Bezirke, Bauernbund | 18.04.2014

Mehr Einsatz für Berglandwirtschaft!

Maßnahmen für die Stärkung des ländlichen Raumes, den Schutz von Grund und Boden, ein verständlicheres Urbanistikgesetz sowie ein funktionierendes Wegenetz: Das forderte der Pusterer Bauernbund-Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler beim bäuerlichen Informationstag.

Diskutierten beim bäuerlichen Informationstag: (v.l.) Gerhard Flarer, Leo Tiefenthaler, Maria Hochgruber Kuenzer, der neue Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler, Herbert Dorfmann und Viktor Peintner

Diskutierten beim bäuerlichen Informationstag: (v.l.) Gerhard Flarer, Leo Tiefenthaler, Maria Hochgruber Kuenzer, der neue Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler, Herbert Dorfmann und Viktor Peintner

Bei seinem ersten großen Auftritt zeigte der neue Pusterer Bauernbund-Bezirksobmann Anton Tschurtschenthaler gleich eine Reihe von Themen auf, die den Bauern im Bezirk am Herzen liegen. So forderte er mehr Unterstützung für den ländlichen Raum: „Immer wieder wird betont, wie wichtig der ländliche Raum für unser Land ist. Den Worten müssen aber auch Taten folgen. Wir können nicht akzeptieren, dass immer mehr Dienste in die Zentren abgezogen werden.“ Sorgen macht sich Tschurtschenthaler vor allem um das Krankenhaus Innichen, das unter allen Umständen erhalten werden müsse. Zudem sei es notwendig, die Dienste des Bezirksgerichts Bruneck zurückzuholen.

Funktionierende Nahversorgung wichtig
Ein attraktiver ländlicher Raum brauche Arbeitsplätze und eine funktionierende Nahversorgung. „Wenn Arbeitsplätze verloren gehen und Strukturen geschlossen, wandern die Bewohner ab“, sagte Tschurtschenthaler.
Existenziell für die Berglandwirtschaft sind für Tschurtschenthaler unter anderem die Dorfschlachthöfe. „Es darf nicht sein, dass Pusterer Bauern mit ihren Tieren bis nach Bozen fahren müssen“, meinte er. Daher forderte er auch weiterhin die Unterstützung dieser Strukturen.
Immer mehr zu einem Sorgenkind entwickelt sich das ländliche Wegenetz. „Da liegt einiges im Argen“, betonte Tschurtschenthaler, „Es braucht nicht nur Geld für neue Wege, sondern auch für die Instandhaltung. Wollen wir den Standard halbwegs halten, braucht es mehr Investitionen.“ Nicht zufrieden ist Tschurtschenthaler mit der Stromversorgung. „Die Stromausfälle im Winter haben die Schwachstellen bei der Stromverteilung eindrucksvoll aufgezeigt. Das darf sich nicht wiederholen!“

„Wollen lesbares Urbanistik-gesetz“
Harsche Kritik übte Tschurtschenthaler am Urbanistikgesetz. „Wir brauchen rasch ein neues Gesetz, das für alle lesbar und klar verständlich ist und keine großen Schlupflöcher lässt. Und das vor allem Grund und Boden besser schützt“, sagte er. Almerschließungen steht Tschurtschenthaler positiv gegenüber – aber nur, wenn sie wirklich notwendig sind.
Mehr Freiheit forderte der Bezirksobmann für die Arbeit im Naturpark: „Immer mehr Bestimmungen machen uns das Arbeiten schwer.“

Quality Partner
Die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus war ein weiteres Thema beim bäuerlichen Informationstag. Obmann Anton Tschurtschenthaler dazu: „Kooperationen funktionieren mancherorts recht gut. Allerdings sind die positiven Beispiele leider viel zu selten. Daher braucht es ein Quality-Partner-Siegel, das Betriebe kennzeichnet, die mit heimischen Bauern und Genossenschaften zusammenarbeiten.“ Mehr Kooperation und mehr Selbstverantwortung forderte der Bezirksobmann aber auch von den Bäuerinnen und Bauern selbst. „Wir müssen wieder mehr zu einem Miteinander kommen. Was wir brauchen, ist mehr Nachbarschaftshilfe und Eigenverantwortung und weniger Neid. Von der Landwirtschaft wird keiner reich, deswegen hat der Neid hier nichts verloren!“

Berglandwirtschaft ernst nehmen
Tschurtschenthalers Vorgänger Viktor Peintner rief die Politik auf, sich mehr für die Berglandwirtschaft einzusetzen. „Ich habe das Gefühl, dass besonders die Berglandwirtschaft nicht mehr ganz ernst genommen wird. Ich erwarte mir, dass wieder für die Berglandwirtschaft gekämpft wird.“
Weitere Belastungen befürchtet Peintner beim Landschaftsschutz. Positiv sei hingegen ein Strategiepapier für die Jagd, an dem der Südtiroler Bauernbund mitgearbeitet hat. Dieses sieht u. a. einen stärkeren Einbezug der Grundeigentümer und eine Aufwertung der Abschussplan-Kommission vor.

Über die Verhandlung zur neuen Gemeindeimmobiliensteuer GIS berichtete Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer. Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler kritisierte die Kürzungen im Landeshaushalt. In den letzten zehn Jahren sei der Agrarhaushalt um über 40 Prozent reduziert worden. Bei weiteren Kürzungen sehe er vor allem für die Berglandwirtschaft Probleme. Einen wichtigen Akzent für die Stärkung des ländlichen Raumes liege laut Tiefenthaler in der Gründung der Plattform Land, die sich zum Ziel gesetzt hat, mit verschiedenen Partnern den ländlichen Raum weiterzuentwickeln. Ein Hauptanliegen des Bauernbundes bleibe auch  die Flächensicherung.

Der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann stellte die Neuerungen der EU-Agrarreform vor. In der für Südtirol wichtigen zweiten Säule, jener der ländlichen Entwicklung, habe sich glücklicherweise wenig geändert. Über die Verteilung der Geldmittel der ersten Säule werde derzeit noch auf nationaler Ebene verhandelt. „Hier hoffen wir, dass Südtirol mehr Gelder erhält. Bisher war das Berggebiet eindeutig benachteiligt.“