Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 18.04.2014

Herausforderungen gemeinsam angehen

Zum traditionellen Drei-Länder-Treffen hat der Südtiroler Bauernbund die Bauernverbände von Tirol und Bayern nach Völs eingeladen. Diskutiert wurde u. a. über die Tierhaltung, die Auswirkungen der EU-Agrarreform und den Schutz landwirtschaftlicher Nutzflächen. von Michael Deltedesco

Bauernvertreter aus drei Alpenkernländern zu Gast in Völs: Dort diskutierten sie über Tierwohl, Milchmarkt, Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr.

Bauernvertreter aus drei Alpenkernländern zu Gast in Völs: Dort diskutierten sie über Tierwohl, Milchmarkt, Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr.

Einmal mehr zeigte sich beim Drei-Länder-Treffen, zu dem abwechselnd einer der drei Bauernbünde aus Bayern, Tirol und Südtirol einlädt: Trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen sind die Herausforderungen ähnlich. Eine enge Zusammenarbeit ist daher richtig.

Einzelhandel zahlt für Tierwohl
Neben fachlichen Fragen diskutieren die Bauernvertreter immer auch interessante Initiativen in den einzelnen Ländern. So ist es den deutschen Bauernverbänden gelungen, zusammen mit dem Lebensmittel-Einzelhandel die „Initiative Tierwohl“ ins Leben zu rufen, wie der Bayerische Generalsekretär Hans Müller berichtete: „Wer zu den bestehenden hohen Tierschutzstandards zusätzliche Maßnahmen ergreift, um das Tierwohl zu steigern, erhält einen Zuschlag.“ Die Mittel dafür, und das macht die Initiative interessant, kommen von den großen Lebensmittel-Einzelhändlern.

Ebenfalls in Deutschland ist das Bündnis „Best Beef“ gestartet. Zusammen mit McDonalds soll die Verfügbarkeit von Qualitäts-Rindfleisch aus Deutschland gesichert werden. Gleichzeitig ist das Bündnis ein Bekenntnis zu einer nachhaltigen, zukunftsorientierten Wertschöpfungskette Rindfleisch – vom landwirtschaftlichen Betrieb bis zum Restaurant sozusagen. In Tirol gibt es einen Tierschutzpreis für Betriebe, die besonders hohe Standards im Tierschutz anwenden. Zudem soll heuer erstmals ein Nachhaltigkeitspreis in der Milchwirtschaft vergeben werden.

Milchmarkt mit vielen Fragezeichen
Ein Thema der Tagung war die Einschätzung des Milchmarkts nach dem Wegfall der Milchquote. Während Bayern nur wenige Probleme sieht, sind die Bauernverbände von Tirol und Südtirol skeptisch, wird doch mit einer Zunahme der Milchproduktion in den Gunstlagen gerechnet. Das könnte noch mehr Milchbauern in Berggebieten bewegen, aus der Milchproduktion auszusteigen. Grund zur Hoffnung gibt aber die Tatsache, dass die Nachfrage nach Milchprodukten im Steigen ist und neue Märkte eventuelle Mehrmengen aufnehmen könnten. Zudem müsse mehr Milch weiterverarbeitet werden, um für die Bauern eine höhere Wertschöpfung zu erzielen.

Um die Produkte aus den Bergregionen stärker von Produkten anderer Gebiete abzuheben, sprachen sich die Vertreter aller drei Bauernverbände für eine „klare Kennzeichnung von Produkten aus dem Berggebiet“ aus. „Es darf nämlich nicht sein, dass auch eine Molkerei aus Hamburg mit der Bezeichnung ‚Berg’ werben darf“, so der Tenor aus Südtirol.

EU-Agrarreform: Im Großen und Ganzen zufrieden
Ein Schwerpunkt des Treffens war die Umsetzung der EU-Agrarreform in den drei Ländern. In Südtirol hat sich in der so wichtigen zweiten Säule, jener der ländlichen Entwicklung, nur wenig geändert. In der ersten Säule hofft Südtirol laut Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner mehr Geld als bisher zu erhalten: „Gegenüber den Regionen in Norditalien hat Südtirol bei den Flächenprämien bisher schlecht abgeschnitten.“ Vorgesehen ist auf alle Fälle eine stärkere Beteiligung der Regionen.

