von der Hochschule Geisenheim bei der Weinbautagung des Absolventenvereins landwirtschaftlicher Schulen fest. „Denn im großen Geschäftsvolumen geht der Trend weg von den Flaschen hin zu Fassweinen und weg von Weinen mit Ursprungsbezeichnung hin zu Tafel- und Rebsortenweinen“, so der Agrar­ökonom. In Zahlen bedeutet das, dass in Deutschland 30 Prozent der Weinmenge über Discounter an den Endverbraucher geht. Weitere 30 Prozent über den Lebensmitteleinzelhandel, wiederum 30 Prozent über den Fachhandel und schließlich nur 10 Prozent über den Direktverkauf. „Was den Wert anlangt, kehren sich die Verhältnisse aber um“, so Hoffmann. Mit 32 bzw. 30 Prozent rangieren dabei nämlich Fachhandel und Direktverkauf weit vor Discount- und Lebensmitteleinzelhandel.

Direktverkauf und Fachhandel dominieren Premiummarkt
Hoffmann erklärte denn auch: „Der Premiummarkt wird also nach wie vor von Direktverkauf und Fachhandel dominiert.“ Mit entsprechenden Konsequenzen für Produzenten und Vermarkter von Premiumweinen. Für die werde die Markenprofilierung zum ersten Erfolgsfaktor. „Grundvoraussetzung ist natürlich, dass zunächst das Produkt stimmt, aber das allein reicht heute nicht mehr aus“, erklärte Hoffmann lapidar. Künftig müsse man die Dynamik der Märkte genau beobachten, bestehende Handelskontakte gut pflegen und auf den Märkten präsent bleiben und eine klare und saubere Preispolitik betreiben. Dazu gehöre, dass Handelspartner überlegt ausgewählt werden und Multikanalmarketing betrieben wird. Denn der Handel sei insgesamt in starkem Wandel begriffen, Versandhandel und der Internetverkauf werden immer stärker.

Tourismusgebiete wie Südtirol haben große Potentiale
Hoffmann bestätigte Südtirols Weinen eine ausgezeichnete Qualität. Nur müsse man in der Vermarktung das riesige Potential besser nützen, das der Tourismus unserem Land und seinen Produkten biete. „Jeder, der hierher in den Urlaub kommt und die hiesigen Weine kennen und schätzen lernt, wird versuchen, auch daheim an diese Weine zu kommen“, erklärte Hoffmann. „Damit dient er gleichzeitig als Multiplikator!“ Weniger Potential sieht der Agrarökonom im Bereich Biowein: „Für Konsumenten ist Wein als Produkt an und für sich schon bio. Biowein ist deshalb kein Wachstumsmarkt“, erklärte er. Trotzdem gehe die Tendenz immer stärker in Richtung naturnahe Produktion, aber das bleibe dann eher eine persönliche Entscheidung des einzelnen Bauern, was nicht unbedingt auf dem Etikett aufscheinen müsse.

LR Arnold Schuler: „Marke Südtirol besser positionieren.“
Vom hohen Niveau der Südtiroler Weine ist auch Landesrat Arnold Schuler überzeugt. Wie auch davon, dass die Südtiroler Weinwirtschaft insgesamt bereits gut aufgestellt ist. „Aber wir dürfen uns auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen“, mahnte der Landesrat in seiner ersten Eröffnungsrede zur Weinbautagung. Künftig sei noch mehr Zusammenarbeit notwendig, um die Marke „Südtirol“ besser zu positionieren.
Das Weinbaujahr 2013 sei nicht nur im Weinbau ein turbulentes Jahr gewesen. Trotzdem habe man letztendlich eine gute Ernte einfahren können. „Und das ist auf den Fleiß und die Ausdauer der Bäuerinnen und Bauern zurückzuführen“, so der Landesrat. Er appellierte gleichzeitig aber auch dafür, dass alle Bauern mit mehr Rücksicht aufeinander und auf die Gesellschaft außerhalb der Landwirtschaft zugehen sollten. Besonders was das Thema Pflanzenschutz angehe.

Herausforderung Klimawandel
Barbara Raifer vom Versuchszentrum Laimburg befasste sich eingehend mit dem Thema der Klimaerwärmung, ihren Auswirkungen für Rebe und Traubenreifung und mit passenden Anbau- und Bewirtschaftungsmethoden, um diese Phänomene in den Griff zu bekommen. Sie erklärte, dass durch die höheren Lufttemperaturen auch die Bodentemperatur steigt, Tag- und Nachtschwankungen verflachen, Globalstrahlung und Luftfeuchte zunehmen, Sonnenscheinstunden mehr werden und Wetterextreme wie Starkregen oder Hagelschlag häufiger zu beobachten sind. Deshalb müssten im Anbau Vorkehrungen getroffen werden, um die Rebe vor dem Klimastress zu schützen: „Das Wassermanagement wird in diesem Zusammenhang sehr kompliziert werden“, so Raifer. „Das wird die größte Herausforderung der Zukunft!“, erklärte sie. Eine gute Bodenfeuchteversorgung sei das Um und Auf im Weinberg der Zukunft. Gleichzeitig müsse aber auch die Bewirtschaftung insgesamt flexibler gehandhabt werden, egal ob es um das Laubwandmanagement oder um die Ertragsregulierung gehe. „Auch unkontrollierte Stickstoffschübe müssen unbedingt vermieden werden, um künftig gesunde, qualitativ hochwertige Trauben ernten zu können“, so die Expertin. Deshalb müsse man von der einseitigen Begrasung abkommen und zu einer tiefwurzelnden Begrünung mit Leguminosen oder Wintergetreide zurückfinden.