Südtiroler Landwirt, Produktion, Innovation | 20.11.2014

Mit Schafwolle düngen

Schafwolle ist ein wertvoller Rohstoff. Trotzdem muss sie in Südtirol oft entsorgt werden. Ein Bauer fand mit Hilfe des SBB-Innovationsschalters eine Lösung für dieses Problem. Nun werden andere Bauern gesucht, die ihre Schafwolle auch zu Dünger verarbeiten lassen wollen. von Lukas Unterhofer

Der „Südtiroler Schafwolldünger“ hat einen Stickstoffanteil von neun Prozent und kann bei Topfpflanzen, im Gemüse-, Obst- und Kräuteranbau sowie bei Zierpflanzen verwendet werden.

Der „Südtiroler Schafwolldünger“ hat einen Stickstoffanteil von neun Prozent und kann bei Topfpflanzen, im Gemüse-, Obst- und Kräuteranbau sowie bei Zierpflanzen verwendet werden.

Georg Theiner ist Biogemüsebauer und Schafzüchter aus Leidenschaft. Auf seinem Betrieb, dem Lechtlhof in Mals auf 1400 Meter über dem Meer, hält er an die 80 Jura-Schafe. Für die anfallende Schafwolle fand er bisher kaum Abnehmer. Nicht selten musste die an sich wertvolle Schafwolle entsorgt werden.
Dabei ist er nur einer von vielen Südtiroler Bauern, die dieses Problem haben. Deshalb machte er sich daran, eine Lösung zu finden. „Es ist wichtig, sich Problemen zu stellen und nicht wegzuschauen, selbst aktiv zu werden und sich bei Bedarf Unterstützung zu holen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen“, ist Theiner überzeugt.

SBB-Innovationsschalter hilft
Inspiriert von innovativen Ansätzen der Schafwollverwertung aus Deutschland und Österreich, machte sich Georg Theiner auf den Weg zum Innovationsschalter des Bauernbundes. Dort recherchierte man die Hintergründe, analysierte anschließend die Machbarkeit und suchte nach Möglichkeiten zur Umsetzung der Idee Theiners, Schafwolle aus Südtirol zu Dünger verarbeiten zu lassen.
Heute, knapp eineinhalb Jahre danach, kann der erste Erfolg eingefahren werden: Mit Josef und Johannes Winkler aus Lana konnten Partner für die konkrete Realisierung der Idee gefunden werden. Die beiden sind Schafzüchter und Betreiber zweier Geschäfte („Südtiroler Wollwelt“) und haben sich der Verarbeitung von Schafwolle verschrieben.

Bessere Verwertung der Südtiroler Schafwolle
Familie Winkler setzt sich schon seit mehr als 20 Jahren für eine bessere Verwertung der heimischen Schafwolle ein. „Es ist uns ein Anliegen, dass die Südtiroler Schafwolle verarbeitet, veredelt und damit aufgewertet wird. Dabei haben wir uns vor allem mit der Entwicklung verschiedener innovativer Produkte beschäftigt, wie Erosionsschutzmatten, Matten für den Garten- und Weinanbau und jetzt den Schafwolldünger“, erklärt Senior Josef Winkler.

Große Mengen Schafwolle ungenutzt
Ein Schaf liefert jährlich an die drei bis vier Kilogramm Wolle. In Südtirol gibt es etwa 50.000 Schafe mit einer Jahresproduktion von rund 150 Tonnen Wolle: Davon werden 60 Tonnen ins Ausland exportiert, 30 Tonnen werden hier im Land verarbeitet und die restlichen 60 Tonnen müssen entsorgt werden.
Eine Möglichkeit, dieser Tatsache entgegenzuwirken und gleichzeitig die Wertschöpfung in der Schafhaltung zu steigern, ergibt sich aus der Verarbeitung von Schafwolle zu Dünger. Der pelletierte organische Langzeitdünger hat einen Stickstoffanteil von neun Prozent und kann bei Balkon- und Topfpflanzen, im Gemüsebau wie auch im Obst- und Kräuteranbau sowie bei Ziersträuchern eingesetzt werden.

Abnehmer für Schafwolldünger gefunden
Vor der Markteinführung des Schafwolldüngers mussten die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen geprüft werden, was mit Hilfe des Innovationsschalters im Südtiroler Bauernbund, weiterer bauernbundinterner Experten sowie externer Fachleute gelungen ist.
Anschließend unterstützte der SBB-Innovationsschalter den Betrieb von Familie Winkler bei der Suche nach passenden Vertriebskanälen. Mit Erfolg: die Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft Südtirol (LHG) konnte als Exklusiv-Abnehmer der künftig produzierten Düngepellets aus heimischer Schafwolle gewonnen werden. Ab Frühling 2015 soll der organische, auch im biologischen Anbau zugelassene Dünger im Gartenmarkt der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft Südtirol erhältlich sein.
Schafwolle gesucht!
Um diesen Dünger herstellen zu können, braucht es nun die Unterstützung der Bauern, welche den einzigen Inhaltsstoff dafür liefern: Gesucht wird ungewaschene Südtiroler Schafwolle, welche Mitte Dezember in den verschiedenen Bezirken gesammelt wird. Die Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft stellt die dafür notwendigen Sammelplätze zur Verfügung: auf den Parkplätzen der Zweigstellen der LHG in Bruneck, Sterzing und Latsch. Für die gelieferte Wolle erhalten die Bauern entweder einen Gutschein für die Geschäfte der „Südtiroler Wollwelt“ oder der zustehende Betrag wird ausbezahlt.