Bauernbund | 02.07.2014

Obstbau: Neue Leitlinien für den Pflanzenschutz

Die Landesregierung hat neue Leitlinien für den Pflanzenschutz genehmigt. "Überall, wo Pflanzenschutzmittel Verwendung finden", unterstrich Landesrat Arnold Schuler, "müssen verstärkt modernste Technik eingesetzt und entsprechende Abstandsregelungen eingehalten werden". von LPA

Die Landesregierung hat neue Leitlinien zur Ausbringung von bestimmten Pflanzenschutzmitteln erlassen.

Die Landesregierung hat neue Leitlinien zur Ausbringung von bestimmten Pflanzenschutzmitteln erlassen.

Mit einem Paket an Maßnahmen wird das weite Feld des Pflanzenschutzes bearbeitet. Aufklären, informieren und sich der Diskussion stellen: Das ist das Anliegen von Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler. Mit den neuen Leitlinien will das Land eine Vorreiterrolle einnehmen und noch höhere Standards als der Nationale Aktionsplan vorgeben, der seit dem 13. Februar in ganz Italien in Kraft ist. "Wir wollen wie bei der Qualitätskontrolle und der Lagertechnik in der Landwirtschaft auch im Bereich Pflanzenschutz zu den Innovativsten gehören", betonte Landesrat Schuler.
Die Leitlinien lassen sich in drei Abschnitte einteilen: Der erste Abschnitt beinhaltet die Maßnahmen im Sinne des nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Dabei werden die sensiblen Zonen festgelegt, in deren Umfeld das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln mit Risiko-Sätzen besonders streng geregelt wird. Diese Zonen sind öffentliche Plätze, Schulen, Kindergärten und Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesens. Weiters werden die im nationalen Aktionsplan vorgesehenen abdriftmindernden Maßnahmen definiert. "Im zweiten Abschnitt gehen wir noch einen Schritt weiter", erklärte Landesrat Schuler, "und definieren weitere sensible Zonen wie öffentliche und private Gebäude, private Parks und Gärten, Straßen und Fußwege innerhalb verbauter Ortskerne, Radwege und Radrouten, die im Bauleitplan der Gemeinde eingetragen sind. Dabei wird grundsätzlich für alle Pflanzenschutzmittel ein Sicherheitsabstand eingeführt." Im dritten Abschnitt sind Kontrollen vorgesehen. "Um diese Maßnahmen auch durchsetzen zu können", so Landesrat Schuler, "sind erstmals entsprechende Kontrollen durchzuführen und entsprechende Strafen vorzusehen. Diese sollen auf 1.000 bis 10.000 Euro festgelegt werden". Zentrales Ziel der Leitlinien ist es, Klarheit für die Ausbringer von Pflanzenschutzmitteln und Sicherheit für die gesamte Bevölkerung zu gewährleisten.
Pflanzenschutzmittel, die in die Kategorie "giftig" und "sehr giftig" fallen, werden im Obst- und Weinbau laut Agrios-Richtlinien nicht mehr eingesetzt. "An der kontinuierlichen Verbesserung der Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktion", unterstrich Landesrat Schuler, "führt kein Weg mehr vorbei. Auch die Förderung der biologischen Vielfalt durch verringerten Pflanzenschutzmitteleinsatz und durch die Anpflanzung von Hecken wird weiter vorangetrieben." Unmittelbar hinter einer Hecke kann die Abdrift von Pflanzenschutzmitteln auf Nachbargrundstücke im Idealfall um nahezu 100 Prozent verringert werden.
Doch das sind nicht die einzigen Maßnahmen. "Wir haben jetzt ein ganzes Paket an Maßnahmen geschnürt, um das Thema Pflanzenschutz von mehreren Seiten aufzuarbeiten", berichtete Landesrat Schuler. "Wir wollen durch Studien, Untersuchungen und Versuche mehr über Pflanzenschutzmittel erfahren und deren Auswirkungen überprüfen." Dazu zählen eine langfristig angelegte epidemiologische Studie, das Bienenbeobachtungsprogramm Apistox des Versuchszentrums Laimburg in Zusammenarbeit mit der Universität Bozen und dem Imkerbund sowie eine Rückstandsanalyse auf Kräuter. "In einem weiteren Schritt wollen wir die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln verbessern", führte Schuler aus: Auf Versuchsfeldern werden Untersuchungen unter wechselnden Bedingungen zu den Möglichkeiten und Grenzen verschiedener abdriftmindernder Techniken durchgeführt. Ein erfolgreicher Ansatz ist das Verwenden von Injektordüsen, mit denen die Abdrift wesentlich verringert werden kann.
Bereits viel getan
In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hat sich im Bereich Pflanzenschutz sehr viel getan. In Südtirol ist der integrierte Obstanbau seit vielen Jahren gängige Praxis. Der integrierte Anbau nützt die Widerstandskräfte der Natur, schont Nützlinge und fördert deren Ausbreitung durch gezielte ökologische Maßnahmen. 93 Prozent der Obstproduzenten befolgen die Richtlinien der Arbeitsgruppe für den Integrierten Obstanbau in Südtirol Agrios. Darin wird festgehalten, dass der Obstbauer eine landwirtschaftliche Ausbildung erhalten und sich ständig weiterbilden muss. Der Südtiroler Beratungsring informiert regelmäßig die über 6.100 Bauern und Bäuerinnen über eine umweltgerechte Produktion. Diese Bauern kontrollieren kontinuierlich die Obstbäume und Rebanlagen auf mögliche Schädlinge. Dies ist ein einzigartiges, kapillares und sehr effektives Kontroll- und Informationsnetz.
Rahmenabkommen unterzeichnet
Um ein gemeinsames Miteinander und Nebeneinander für alle Anbaumethoden zu ermöglichen, ist zudem ein Rahmenabkommen zwischen den Bioverbänden, dem Beratungsring, den Erzeugerorganisationen VOG (Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften) und VI.P (Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse) und dem Südtiroler Bauernbund geschlossen worden. Dieses Abkommen, das jetzt unterschrieben worden ist, soll ein konfliktfreies Nebeneinander von benachbarten biologischen und integrierten Produzenten erleichtern. Weiters soll auch ein Abkommen zwischen den Produzenten von Obst und den Bauern, die andere Kulturen bewirtschaften, getroffen werden. „Damit soll jedem ermöglicht werden, unbeeinträchtigt vom Nachbarbewirtschafter auf seine Weise zu produzieren."