Arbeitsberatung | 29.07.2014

Arbeiter richtig bezahlen

Wie der Arbeitgeber die Bestimmungen zum Mindestlohn, zur Bargeldgrenze und zur Abfertigung richtig einhält und was er bei der Zahlung des Lohns „in bar“ beachten muss.

Um Schwarzzahlungen und Geldwäsche zu unterbinden, hat der Staat Ende des Jahres 2011 die Bargeldgrenze auf 1000 Euro herabgesetzt. In Bargeld können demnach nur noch Summen von max. 999,99 Euro bezahlt werden. Betroffen ist auch die Zahlung des Nettolohns auf dem Lohnstreifen. Achtung: Das Limit gilt pro Lohnstreifen und nicht
pro Arbeitsverhältnis.

Probleme in der Praxis
Der Erntehelfer empfindet die Bezahlung „in bar“ in der Regel als die sicherste Art der Zahlung. Bei Arbeitsverhältnissen, welche nur über einen Teil des Monats bestehen, liegt die Summe auf dem Lohnstreifen eines als Erntehelfer eingestuften
Arbeiters unter 1000 Euro. In diesem Fall kann der Lohn in bar bezahlt werden. Über 1000 Euro liegt die Summe auf dem Lohnstreifen mit großer Wahrscheinlichkeit dann, wenn das Arbeitsverhältnis über einen Großteil des Monats läuft, Überstunden oder Feiertagsarbeit geleistet werden und das Arbeitsende im betreffenden Monat liegt (in diesem Fall ist auch die Abfertigung fällig).

Lösungsansätze
Falls die Summer im Lohnstreifen über 1000 liegt, kann z.B. eine Akontozahlung (z.B.  500 Euro) per Scheck oder Banküberweisung gemacht werden. Den Rest kann man dann in bar bezahlen.

Lohnstreifen, Strafen und Meldepflicht
Aufgrund der Arbeitsspitzen im Herbst ist es der Abteilung Arbeitsberatung/Löhne nicht möglich, Lohnstreifen und Probelohnstreifen sofort auszuarbeiten. Abhilfe schafft hier die Online-Eingabe der Stunden. In diesem Fall steht der Lohnstreifen innerhalb kurzer Zeit zur Verfügung. Wie hoch die Strafe ausfällt, die bei Nichteinhaltung der Bargeldgrenze fällig wird, richtet sich nach dem Betrag der Transaktion – wobei die Mindeststrafe bei 3000 liegt. Zudem sind Banken verpflichtet, offensichtliche Fälle von Missachtung des Limits zu melden.

Einhaltung des Tariflohnes
Der Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, dem Arbeiter mindestens den Tariflohn pro Stunde zu bezahlen. Die Tariflöhne für die Landwirtschaft in Südtirol werden dabei vom Landeskollektivvertrag der landwirtschaftlichen Arbeiter festgelegt und sind in einer Lohntabelle zusammengefasst.  Die Löhne sind dabei in Brutto angegeben. Aktuell beträgt der Bruttolohn für den Erntehelfer 6,57 Euro. Die Höhe des Nettolohns hängt dabei maßgeblich vom Jahresgesamteinkommen und von der persönlichen Situation des Arbeiters ab.Als Beispiel kann ein Erntehelfer, welcher nur während des händischen Ausdünnens und der Ernte in Italien arbeitet, herangezogen werden: Da er das Gesamteinkommen von 6000 Euro nicht überschreitet, ist keine Einkommenssteuer fällig. Der Nettolohn, welcher ihm pro Stunden zusteht beträgt somit ca. 6,12 Euro. Davon können noch Unterkunft und Verpflegung abgezogen werden.
Dies ergibt einen Stundenwert von ca. 4,80 Euro bei voller Unterkunft und Verpflegung. Dieser Betrag muss dem Erntehelfer somit mindestens ausbezahlt werden.
Die Arbeitgeber sind angehalten, den Arbeitern den Tariflohn zu bezahlen. Des Weiteren muss der Lohn den Arbeitern direkt ausbezahlt werden.

Abfertigung
Die Abfertigung des landwirtschaftlichen Taglöhners ist als Stundenwert festgelegt. Sie ist auf jedem Lohnstreifen figurativ enthalten. Der Betrag ist auf dem letzten Lohnstreifen des Arbeitsverhältnisses ausgewiesen und muss dem Arbeiter ausbezahlt werden.