Einige Änderungen bringt die Reform auch für Tirols Bauern. Landwirtschaftskammer-Direktor Richard Norz gab zu Bedenken: „Die Gelder für den ökologischen Landbau steigen, die Mittel für Agrarumweltmaßnahmen und die Ausgleichszulage wurden leicht gekürzt. 700 Betriebe erhalten fortan keine Ausgleichszulage mehr. Insgesamt wurden die Mittel um knapp drei Prozent gekürzt.“

In Bayern gehen die Direktzahlungen in der ersten Säule in den nächsten Jahren leicht zurück, während die zweite Säule mit mehr Mitteln rechnen kann. Intensiv diskutiert wurden auch das Greening sowie die Junglandwirteförderung. Klar zum Ausdruck kam, dass unter dem sogenannten aktiven Landwirt auch die Nebenerwerbsbauern zu verstehen sind. „Diese Klärung ist sehr wichtig, denn sonst würden in Südtirol etwa zwei Drittel und in Tirol fast neunzig Prozent der Bauern durch die Finger schauen“, erklärte Südtirols Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler, der wie Josef Geisler, Obmann des Tiroler Bauernbundes, einen raschen Bürokratieabbau forderte: „Wir brauchen Vereinfachungen und keine Verbote. Zudem müssen immer höhere Qualitätsansprüche auch abgegolten werden.“ Interesse aus Südtirol kam für die Unterstützung der Almflächen in Tirol und Bayern.

Auf Konsumenten zugehen
Ein Schwerpunkt in allen drei Ländern ist die Öffentlichkeitsarbeit. Mit verschiedenen Initiativen wollen die Bauernverbände auf die Wichtigkeit einer funktionierenden Landwirtschaft und die Bedeutung der Arbeit der Bäuerinnen und Bauern aufmerksam machen. Der Bayerische Bauernverband ist dabei mit dem Jahresthema „Landwirt-schaf(f)t Heimat“ unterwegs. In Tirol bewerben Prominente unter dem Motto „Was wäre Tirol ohne Bauern“ das Image der Landwirtschaft. Der Südtiroler Bauernbund hat seine Initiativen für das UNO-Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe präsentiert und dafür viel Zuspruch erhalten. Wie Tiefenthaler erklärte, ist dabei ein Schwerpunkt der Bauernhof-Sonntag am 25. Mai, wo die Konsumenten auf sieben Bauernhöfen erleben können, wo und wie heimische Qualitätslebensmittel produziert werden.“

Ziel aller Bemühungen müsse es sein, so die Teilnehmer, die Landwirtschaft „zu erklären“ und für sie zu werben. Dabei spielt die Medienarbeit eine wichtige Rolle. Für genauso wichtig hält der Tiroler Bauernbund-Direktor Peter Raggl aber auch „den direkten Kontakt mit den Konsumenten, etwa durch Veranstaltungen.“ Zudem würden Imagekampagnen auch nach innen wirken. Sie stärkten das Selbstbewusstsein der Bäuerinnen und Bauern.

Flächenverbrauch in allen drei Ländern ein Problem
In Südtirol wird täglich die Fläche eines Fußballfeldes verbaut, in Bayern sogar 17 ha. Auch in Tirol ist die Situation kritisch. Daher fordern alle drei Bauernverbände ein rasches Umdenken und einen verstärkten Schutz landwirtschaftlicher Nutzflächen. Dazu gehöre auch, dass bestehende Kubatur besser genutzt wird und dafür höhere Förderungen vorgesehen werden.

Zum Abschluss wurde vereinbart, sich in den Schwerpunktthemen weiterhin regelmäßig auszutauschen und gegenüber Brüssel gemeinsam aufzutreten.