Wirtschaft, Südtiroler Landwirt, Bauernbund | 05.06.2014

Südtirols Bauern bleiben auch in Krisenzeiten optimistisch

Die Stimmung der Südtiroler Landwirte ist positiv. Die meisten sind mit dem Landwirtschaftsjahr 2012/13 zufrieden und blicken auch zuversichtlich nach vorn. Allerdings verringern steigende Produktionskosten oft die Gewinnspannen. von Michael Tschöll und Luciano Partacini, Wifo

Zwei Drittel der befragten Bauern haben 2013 in ihren Betrieb investiert. Obstbauern geben ihr Geld am häufigsten für neue Anlagen aus.

Zwei Drittel der befragten Bauern haben 2013 in ihren Betrieb investiert. Obstbauern geben ihr Geld am häufigsten für neue Anlagen aus.

Das Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen (WIFO) hat in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Bauernbund auch in diesem Jahr das wirtschaftliche Stimmungsbild in der heimischen Landwirtschaft eingefangen.
Allgemein zeigen sich demnach die Südtiroler Landwirte aller Bereiche zufrieden mit den Preisen, die ihnen ihre Genossenschaften im Landwirtschaftsjahr 2012/13 auszahlen konnten.
92 Prozent der Südtiroler schätzen diese Auszahlungspreise als positiv ein. Fast die Hälfte bemängelt allerdings, dass die gestiegenen Kosten für Energie, Futter, und Pflanzenschutzmittel ihr letztes Jahresergebnis belastet haben.
Diese Kostenerhöhungen dürften sich nach Einschätzung der Landwirte fortsetzen, allerdings erwarten sich neun von zehn Bauern auch für das laufende Jahr gute oder zufriedenstellende Auszahlungspreise.
Als größte Herausforderungen sehen die Bauern die Gesundheit von Pflanzen und Tieren, die Haltung und Steigerung der Qualität der Produkte sowie die bürokratischen Lasten wie etwa die Arbeitssicherheitsvorschriften.

Landwirtschaft trägt wesentlich zu stabiler Konjunktur bei
Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erweist sich die Landwirtschaft als robuster Sektor und trägt wesentlich zur Stabilisierung der Konjunktur in Südtirol bei. Bestätigt wird das auch durch die Investitionstätigkeit der Landwirte im letzten Jahr.
Zwei Drittel aller Befragten haben 2013 Investitionen in ihrem Betrieb getätigt. Am häufigsten wurden Maschinen und Geräte angeschafft, gefolgt von neuen Kulturen sowie Anlagen (Bewässerung, Hagelnetze usw.). Für das laufende Jahr ist immerhin die Hälfte der Landwirte überzeugt zu investieren, weitere 13 Prozent waren sich zum Zeitpunkt der Erhebung noch nicht sicher.
Während fast die Hälfte der Obst- und Weinbauern bei ihren Investitionen auf neue Anlagen und Kulturen setzen, investieren die Bauern in der Milch- und Viehwirtschaft am häufigsten in Bauten und Maschinen bzw. neue Geräte.

Obst – zurzeit schwache Kaufkraft
In der Obstwirtschaft haben die Höchstpreise für Äpfel 2013 zu einem sehr guten Jahr gemacht. 60 Prozent der Obstbauern erachteten die Auszahlungspreise als gut, ein Drittel zumindest als zufriedenstellend. Die Erntemenge 2013 fiel durchschnittlich aus, durch große Niederschlagsmengen im Frühjahr und Herbst gab es aber Probleme mit dem Schorfpilz.
Zurzeit befindet sich der Apfelmarkt in einer schwierigeren Situation, vor allem in Italien ist die Kaufkraft noch schwach. Aus diesem Grund setzten die Genossenschaften verstärkt auf den Export.
Allerdings sind die Apfel-Lagerbestände in der Europäischen Union in dieser Saison noch immer relativ hoch. Für das laufende Jahr erwarten sich trotzdem 84 Prozent der Südtiroler Obstbauern gute oder zufriedenstellende Auszahlungspreise von ihren Genossenschaften.

Große Zuversicht bei den Weinbauern
Die Hälfte der Weinbauern schätzt die erzielten Auszahlungspreise für die eigenen Trauben im vergangenen Jahr als gut ein, die andere Hälfte als zufriedenstellend. Auch für das laufende Jahr herrscht bei ihnen große Zuversicht. Die Ernte im Herbst 2013 ist für DOC- und IGT-Weine deutlich höher ausgefallen als im Jahr zuvor (plus 11 Prozent). Insgesamt erhoffen sich 93 Prozent der Bauern befriedigende oder sogar gute Preise von den Kellereien.

Milchwirtschaft: Aussichten positiv
In der Milchwirtschaft ist die angelieferte Menge seit drei Jahren konstant und betrug zuletzt 371,1 Millionen Tonnen. Fast alle befragten Landwirte empfanden die Auszahlungspreise für ihre Milch im abgelaufenen Milchwirtschaftsjahr 2012/13 als zufriedenstellend (70 Prozent) oder gut (27 Prozent). Der Ausblick auf das laufende Jahr entspricht in etwa diesen positiven Einschätzungen.

UaB-Einnahmen gleichen höhere Kosten aus
Betriebe, die auch Urlaub auf dem Bauernhof anbieten, können mit dieser Nebenerwerbsmöglichkeit vielfach die steigenden Kosten in der Landwirtschaft ausgleichen. Außerdem erleichtert Urlaub auf dem Bauernhof die Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Produkten. Die Nächtigungen bei Urlaub auf dem Bauernhof konnten im Jahr 2013 sogar um 1,6 Prozent ausgebaut werden. Für 2014 wird erneut eine leichte Steigerung erwartet.

Die Sicht der Genossenschaften
Die Einschätzungen der Genossenschaften hat das WIFO bereits im April im allgemeinen Wirtschaftsbarometer veröffentlicht. Darin werden die Urteile der Landwirte bestätigt. 2013 war die Landwirtschaft der Sektor der Südtiroler Wirtschaft, der die Krise am wenigsten gespürt hat.
Fast alle befragten Genossenschaften konnten den Erzeugern nach eigener Meinung gute oder zumindest zufriedenstellende Auszahlungen gewährleisten.
Die Erwartungen für das laufende Jahr bleiben ausgesprochen positiv: Alle befragten Genossenschaften vertrauen darauf, den Erzeugern weiterhin gute oder zumindest zufriedenstellende Auszahlungspreise gewährleisten zu können. Am besten sind die Erwartungen bei den Milchhöfen und Sennereien.