Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 27.02.2014

Gemeinsam für einen guten Ruf

Der Südtiroler Obstbau ist eine Erfolgsgeschichte. Pflanzenschutz, die Monokultur Apfel oder Hagelnetze stehen aber immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Bauernbund und Obstverbände wollen nun besser kommunizieren, wie Obstbauern arbeiten und was sie leisten. von Tobias Egger

Die Reputation des Südtiroler Obstbaus wird künftig eine ihrer wichtigsten Ressourcen. Jeder einzelne Bauer ist gefordert, das Seine dazu beizutragen. (Foto: EOS, Frieder Blickle)

Die Reputation des Südtiroler Obstbaus wird künftig eine ihrer wichtigsten Ressourcen. Jeder einzelne Bauer ist gefordert, das Seine dazu beizutragen. (Foto: EOS, Frieder Blickle)

Andreas Khuen, Präsident des Absolventenvereins landwirtschaftlicher Schulen, brachte es bei der Meraner Obstbautagung auf den Punkt: „Selten zuvor wurde über den Obstbau so viel diskutiert wie in letzter Zeit. Es reden allerdings immer andere über den Obstbau.“ Khuen unterstrich, dass sich der heimische Obstbau mehr mit seinem Ruf, seiner Reputation, befassen müsse.
Hier setzen auch Südtiroler Bauernbund und die Obstverbände an: Sie wollen künftig gemeinsam besser kommunizieren, was die Obstbauern für Südtirol leisten und wie sie arbeiten.

Reputation als wichtige Ressource
Es ist ein allgemeiner Trend, dass sich Konsumenten immer mehr für die Produktion interessieren. Die Leute wollen wissen, wie und von wem ein Lebensmittel erzeugt wird und wie dabei der Umgang mit den Ressourcen ist. Es hat sich insgesamt ein breites Bewusstsein für Themen der Umwelt und der Gesundheit gebildet.
Wie Christian Fischer, Professor an der Freien Universität Bozen, bei der diesjährigen Obstbautagung aufzeigte, muss sich der Obstbau daher zunehmend mit Themen wie Pflanzenschutz oder Biodiversität befassen, um weiterhin für einen guten Ruf der Branche zu sorgen. Fischer riet den Produzenten, Spannungsfelder proaktiv anzugehen, um später nicht „Feuer löschen“ zu müssen.
„Der Konsument von heute hat immer weniger Bezug zum Produzenten. Gleichzeitig stellt die Gesellschaft hohe Erwartungen an die Wirtschaft: Sie soll nachhaltig sein, Wohlstand, Mensch und Umwelt behüten und erhalten. Wer diese Erwartung erfüllt, genießt einen guten Ruf und hat langfristig wirtschaftlichen Erfolg“, so Fischer. Reputation wird damit zur wichtigen Ressource.

Spannungsfelder der Obstbaubranche
Ein Student der Freien Universität Bozen beschäftigte sich in seiner Diplomarbeit eingehend mit den Spannungsfeldern im Südtiroler Obstbau. Die könnten sich auf die Dauer nämlich negativ auf den Ruf der Branche auswirken.
Anwohner beklagen sich demnach hauptsächlich über Abdrift von Pflanzenschutzmitteln und sorgen sich um die mögliche Gesundheitsgefährdung von Mensch und Tier. Die Verwendung von Herbiziden, eventuelle Probleme im Bereich des Wasserschutzes oder Verkehrsprobleme während der Erntezeiten werden ebenfalls als nachteilig empfunden. Die übrige Südtiroler Bevölkerung beklagt sich eher über das veränderte Landschaftsbild oder die Auswirkungen auf die Artenvielfalt durch die Monokultur und die Hagelschutznetze. Konsumenten beschäftigen sich besonders mit der Rückstandsproblematik im Obst und mit den Umweltauswirkungen der Produktion.
Konflikte entstehen aber auch innerhalb der Landwirtschaft, wenn Pflanzenschutzmittel durch Abdrift von Pflanzenschutzmitteln auf benachbarte Futterwiesen, Kräuteranbauflächen oder biologisch bewirtschaftete Flächen gelangen. Den Kräuter-, Vieh- oder Biobauern können dadurch wirtschaftliche Schäden entstehen.
Wie weit die Kritik gehen kann, wird zurzeit im oberen Vinschgau deutlich: Bürger von Mals haben aus Sorge um ihre Gesundheit ein Referendum zum Verbot chemischer Pflanzenschutzmittel auf dem Gemeindegebiet initiiert.
Eine gute Reputation ist somit auch wichtig, damit der Konsument Vertrauen hat und nicht nach Fremdkontrolle verlangt.

