Produktion | 26.03.2014

Getreideanbau hat weiter Potenzial

Die Ende März beim TIS in Bozen vorgestellten Zahlen machen deutlich: Die Bauern stehen hinter dem Getreideanbau, gefragt sind jetzt die Verarbeiter. von Bernhard Christanell

Foto: Tiberio Sorvillo - www.visualite.it

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Etwa 440 Tonnen Brot wurden in den Jahren 2013/14 aus dem Südtiroler Roggen und Dinkel gebacken. Legt man zu Grunde, dass ein Kilo Brot im Schnitt für sieben Euro verkauft wurde, liegt der Umsatz aus dem Brotverkauf bei etwa drei Millionen Euro. „Diese Zahlen hätten wir uns vor Projektbeginn nicht erwartet“, resümiert Bettina Schmid, Managerin des Bereichs Lebensmittel & Wohlbefinden im TIS innovation park.
Das Versuchszentrum Laimburg hat die passenden Dinkel- und Roggensorten für die Südtiroler Anbaugebiete ermittelt, die Getreidebäuerinnen und -bauern bei Anbaufragen beraten und die Möglichkeiten einer Erweiterung des Anbaus auf Weizen und Gerste erhoben. „Unsere Wirtschaftlichkeitsberechnungen haben eine fundierte Festlegung des Getreidepreises für die Produzenten ermöglicht. Bei guter Qualität wirft der Verkauf von Getreide und Stroh einen zufriedenstellenden Gewinn ab“, erklärt Michael Oberhuber, Direktor der Laimburg.

Anbauflächen um ein Drittel gesteigert
Unter der Koordination des Südtiroler Bauernbundes gelang es, mit über 50 Bauern die Flächen für Getreideanbau in Südtirol um ein Drittel zu steigern und damit auch einen Beitrag zu mehr Vielfalt im Südtiroler Landschaftsbild zu leisten. Von Juni 2013 bis März 2014 standen dem Regiokorn-Projekt 100.000 Euro für die Projektkoordination, die Organisation von Workshops und die Stärkung des Netzwerkes aus Landwirten, Bäckern und Getreide-Verarbeitern zur Verfügung. Der TIS innovation park und seine Projektpartner Bauernbund, Laimburg, EOS und hds legten großen Wert darauf, mit den Projektmitteln nicht die Getreidepreise zu stützen. Denn nur so kann die realistische Fortsetzung des Getreideanbaus über die Projektdauer hinaus garantiert werden. „Ziel des Projektes war es, die Wirtschaftlichkeit des Getreideanbaus unter Wettbewerbsbedingungen zu testen. Umso erfreulicher ist die Erkenntnis, dass die Wirtschaftlichkeit gegeben ist: Die Saat ist also in zweifachem Sinne aufgegangen“, meint Bettina Schmid.

Projekt ist zu Ende, Anbau geht weiter
Das vom Europäischen Sozialfonds mitfinanzierte Projekt Regiokorn ist mit Ende März 2014 zu Ende gegangen, aber der Anbau von regionalem Getreide und dessen Verarbeitung geht weiter. „Das Wintergetreide wurde bereits auf 75 Hektar ausgebracht, davon sind 52 Hektar Roggen, 20 Hektar Dinkel und erstmals im Versuchswege drei Hektar Weizen. Mit der passenden Witterung erwarten wir auch heuer wieder eine Erfolgsernte wie im Jahr 2013“, erklärt Ulrich Höllrigl, Vizedirektor des Südtiroler Bauernbundes.
Zudem wurde die Bio-Anbaufläche auf Wunsch der Bäcker gesteigert. Auch im konventionellen Anbau wird auf Pflanzenschutz und leicht lösliche Mineraldünger verzichtet.
Über 50 Regiokorn-Landwirte, die vom Südtiroler Bauernbund betreut werden, werden in diesem Jahr voraussichtlich 320 Tonnen Getreide ernten.

Künftige Anbaufläche hängt von Nachfrage ab
Für die Regiokorn-Projektpartner Bauernbund, Laimburg, hds, EOS und TIS bleibt die Gewissheit, dass es gelungen ist, einen traditionsreichen Wirtschaftskreislauf Südtirols neu zu beleben.  „Die Bauern stehen hinter der Regiokorn-Idee, weil sie für ihr Produkt einen fairen Preis bekommen. Für den Bauernbund hat die Getreide-Wertschöpfungskette Potenzial“, unterstreicht Höllrigl. In Zukunft würden für das Regiokorn-Projekt die EOS und die enge Einbindung in das Konzept des Qualitätszeichens Südtirol eine große Rolle spielen. „Die Anbaufläche für Getreide ist in Südtirol ausbaufähig, sofern die Nachfrage nach regionalem Getreide steigt“, ist Höllrigl überzeugt. Jetzt seien die Verarbeiter am Zug. Wichtige Partner in Sachen Getreideanbau sollen weiterhin der Maschinenring mit Einsatz von Mähdreschern und in Zukunft der Beratungsring für die Berglandwirtschaft  BRING im Bereich der Beratung sein.

Die Regiokorn-Interessengemeinschaft mit allen wichtigen Partnern trifft sich auch nach Ende des Projektes weiterhin zweimal jährlich und sorgt somit für den weiteren Bestand des Netzwerkes.