Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 27.02.2014

Der Appell

Welchen besonderen Wert die landwirtschaftlichen Familienbetriebe für Südtirols Lebensmittelversorgung, Wertschöpfung und Landschaft haben, wurde bei der diesjährigen Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes klar. von Renate Anna Rubner

Die Landwirtschaft ist das Herz unseres Landes. Sie braucht Unterstützung, hieß es auf der SBB-Landesversammlung.

Die Landwirtschaft ist das Herz unseres Landes. Sie braucht Unterstützung, hieß es auf der SBB-Landesversammlung.

Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner sendete ein eindeutiges Signal in Richtung Politik, als er sagte: „Die Landwirtschaft ist das Herz Südtirols. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass es kräftig schlagen kann, damit Kopf und Gliedmaßen mit Leben erfüllt werden!“ Die einzelnen Betriebe sind zwar klein strukturiert und sehr unterschiedlich, trotzdem haben sie eines gemeinsam: Es sind Familienbetriebe, die nicht nur Vermarktungsgüter, sondern auch nicht-kommerzielle Güter herstellen. Davon wiederum profitieren alle. Deshalb müsse die Politik den Bauern die Möglichkeit geben, von ihrer Arbeit auch leben zu können. Wachsen oder Weichen sei laut Rinner kein Modell für Südtirols Landwirtschaft. „Vielmehr haben Einmaligkeit und Seltenheit unserer landwirtschaftlichen Betriebe einen ganz besonderen Wert. Auf dieses Modell müssen wir setzen“, so Rinner entschieden.

UNO-Jahr als Anerkennung
Für Leo Tiefenthaler, Obmann des Südtiroler Bauernbundes, ist das von der UNO ausgerufene Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe eine besondere Anerkennung für die Leistungen, die die vielen kleinen bäuerlichen Strukturen für die Gesellschaft bringen. Denn sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von Hunger und Armut und bei der Verbesserung der Lebensbedingungen weltweit. „Die kleinen bäuerlichen Betriebe mit ihren überschaubaren Strukturen sind das Rückgrat der Landwirtschaft und damit der Lebensmittelproduktion,“ so Tiefenthaler. „Deshalb sind sie auch der Schlüssel, wenn es darum geht, künftig neun Milliarden Menschen zu ernähren.“
Südtirols Landwirtschaft sei nicht nur von einer unglaublichen Vielfalt geprägt, sondern überzeuge auch durch die besondere Qualität ihrer Produkte. Trotzdem stehe man noch vor großen Herausforderungen: Künftig werde die Nachhaltigkeit der Produktion an Bedeutung gewinnen. „Aber diese Herausforderung nehmen wir gerne an,“ so Tiefenthaler, „bäuerliche Familien planen langfristig, orientieren sich nicht an kurzfristigen Gewinnen, denken nicht in Jahresbilanzen und Dividenden, sondern in Generationen.“

Viele Initiativen zum UNO-Jahr
Was landwirtschaftliche Familienbetriebe zu schaffen vermögen, wird der Südtiroler Bauernbund eindrücklich zeigen. Tiefenthaler kündigte verschiedene Initiativen an, die zum UNO-Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe vorgesehen sind: Dazu gehören neben dem Bauernhof-Sonntag am 25. Mai auch eine Foto-Wanderausstellung oder eine Tagung mit dem Thema „Miteinander auf dem Hof“, die von den bäuerlichen Organisationen organisiert werden. Darüber hinaus habe der Südtiroler Bauernbund das UNO-Jahr zum Anlass genommen, gemeinsam mit der Caritas und dem Amt für Kabinettsangelegenheiten den Aufbau einer Landwirtschaftsschule in Meki in Äthiopien zu unterstützen.

Bewirtschaftete Flächen schützen
Tiefenthaler sieht den Wert der bäuerlichen Familien aber auch in ihrem Einsatz für Tradition und Brauchtum sowie bei der flächendeckenden Bewirtschaftung unseres Landes: Dadurch werde die Landschaft gepflegt, Lebensräume für Lebewesen erhalten und Biodiversität gefördert. Sie schützte aber vor allem auch die Bevölkerung im Tal. „Denn bewirtschaftete Räume sind weniger erosions- und abrutschgefährdet. Gerade in den letzten Wochen wurde uns das wieder eindrucksvoll vor Augen geführt“, so Tiefenthaler.

Günstige Rahmenbedingungen für die Bauern gefragt
Damit unsere landwirtschaftlichen Betriebe aber auch wirtschaften können, braucht es laut Tiefenthaler günstige Rahmenbedingungen: Dazu gehören nicht nur die Förderungen, die besonders für benachteiligte Berggebiete unverzichtbar sind, sondern auch unternehmerische Freiheit für den Bauern, der Schutz seines Bodens und seines Arbeitsplatzes, eine effiziente Aus- und Weiterbildung. Und die Unterstützung durch die Südtiroler Bevölkerung: „Wir wollen, dass unsere Konsumenten zu uns und hinter uns stehen“, so Tiefenthaler. „Der Griff zu heimischen Produkten im Regal ist die beste Unterstützung und Wertschätzung, die wir Bauern uns wünschen können.“

Potential der bäuerlichen Familienbetriebe betonen
Auch Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, unterstrich die Wichtigkeit, die der Konsument für die Wertschätzung der landwirtschaftlichen Produkte hat. In diese Richtung ziele auch die Werbeinitiative des Schweizer Bauernverbandes mit dem Motto „Gut, gibt’s die Schweizer Bauern“, die als Imagekampagne sehr erfolgreich ist. Er stellte dann das Maßnahmenpaket des Schweizer Bauernverbandes zum UNO-Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe mit einleitender Pressekonferenz, einer Facebook-Aktion mit dem Titel „Mein Bauer. Meine Bäuerin“, einer nationalen Fachtagung und einem Bäuerinnenblog vor. Ziel dieser Aktivitäten sei es, das Potential der bäuerlichen Familienbetriebe zu betonen, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen.

Mehr Geld in der Tasche
Landeshauptmann Arno Kompatscher erklärte: „Das internationale Jahr der bäuerlichen Betriebe ist wie geschaffen für Südtirol. Denn unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft prägt unsere Landschaft, unsere Kultur und unsere Gesellschaft.“ Er bekräftigte den Wunsch und das Ansinnen der neuen Landesregierung, die Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte fortzuschreiben, wenn es um die Erhaltung und Entwicklung des ländlichen Raumes geht. Dabei gebe es nun aber neue Herausforderungen, die es zu meistern gilt: wie neue Infrastrukturen – Stichwort Breitband – oder eine Allianz für die Landwirtschaft in Berggebieten, wenn es um die Interessenvertretung in Brüssel gehe.
Auf konkrete Sorgen der Bauern ging hingegen Landesrat Arnold Schuler ein: Wenn der Landeshaushalt in der Land- und Forstwirtschaft jeweils Einsparungen von knapp sieben Prozent vorsehe, dann habe man damit versucht, einen Teil der Mittel aufzubringen, um die fehlenden Einnahmen durch die Gemeindeimmobiliensteuer abzufedern. „Davon wird auch die Landwirtschaft profitieren“, versprach er, denn „wir sind der Meinung, dass es besser ist, den Leuten mehr Geld in der Tasche zu lassen.“ Er kündigte an, dass man die Gelder in Zukunft insgesamt gezielter einsetzen werde.