Bauernbund | 19.02.2014

67. SBB-Landesversammlung

Die 67. Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes am Sa., 22. Februar steht ganz im Zeichen des von der UNO ausgerufenen „Internationalen Jahres der bäuerlichen Familienbetriebe“.

Alle Bauernbund-Funktionäre und Bauernbund-Mitglieder mit ihren Familien sind zu diesem besonderen Tag für die Südtiroler Landwirtschaft herzlich eingeladen! Das Tragen der Tracht verleiht der Versammlung einen besonderen Rahmen.

Programm
9 Uhr - Begrüßung
9.15 Uhr - „Südtirol und seine bäuerlichen Familienbetriebe – eine Erfolgsgeschichte“ – Leo Tiefenthaler, Landesobmann
9.45 Uhr - „Bäuerliche Baukultur erhalten und gestalten“ – Vergabe des Stiftungsbeitrags der „Dr.-Steinkeller-Stiftung“ durch den Präsidenten Siegfried Brugger
10.10 Uhr - „Internationales Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe – Verpflichtung und Ansporn“ – Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes
10.50 Uhr - Verleihung des Bergbauernpreises – gestiftet von den Südtiroler Raiffeisenkassen
11.30 Uhr - Ehrung und Grußworte der Ehrengäste
12 Uhr - Tagungsende

Moderation: Siegfried Rinner, Direktor
Musik:
Towau-Brass, Toblach
Leibliche Genüsse:
Ollerhond Selbergmochts, Sarntal
Parkgelegenheit:
Am günstigsten im Parkhaus Bozen-Mitte in der Mayr-Nusser-Straße (Gehzeit: 5 Minuten).

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„Welternährung ruht auf Bauernfamilien“

Wie die Schweizer Bauern das UNO-Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe für sich nutzen, erklärt Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes. Wer mehr wissen will, kann Ritter bei der SBB-Landesversammlung am 22. Februar in Bozen hören.

Südtirols Landwirtschaftsvertreter blicken gerne in die Schweiz. Bei Image und Kommunikation, aber auch bei neuen Initiativen, sind die Eidgenossen häufig Vorreiter. Im „Südtiroler Landwirt“-Interview erklärt der Schweizer Bauernverbandspräsident Markus Ritter, wie der Schweizer Bauernverband das UNO-Jahr in der Öffentlichkeit nutzen will.

Südtiroler Landwirt: 2014 steht im Zeichen des UNO-Jahres der bäuerlichen Familienbetriebe. Welche Aktionen und Schwerpunkte setzt der Schweizer Bauernverband für dieses Jahr?
Markus Ritter:
Wir haben unseren Situationsbericht und die Jahresmedienkonferenz von Anfang Jänner dem Thema bäuerliche Familienbetriebe gewidmet. Weiters organisieren wir im Rahmen unserer Kampagne „Gut, gibt’s die Schweizer Bauern“ eine Facebook-Aktion: Eine Bauernfamilie in jedem Kanton führt während des ganzen Jahrs auf Facebook eine Art Tagebuch über ihre Arbeit und ihr Leben. In Zusammenarbeit mit weiteren bäuerlichen Organisationen und Hilfswerken finden zudem im Juni eine Tagung und im Oktober ein Bäuerinnen-Austausch statt. Bei letzterem machen Bäuerinnen aus Entwicklungsländern und der Schweiz eine „Tour de Suisse“. Gemeinsam haben wir drei Hauptbotschaften definiert, die wir in diesem Jahr kommunizieren wollen.

Ein Ziel ist es, auf die Leistungen der bäuerlichen Familienbetriebe aufmerksam zu machen und damit auch Imagepflege zu betreiben. Wie kann man das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit verbessern?

