Bauernbund | 14.02.2014

Grundstruktur der Landwirtschaft im Berggebiet muss erhalten bleiben

Bei der 7. Berglandwirtschaftstagung im Forum Brixen organisiert vom Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) haben Landesrat Arnold Schuler und EU-Abgeordneter Herbert Dorfmann die Bedeutung der Berglandwirtschaft betont. 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben an der Tagung in Brixen teilgenommen und sich über die EU-Agrarreform sowie das Thema Wirtschaftsdünger informiert. von BRING - Beratungsring für die Berglandwirtschaft

Landesrat Arnold Schuler eröffnet vor 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die 7. Berglandwirtschaftstagung

Landesrat Arnold Schuler eröffnet vor 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die 7. Berglandwirtschaftstagung

"Für mich ist wichtig, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Bäuerinnen und Bauern ihre Arbeit weiterhin mit Freude machen können und insbesondere Gebiete mit Erschwernissen stärker zu fördern", so Landesrat Schuler. In dieselbe Kerbe schlägt auch der EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann. "Wichtig ist, dass die Flächen bewirtschaftet bleiben und damit die Grundstruktur der Landwirtschaft intakt bleibt. Es müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass jeder, der in der Landwirtschaft tätig sein will, dies auch erfolgreich tun kann". Die Agrarreform der Europäischen Union zielt genau darauf ab, indem nicht mehr die Produktion gefördert werden soll, sondern Landschaftspflege und Umweltmaßnahmen verstärkt unterstützt werden. Zudem soll Junglandwirte zusätzlich gefördert werden ebenso sowie kleine und mittlere Betriebe. Die Eckpunkte der Reform sind auf EU-Ebene beschlossen. Jetzt geht es darum, die Reform auf nationaler Ebene umzusetzen. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die konkrete Umsetzung der Reform. Genaue Zahlen gibt es daher noch nicht.
Fest steht bisher die Gesamtsumme der Mittel für Südtirol: Insgesamt stehen in den kommenden sieben Jahren rund 370 Millionen Euro im Rahmen der Agrarreform zur Verfügung. Neben den Förderungen für die Landwirte bilden dabei Maßnahmen für die Aus- und Weiterbildung der Landwirte einen wichtigen Schwerpunkt. Neben der schulischen Ausbildung werden daher insbesondere die Beratungsorganisationen wie der Beratungsring Berglandwirtschaft unterstützt.

Der Wirtschaftsdünger als wertvolle Betriebsressource
Zweites wichtiges Thema der Tagung war der Wirtschaftsdünger. Der betriebseigene Wirtschaftsdünger ist kein lästiges Abfallprodukt der Nutztierhaltung, sondern eine wertvolle Ressource, die den Boden mit Nährstoffen versorgt und damit konstante Futtererträge sichert. „Ein sorgsamer und gezielter Einsatz des Düngers schont die Umwelt, sichert gute Erträge und Futterqualitäten und rechnet sich über die Vermeidung von Nährstoffverlusten sowie einer Erhöhung der Nährstoffeffizienz auch aus ökonomischer Sicht“, so Erich Pötsch vom Landwirtschaftsforschungszentrum Raumberg-Gumpenstein. Neben der Auswahl günstigerer Witterungsbedingungen (leichter Niederschlag, kühlere Tageszeit) bestehen auch noch technische Möglichkeiten (bodennahe, großtropfige Applikation, kleinere Teilgaben), die Nährstoffverluste verringern und damit die Effizienz der Wirtschaftsdünger erhöhen können.

Dünngülle verbessert Düngungsqualität
Die Qualität der Düngung mit Gülle kann deutlich verbessert werden, wenn man die Gülle durch Geräteeinsatz in vorwiegend flüssige und feste Stoffe trennt, so Stefan Jud von der Freien Universität Bozen. Dadurch kann zusammen mit angepasster Fütterung und emissionsarmer Ausbringung ein wertvoller Beitrag zum umweltverträglichen Gülleeinsatz geleistet werden. Denn die ausgebrachte dünnflüssige Gülle dringt leichter in den Boden ein, bewirkt eine bessere Verteilung der Nährstoffe und höhere Trockensubstanzerträge (TS-Erträge). Die abgeschiedenen Feststoffe dagegen können problemlos kompostiert und im Ackerbau genauso wie im Obst- und Weinbau oder Gärtnereien eingesetzt werden.

Berglandwirtschaft in Südtirol
Die landwirtschaftliche Nutzfläche Südtirols umfasst über 240.000 ha. Davon entfallen 147.000 ha auf Weiden und weitere 65.000 ha auf Dauerwiesen. Der Rest verteilt sich auf Gehölzkulturen wie Obst- und Weinbau bzw. Ackerbau. Dabei liegen 60 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf oder über 1.500 m über dem Meeresspiegel, wobei sich die Vieh haltenden Betriebe zwischen 800 und 2.000 m befinden. Deutlich mehr als Drittel der Flächen weist eine Hangneigung über 30 Prozent auf.
Von den über 20.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Südtirol betreiben rund 10.000 Tierhaltung, wobei über 8.300 Betriebe Rinder halten; in jeweils rund 1.600 Betrieben werden Ziegen und/oder Schafe gezüchtet. In Südtirol werden 133.000 Rinder, 48.000 Schafe und 24.000 Ziegen gehalten. Die angelieferte Milchmenge betrug 2012 372.000 Tonnen (t); das entspricht drei Prozent der italienischen Milchproduktion (10,8 Mio t).
Diese ist überwiegend zu Joghurt, Käse, haltbarer Milch und Frischmilch verarbeitet worden.

Der Beratungsring Berglandwirtschaft bringt’s
Der Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) ist die zentrale Anlaufstelle für die Südtiroler Berglandwirte und deckt die vielseitigen Bedürfnisse der Berglandwirtschaft ab. 2013 gegründet, bietet der BRING fachlich kompetente, praxisnahe Beratung direkt am Betrieb und arbeitet dabei mit den Organen des Landes, den bäuerlichen Organisationen und allen wichtigen Einrichtungen im Bereich der Berglandwirtschaft zusammen. Dadurch wird eine optimale Betreuung und Beratung der Betriebe gewährleistet. Derzeit verfügt der BRING über sechs Berater.

www.bring.bz.it