Bauernbund | 07.04.2014

Vielfalt und Leidenschaft

Wie soll die Landwirtschaft der Zukunft aussehen, was wünscht sich die Öffentlichkeit von den Bäuerinnen und Bauern? Mit diesen und einigen weiteren Fragen haben sich Experten und interessierte Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Veranstaltung „Conflict Kitchen“ auseinandergesetzt.

Bürgerinnen und Bürger diskutierten mit Experten über verschiedenste Aspekte der Landwirtschaft.

Bürgerinnen und Bürger diskutierten mit Experten über verschiedenste Aspekte der Landwirtschaft.

Organisiert wurde der offene Dialogabend anlässlich des „UNO-Jahres der bäuerlichen Familienbetriebe“ vom Südtiroler Bauernbund und der Sozialgenossenschaft blufink. Das Fazit nach intensiven Diskussionsrunden: Landwirtschaft bedeutet Vielfalt und Leidenschaft.
An insgesamt sechs Tischen konnten sich die Teilnehmer mit Experten, aber auch untereinander, zu unterschiedlichen landwirtschaftsbezogenen Themen austauschen und zukunftsweisende Ansätze eruieren. Schwerpunkte waren dabei die Zukunft der Landwirtschaft in Südtirol und die Entwicklungszusammenarbeit bei landwirtschaftlichen Projekten, Jugend und Abwanderung, Direktvermarktung, fair trade und GAS-Gruppen, Mikrokredite und Genossenschaften sowie konkrete Alternativen zur derzeitigen Form der Landwirtschaft.

Vielfalt muss bleiben
Klar zur Sprache kam, dass die Vielfalt der heimischen Landwirtschaft – Obst- und Weinbau, Milchwirtschaft, Gemüse, Sonderkulturen wie Beeren, Getreide usw. – unbedingt erhalten bleiben muss. „Die Vielfalt ist das Herzstück der lokalen Landwirtschaft. Sie ist das Markenzeichen“, brachten es gleich mehrere Teilnehmer auf den Punkt. Vor allem die Kleinstrukturiertheit sei ein Gut, das es zu schützen gilt. Großbetriebe werden hingegen kritisch gesehen. Positiv bewerteten die Teilnehmer auch die verschiedenen Vermarktungsformen, wie das Genossenschaftswesen und die Direktvermarktung. Besonders letztere genießt einen guten Ruf in der Gesellschaft. Eine weitere Möglichkeit, mit den Konsumenten in Kontakt zu treten, bieten die Bauernmärkte. Diese sollten weiter ausgebaut werden. Überhaupt wünschten sich einige Teilnehmer ein stärkeres Zusammenrücken von Produzent und Konsument.

Gute Chancen für Ökolandbau
Gute Chancen sahen die Diskutanten für den Ökolandbau. „Bio hat noch viel Potential in Südtirol, und das in allen Bereichen. Besonders der italienische Markt bietet Chancen, die wir noch zu wenig nutzen“, war der Obmann von Bioland Südtirol Michael Oberhollenzer überzeugt. 
Ein Thema der „Conflict Kitchen“ waren auch die Förderungen. SBB-Direktor Siegfried Rinner stellte klar, dass es auch in Zukunft Förderungen brauche. „Viele Betriebe können vom Verkauf der Lebensmittel alleine nicht leben, da die Verkaufspreise zu niedrig sind. Wären die Preise höher, könnten wir auf viele Förderungen gerne verzichten.“ Die Preise sollten so sein, dass ein Bauer damit seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, unterstrichen viele der Teilnehmer.
Überrascht waren die Anwesenden über die Bedeutung der Landwirtschaft für die Schaffung von Arbeitsplätzen und für das Verhindern von Abwanderung. „Ohne eine funktionierende Landwirtschaft würden in der Peripherie Tausende Arbeitsplätze fehlen und der Druck, in die Städte abzuwandern, noch viel höher sein“, lautete eine häufig gehörte Meinung.
Lob gab es für die Leidenschaft der Bäuerinnen und Bauern. „Wer Bauer ist, ist es mit Leidenschaft und großem Fleiß.“ 
Alles in allem wurde von den durchaus kritischen Teilnehmern des Dialogabends einiges in Frage gestellt, aber vieles auch gelobt. Tenor des Abends: Die Landwirtschaft befindet sich auf dem richtigen Weg.

Conflict Kitchen - Themen, Impulse und Dokumentation (zum Downloaden)

Hören Sie hier den Radiobeitrag in der Sendung „Landwirtschaft heute“ zur Veranstaltung (ab Minute 12:18)