Unser Ziel ist es in erster Linie, die vielfältigen Leistungen der bäuerlichen Familienbetriebe sichtbar zu machen. Gerade das Facebook-Tagebuch soll zeigen, wie viel Zeit und Engagement unsere Bauernfamilien für die nachhaltige und tierfreundliche Produktion unseres Essens aufbringen. Es ist einfacher diese Leistungen am konkreten Beispiel zu zeigen, als in Theorie. Die Erfahrungen zeigen, dass die Öffentlichkeit dieses Angebot schätzt: Es findet ein reger Austausch statt.

Viele sehen im bäuerlichen Familienbetrieb ein erfolgreiches und zukunftsorientiertes Unternehmensmodell. Sind Familienbetriebe wirklich die Antwort auf die großen Herausforderungen der Zukunft, sprich Versorgungssicherheit, Energielieferanten, Klima- und Umweltschutz, Tiergesundheit usw.?

Auf jeden Fall. Diese Erkenntnis ist auch nicht neu. Bereits der Weltagrarbericht von 2008 kam zu Schluss, dass die langfristige Ernährung der Weltbevölkerung auf den bäuerlichen Familienbetrieben ruht und diese entsprechend gefördert werden müssen.  Der große Vorteil der Familienbetriebe ist ihre langfristige Ausrichtung. Sie streben nicht eine kurzfristige Gewinnoptimierung an, sondern wollen den  Betrieb auf gesunden Beinen und intakten Ressourcen der nächsten Generation weiter geben. Zudem produzieren Familienbetriebe vor allem für die Bevölkerung vor Ort und nicht für den Export.

Im UNO-Jahr soll auch ein Blick auf die weltweite Situation der bäuerlichen Familienbetriebe geworfen werden. Bäuerinnen und Bauern auf der ganzen Welt haben teilweise sehr unterschiedliche Voraussetzungen, aber vielfach die gleichen Anliegen. Sind sie global gesehen politisch stark genug oder müssten sie sich noch stärker vernetzen?

Wir haben in unserem Situationsbericht zusammen mit den Hilfswerken Swissaid und Helvetas sieben Beispiele von Familienbetrieben aufgearbeitet. Zwei davon in der Schweiz, der Rest aus der übrigen Welt. Es zeigte sich, dass die Rahmenbedingungen für alle Betriebe sehr unterschiedlich sind, ihre Herausforderungen sich aber erstaunlich gleichen. Bei den Botschaften die sich daraus ableiten lassen, zeigt sich eine sehr grosse Übereinstimmung. Eine weltweite Vernetzung würde deshalb durchaus Sinn machen. Nur haben viele Familienbetriebe vor allem in Entwicklungsländern keine starke Organisation, die sich für sie einsetzt  und mit der man zusammenarbeiten könnte. Und in einigen Schwellen- und Industrieländern liegt der Fokus auf der industriellen Landwirtschaft. Die Vernetzung ist deshalb in der Praxis eher schwierig. 

Die Entwicklung der bäuerlichen Familienbetriebe ist in vielen Ländern nicht besonders positiv, die Anzahl der Betriebe nimmt ab. Kann dieses Jahr dazu helfen, entgegenzusteuern und eine positive Botschaft auch nach innen zu vermitteln?

Das hoffen wir! Das Ziel des UNO-Jahres sollte sein, dass sich jedes Land überlegt, welchen Wert seine Familienbetriebe haben und wie sie gezielt gefördert werden können. An unserer Tagung diskutieren Fachleute und Bauernfamilien das Modell „Familienbetrieb“ und erarbeiten Vorschläge, wie dieses für die Zukunft weiterentwickelt werden kann. Da wollen wir auch unser zuständiges Amt dabei haben, denn es prägt die Rahmenbedingungen mit der Agrarpolitik wesentlich.

Sie sind Ehrengast und Hauptreferent auf der Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes. Welche Anregungen werden sie aus der Schweiz mitbringen?

Ich bringe keine Anregungen mit, sondern lediglich die Aufforderung, das internationale Jahr zugunsten der Familienbetriebe bestmöglich zu nutzen. Es ist eine Chance, die unsere Bauernfamilien redlich verdient haben.