Bezirke, Bauernbund | 07.05.2014

Hoffen auf mehr EU-Geld

Wenige Wochen vor der Europawahl war die EU auch Thema auf der Eisacktaler Bezirksversammlung in Vahrn. Mit der Reform der Agrarpolitik ist der Südtiroler Bauernbund zufrieden. von Michael Deltedesco

Aus Sicht der Berglandwirtschaft, aber auch für den Obst- und Weinbau, kann die Reform als gelungen bezeichnet werden. „Für die zweite Säule, jene des ländlichen Entwicklungsprogramms, stehen in den nächsten sieben Jahren etwa 35 Millionen Euro mehr zur Verfügung“, erklärte der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann, der zum guten Abschneiden der Berglandwirtschaft beigetragen hat. Mehr Geld können sich die Bauern auch in der ersten Säule erwarten. „Bisher war Südtirol hier im Vergleich zu den anderen Regionen eindeutig im Nachteil. Von der schrittweisen Angleichung der Direktzahlungen werden unsere Bauern profitieren“, glaubt Dorfmann.

Verhandlungen in der Endphase
Vieles hängt nun von den Verhandlungen auf nationaler Ebene ab, die in der Endphase sind. Auch Landesrat Arnold Schuler ist optimistisch, dass am Ende mehr als bisher für Südtirol herausschaut. „Südtirol könnte davon profitieren, dass zusätzliche Flächen als prämienberechtigt eingestuft werden. Zudem wird eine gekoppelte Prämie für Milchkühe im Berggebiet angedacht. Auf alle Fälle geht der Trend hin zu einer Verschiebung der Gelder von den Gunstlagen zu den benachteiligten Gebieten“, erklärte der Landesrat. Positiv sei auch, dass die Unterstützung der Ernteversicherung gesichert scheint. „Davon profitieren die Bauern in der Region besonders, da etwa ein Drittel der Gelder aus einem nationalen Versicherungstopf nach Südtirol und in das Trentino gehen“, sagte Dorfmann.

Kämpfen um „aktiven Landwirt“
Noch nicht genau geklärt ist, was genau unter „Aktiver Landwirt“ zu verstehen sei, wies Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler hin. „Auf alle Fälle müssen auch Nebenerwerbsbauern als aktive Bauern gesehen werden, sonst fallen viele aus den Förderungen.“ Apropos Förderungen: Landesrat Arnold Schuler erklärte noch einmal den Förderstopp in einigen Bereichen und kündigte gleichzeitig eine Neuausrichtung der Förderpolitik an: „Wir müssen stärker Prioritäten setzen. Gemeinsam werden wir zu einer guten Lösung kommen.“ Das Ziel, Schwerpunkte zu setzen, wird auch vom SBB unterstützt, genauso wie das Vorhaben, Bürokratie abzubauen. „Besonders im Bereich der Arbeitssicherheit ist das dringend notwendig“, unterstrich Tiefenthaler.
Gemeinsam wollen Landesrat Schuler und Südtiroler Bauernbund auch am Image der Landwirtschaft arbeiten. Gerade die Diskussion um den Pflanzenschutz und die Steuern haben den sonst guten Ruf der Landwirtschaft angekratzt. Kritisiert wurde vor allem die öffentliche Diskussion über die neue Gemeindeimmobiliensteuer GIS, die für viele als wenig zielführend und überaus populistisch gesehen wird.

Bauernbund-Bezirksobmann Konrad Obwexer ließ in seiner Eröffnungsrede noch einmal das Jahr 2013 Revue passieren und sprach von einem – aufgrund der Witterung – schwierigen, aber dennoch zufriedenstellenden Jahr. Kritisch sieht er allerdings den Wegfall der Milchquoten. Hier werde sich aber erst zeigen müssen, was am Milchmarkt passiert. Der Landtagsabgeordnete Albert Wurzer sprach sich für eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Tourismus. Denn in diesem Bereich gebe es noch viel Potential, das bei weitem nicht ausreichend genutzt wird.