Bauernbund | 28.11.2014

Günstige Rahmenbedingungen: Bauern sollen Bauern bleiben können

Die Reform der EU-Agrarpolitik und eine Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik des Landes stellen die heimischen Betriebe vor neue Herausforderungen. Günstige Rahmenbedingungen seien daher nötig, um die Bauernhöfe für die Zukunft zu rüsten, hieß es auf der Gebietsversammlung des Bauernbundes im Gadertal.

Vier weitere Familien aus dem Gadertal sind stolze Eigentümer eines Erbhofes.

Vier weitere Familien aus dem Gadertal sind stolze Eigentümer eines Erbhofes.

Die Reform der EU-Agrarpolitik ist bereits beschlossene Sache. Mit den Neuerungen können die heimischen Bauern recht gut leben. Weniger glücklich ist der Südtiroler Bauernbund mit immer neuen Bestimmungen aus Rom. „Besonders die Arbeitssicherheit und, ganz allgemein, die zunehmende Bürokratie machen nicht nur unseren Bauern zu schaffen“, sagte Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. Aber auch auf Landesebene stehen wichtige Entscheidungen für die Landwirtschaft an. „Die geplante Neuregelung der Landesraumordnung und des Landschaftsschutzes sind für uns von besonderem Interesse. Hier werden wir unsere Vorstellungen einbringen“, erklärte Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler.

Agrarpolitik des Landes wird neu ausgerichtet
Neu ausgerichtet wird auch die Landespolitik. Landesrat Schuler hat in St. Martin in Thurn erstmals die Grundsätze der neuen Landes-Agrarpolitik vorgestellt. So sollen zukünftig die Forschung und die Entwicklung ausgeweitet werden. „Nicht eine Allerweltsforschung, sondern die Landwirtschaft in den Bergen wird stärker im Mittelpunkt stehen“, so Schuler. Zudem sollen die Forschungseinrichtungen besser vernetzt werden. Ein zweiter Schwerpunkt liegt in der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. In den Genossenschaften stecke noch viel Potential, war Schuler überzeugt.
Ein Anliegen des neuen Landesrates ist die Stärkung der regionalen Kreisläufe. Besonders in der Fleischproduktion sieht Schuler gute Chancen. Daher müssten auch die kleinen Schlachthöfe in der Peripherie erhalten bleiben. Stärker als bisher soll die Landwirtschaft ökologisch ausgerichtet werden - auch durch eine gezielte Unterstützung. Ein weiterer Eckpunkt der „Reform“ ist die Risikovorsorge. Bauern sollten sich in Zukunft vermehrt gegen Marktrisiken absichern können. Und nicht zuletzt hat der Landesrat die Weiterentwicklung des ländlichen Raumes im Auge.

Weniger Bürokratie und Natura 2000
In der anschließenden Diskussion mit den Mitgliedern zeigten die Gadertaler Bauern, wo sie der Schuh drückt. Bauernbund-Gebietsobmann Manfred Vallazza kritisierte die verspäteten Zahlungen der Landeszahlstelle. Kritisch sehen die Bauern das Gülleverbot in den Natur 2000-Gebieten. Was seit Jahrhunderten gute landwirtschaftliche Praxis sei, könne nicht plötzlich verboten werden, lautete der Tenor. Eine bessere Zusammenarbeit wünschten sich einige Bauern mit der Landesverwaltung. Obmann Tiefenthaler hob die gute Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Tourismus hervor. „Besonders in einer Tourismushochburg wie dem Gadertal ist das von besonderer Bedeutung. Funktionieren Landwirtschaft und Tourismus, profitieren davon der Handel und das Handwerk.“ Bauernbund-Bezirksobmann Toni Tschurtschenthaler prangerte an, dass die Bäuerinnen und Bauern häufig zu Unrecht kritisiert würden, ohne dass die Kritiker die Realität kennen würden.

Vier Familien erhalten die Erbhofurkunde
Gleich vier Gadertaler Familien haben heute die Erbhofurkunde erhalten. „Die Urkunde wird verliehen, wenn ein Bauernhof seit mehr als 200 Jahren im Besitz einer Familie ist und es sich um einen geschlossenen Hof handelt“, erklärte Landesrat Arnold Schuler. Diese Auszeichnung sei Anerkennung, aber auch Auftrag, den Hof weiter zu bewirtschaften und der nächsten Generation zu übergeben. Neue stolze Eigentümer eines Erbhofes sind die Familien Genesio Costabiei (Cristl, Wengen), Pius Clara (Maier, St. Martin), Walter Trebo (Lüch de Tor, St. Martin) und Otto Pittscheider (Tlara, Abtei).