Arbeitssicherheit, Arbeitsberatung | 24.03.2014

Arbeitsrecht und Arbeitssicherheit

Mit einigen Fragen zur Arbeitssicherheit und zum Arbeitsaustausch ist die Ortsgruppe Tschengls an den Südtiroler Bauernbund herangetreten. Die zuständigen Mitarbeiter Stephen Gallmetzer Kaufmann und Thomas Wieser beantworten sie.

Für welche Personengruppen sind Vereinfachungen bei der Ausbildung im Bereich Arbeitssicherheit vorgesehen?
Arbeitnehmer müssen eine Arbeitssicherheitsausbildung absolvieren. Der Gesetzgeber sieht dabei Vereinfachungen für folgende zwei Personengruppen vor:
• saisonale Beschäftigte in der Landwirtschaft mit nicht mehr als 50 Tagschichten pro Betrieb und Jahr, beschränkt auf einfache landwirtschaftliche Tätigkeiten, die keiner spezifischen beruflichen Qualifikation bedürfen;
• mit Wertgutscheinen Beschäftigte (Voucher), die saisonale Tätigkeiten in Landwirtschaftsbetrieben verrichten.
Landwirtschaftliche Arbeitnehmer, die beim einzelnen Arbeitgeber nicht mehr als 50 Tagschichten pro Jahr arbeiten, brauchen die 12-stündige Arbeitssicherheitsausbildung
nicht zu absolvieren, sehr wohl aber eine verkürzte Ausbildung. Diese verkürzte Ausbildung besteht darin, dass sie mit den Karteikarten des Südtiroler Bauernbundes in die Tätigkeiten eingewiesen werden, für die sie angestellt sind. Dasselbe gilt für Beschäftigte, die mit Wertgutscheinen bezahlt werden.

Welche Dauer haben die Ausbildungskurse für Arbeitnehmer im Bereich Arbeitssicherheit?
Landwirtschaftliche Taglöhner, die mehr als 50 Tagschichten pro Betrieb und pro Jahr leisten, sowie Fixarbeiter, Lehrlinge und landwirtschaftliche Angestellte müssen eine 12-stündige Ausbildung im Bereich Arbeitssicherheit absolvieren. Fehlt diese Ausbildung, sind Strafen vorgesehen: Das sind eine Geldbuße von 1315,20 bis 5699,20 Euro bzw. eine Haftstrafe von zwei bis vier Monaten für den Arbeitgeber oder für leitende Angestellte.

Ist der Arbeitsaustausch erlaubt?
Der Arbeitsaustausch ist in der Landwirtschaft zwischen den Betriebsinhabern und deren bauernversicherten Familienmitgliedern erlaubt. Achtung: Beim Betriebsinhaber muss es sich um einen Selbstbebauer (Coltivatore diretto) handeln. Die Familienmitglieder müssen in die Bauernversicherung eingetragen sein. Diese Eintragung gilt auch als Beweis gegen die Schwarzarbeit.

Was ist unter Arbeitsaustausch gemeint, und wie funktioniert er?
Wie das Wort schon sagt, handelt es sich um einen Austausch von Arbeitsleistung. Es ist also nicht zulässig, dass der einzelne Bauer oder dessen bauernversicherte Familienmitglieder mit Geld oder Sachen bezahlt werden. Die Arbeitsleistung in einem Betrieb muss zu gleichen Teilen dem anderen zurückgegeben werden. Die quantitative, aber auch qualitative Bewertung der einzelnen Arbeitsleistungen erfolgt zwischen den Parteien.

Welche Arbeiten dürfen beim Arbeitsaustausch gemacht werden?
Beim Arbeitsaustausch dürfen nur landwirtschaftliche Tätigkeiten erledigt werden. Dazu zählen auch die verbundenen Tätigkeiten wie z. B. Urlaub auf dem Bauernhof.

Können auch die lohnabhängigen Arbeitnehmer des einzelnen Bauern den Arbeitsaustausch leisten?
Nein, die vom Bauer angestellten Arbeitnehmer dürfen den Arbeitsaustausch nicht machen.

Was passiert, wenn es sich nicht um einen Arbeitsaustausch handelt, sondern um Arbeitsleistung gegen Entlohnung?
Wenn dem Bauern oder dessen bauernversichertem Familienmitglied seine Arbeitsleistung bezahlt wird, dann handelt es sich um ein normales Arbeitsverhältnis. Dieses ist den Behörden zu melden. Fehlt diese Meldung, dann ist dies Schwarzarbeit, die mit hohen Strafen geahndet wird.