Obstbau besser erklären
Was ist also zu tun? Der Bauernbund hat sich dazu an einen Tisch mit dem Verband der Obstgenossenschaften VOG und dem Verband der Vinschgauer Produzenten VI.P gesetzt. Arbeitsgruppen arbeiten konkrete Maßnahmen zur Aufarbeitung der Spanungsfelder und zur Reputationsförderung aus.
Wie Georg Kössler, Obmann des VOG, betont, müsse der Obstbau den Dialog mit der Gesellschaft verstärken. „Es braucht mehr Information über die Arbeit der Obstbauern. Das fördert das Vertrauen der Konsumenten und hilft Fehlinformationen zu vermeiden“, so Kössler. Geeignete Maßnahmen könnten der Ausbau von Kontaktmöglichkeiten wie Schauobstgärten, Obstwanderungen und Hofführungen oder gezielte Kommunikationsaktivitäten über die Medien sein.
Auch sollten die Leistungen des Obstbaus stärker kommuniziert werden, beispielsweise seine wirtschaftliche Bedeutung. Vom Obstbau leben schließlich nicht nur 7000 bäuerliche Familien im Haupt- oder Nebenerwerb. Auch viele Betriebe im vor- und nachgelagerten Bereich generieren durch den Obstbau Einkommen und Arbeit. Bauernbund und Obstverbände wollen dazu gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut (WiFO) der Handelskammer Bozen eine Studie veröffentlichen.

Pflanzenschutz weiter verbessern
Erklären, wie Obstbauern arbeiten und was sie leisten, sieht auch Bauernbund-Obmannstellvertreter Bernhard Burger für wichtig. „Gerade beim Pflanzenschutz haben wir uns in den letzten Jahren, auch dank der Integrierten Produktion, enorm weiterentwickelt.“ Das zeige auch der neue nationale Aktionsplan für den Obstbau. „Das meiste, was dort gefordert wird, ist bei uns bereits umgesetzt“, so Burger. Auch müsse man betonen, dass Pflanzenschutz notwendig ist, um Obst in der gewünschten Menge und Qualität zum geforderten Preis zu produzieren. Für Burger ist der Dialog vor allem beim integrierten Anbau notwendig, während der Bioanbau bereits eine gute Reputation habe. Er sieht den Obstbau vor neuen Herausforderungen: „Die Ansprüche der Bevölkerung steigen. Wir haben bisher gut gearbeitet, aber wir müssen noch besser werden, vor allem im Pflanzenschutz.“

Jeder ist gefordert
Das bekräftigt VI.P-Obmann Karl Dietl. „Was die Ausbringung und die Abdrift betrifft, sind weitere Verbesserungen nötig.“ Und dabei komme es auf das Verhalten eines jeden einzelnen Obstbauern an. „Ein vernünftiges und bedachtes Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln und das Einhalten der Regeln stehen an erster Stelle. Außerdem sollte jeder Obstbauer bestrebt sein, Abdrift bestmöglich zu vermeiden“, so Dietl. Dazu brauche es eine Optimierung des Sprühgerätes, die Verwendung moderner Sprühgeräte oder das Anpflanzen von Hecken. Der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau informiert die Bauern je nach Bedürfnissen über geeignete Möglichkeiten zur Vermeidung von Abdrift.
Einig sind sich Obstverbände und Bauernbund aber auch darin, dass sich jeder Obstbauer bewusst sein muss, dass sein Verhalten mit ausschlaggebend ist, wie die gesamte Branche angesehen wird. Jeder Einzelne müsse Verantwortung übernehmen und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten für einen guten Ruf des Obstbaus einsetzen. Denn nur so können Maßnahmen auch die gewünschte Wirkung zeigen, so die einhellige Überzeugung.