Arbeitsberatung | 26.03.2014

Waldarbeit-Beschäftigungsformen

Aus arbeitsrechtlicher Sicht ist es nicht egal, wer bei der Waldarbeit wen in welcher Form beschäftigt und wie er ihn versichert. Im folgenden Artikel klärt die Arbeitsberatung des Südtiroler Bauernbundes auf, wie man es richtig macht.

Beschäftigt der Waldbesitzer Fremdarbeitskräfte, wird er zum Arbeitgeber. Die entsprechenden Verpflichtungen muss er einhalten.

Beschäftigt der Waldbesitzer Fremdarbeitskräfte, wird er zum Arbeitgeber. Die entsprechenden Verpflichtungen muss er einhalten.

Die Waldarbeit zählt zu den gefährlichsten Tätigkeiten in der Landwirtschaft. Aus arbeitsrechtlicher Sicht kommen in der Praxis verschiedene Situationen vor, die zum Teil anders handzuhaben sind. Aus diesem Grund soll der nachfolgende Artikel einen Überblick geben über die verschiedenen Beschäftigungsformen der Personen, die im Wald arbeiten, und über den jeweiligen Versicherungsschutz.

Holzentnahme mit der Familie
Bei den mitarbeitenden Familienmitgliedern gilt es zu unterscheiden, ob die Personen bauernversichert sind oder nicht. Neben den Familienmitgliedern, die bauernversichert sind und somit Vollzeit am Hof mitarbeiten, können Verwandte und Verschwägerte bis zum vierten Grad unentgeltlich und gelegentlich mitarbeiten, ohne dass sie dafür bei den Behörden gemeldet werden müssen.
Sollte es zu einem Unfall kommen, ist für die bauernversicherten Familienmitglieder innerhalb von 48 Stunden eine Unfallmeldung an das Unfallversicherungsinstitut INAIL zu machen. Sie haben somit Anspruch auf INAIL-Tagegeld. Bei den anderen Familienmitgliedern wird der Unfall wie ein Freizeitunfall behandelt. Wenn diese hauptberuflich einer anderen Tätigkeit nachgehen, sind sie dort im Krankenstand. Auch bei der Mitarbeit von Familienmitgliedern gilt es, großen Wert auf die Unfallvorbeugung zu legen. So ist eine angemessene Ausrüstung nötig – z.B. Schnittschutzhose, Schutzbrille, Schutzhelm usw. Neben der richtigen Ausrüstung ist vor allem die nötige Vorsicht ausschlaggebend, um Unfälle zu vermeiden.

Beschäftigung externer Arbeitskräfte
Für die Beschäftigung von Fremdarbeitskräften gelten dieselben Regeln wie für die Gesamtheit der Arbeitskräfte.
Der Betriebsinhaber wird in diesem Fall zum Arbeitgeber. Er muss also die damit verbundenen Verpflichtungen einhalten. Die Arbeiter sind am Tag vor Arbeitsbeginn beim Arbeitsamt zu melden und ihnen ist monatlich ein Lohnstreifen auszuhändigen. Der Arbeiter muss der Tätigkeit entsprechend eingestuft werden. Hier gilt der Grundsatz: Je selbständiger der Arbeiter arbeitet und je spezialisierter die Tätigkeit ist, desto höher ist die Einstufung.
Der Arbeitgeber muss auch die Bestimmungen im Bereich Arbeitssicherheit
einhalten. So ist die Risikobewertung auszufüllen und dem Arbeiter ist die persönliche Schutz-ausrüstung auszuhändigen. Der Arbeitnehmer hat eine allgemeine und spezifische Arbeitssicherheitsausbildung und ist in den Umgang mit den Maschinen und Geräten eingewiesen.
Anstellung über die Wertgutscheine „Voucher“: Pensionisten, Studenten und Bezieher von Arbeitslosenzahlungen können mit den Wertgutscheinen entlohnt werden. Dies gilt grundsätzlich auch für die Waldarbeit. Beschäftigte mit Wertgutscheinen können Zusatzarbeiten verrichten, dürfen aber keine gefährlichen Maschinen und Geräte bedienen.

Selbstwerber
Bei der Holzentnahme aus dem Wald sind auch Selbstwerber üblich. Dabei kommen vor allem Privatpersonen und holen im Wald das Holz. Es handelt sich hier um eine Art Holzankauf ab Stock. Ausschlaggebend dabei ist, dass jene Personen, die das Holz holen, alle dazu erforderlichen Maschinen und Geräte selbst mitbringen. Sie dürfen dabei nur das erworbene Holz bringen.
Eventuelle Mischformen – zum Beispiel dass sie auch Holz für den Besitzer des Waldes verarbeiten – sind nicht zulässig. In diesem Fall sind diese Personen als abhängige Arbeiter einzustufen und bei den Behörden anzumelden.
Diese Form ist nur dann zu empfehlen, wenn die Personen herumliegende Äste usw. mitnehmen und es dann zu Brennholz verarbeiten. Ein Eintritt in den Wald mit gefährlichen Maschinen und Geräten ist hier nicht zu empfehlen.

Beauftragung einer Spezialfirma   
Ein Waldbesitzer kann auch eine Spezialfirma mit der Holzschlägerung und Verarbeitung beauftragen. In diesem Fall kommt diese Firma mit ihren Maschinen und ihrem Personal. Dazu muss mit dieser Firma ein Werkvertrag abgeschlossen werden. Interferenzrisiken sind abzuklären und schriftlich festzuhalten. Der Besitzer des Waldes darf in diesem Fall nicht bei der Holzschlägerung mitarbeiten.
Diese Firmen, aber auch Sägewerke kaufen das Holz auch ab Stock. Sie entnehmen mit den eigenen Betriebsmitteln die Stämme und verarbeiten bzw. verkaufen sie dann weiter.
Die einzelnen Formen der Holzbringung sollten klar getrennt werden, damit später keine Probleme auftreten.