Bauernbund | 26.01.2015

Die Arbeit der Bauern besser erklären

Auf ein in jeder Hinsicht sehr bewegtes Jahr blickten die Bauern im Bezirk Vinschgau bei ihrer Bezirksversammlung in Schlanders zurück. Schwerpunkte waren auch hier die neue Förderpolitik des Landes und die anstehenden Gemeinderatswahlen. von Bernhard Christanell

Raimund Prugger blickte auf ein bewegtes erstes Jahr als Vinschger Bauernbund-Bezirksobmann zurück.

Raimund Prugger blickte auf ein bewegtes erstes Jahr als Vinschger Bauernbund-Bezirksobmann zurück.

Bezirksobmann Raimund Prugger hatte schon in seinem ersten Amtsjahr alle Hände voll zu tun. Nicht zuletzt die Diskussion über das Nebeneinander von Obstbau und Berglandwirtschaft im oberen Vinschgau, das Thema Abdrift und die Volksbefragung in Mals über den Einsatz von Pestiziden ließen die Wogen hochgehen. Prugger ist überzeugt, dass der Weg des Bauernbundes der richtige war: „Die Themen Pflanzenschutz und Abdrift sind nicht nur in Mals und im oberen Vinschgau aktuell. Zwei Dinge sind jetzt besonders wichtig: dass alle Beteiligten – auch die Obstbauern – ihre Hausaufgaben machen und Rücksicht auf ihre Nachbarn nehmen, vor allem aber, dass alle Beteiligten miteinander reden. Mit Gesprächen geht viel mehr weiter als mit Polemiken“, unterstrich Prugger.

Nässeschäden auch im trockenen Vinschgau
Auch das Landwirtschaftsjahr 2014 war im Vinschgau eher schwierig. „Das Wetter hat es vor allem mit den Bergbauern nicht gut gemeint“, erinnerte Prugger, „auch im sonst immer so trockenen Vinschgau hatten wir vielerorts Nässeschäden zu beklagen.“ Die Milchpreise seien zwar angemessen gewesen, die Unsicherheit im Hinblick auf die auslaufenden Milchquoten sei aber groß. Die laufende Diskussion über den Ausbau der Biomilch-Produktion im Obervinschgau beobachtet Prugger aus einer neutralen Warte: „Jeder Bauer muss sich selbst die Rechnung machen, ob sich der Umstieg für ihn und seinen Betrieb lohnt.“ Im Obstbau sei die Vermarktung zurzeit schwierig, die Bauern könnten nur auf eine Besserung hoffen. Noch Ausbaupotential sieht Prugger im Gemüseanbau und bei den Sonderkulturen. „Bei letzteren macht allerdings die Kirschessigfliege immer mehr Probleme. Wir hoffen, dass die Forschung hier bald Lösungen bieten kann“, betonte Prugger. Zuletzt sprach der Bezirksobmann auch noch die Bedeutung der Infrastrukturen im ländlichen Raum an: „Wie wichtig es für uns im Vinschgau ist, dass wir vor Ort die notwendigen Einrichtungen haben, sieht man an den beiden Fachschulen in Kortsch und an der Fürstenburg. An beiden Schulen haben wir nun erstmals eine Maturaklasse. Genauso wichtig und dringend notwendig ist für uns Vinschger aber auch das Krankenhaus in Schlanders.“

Schuler: Themen am "runden Tisch" frühzeitig klären
Wie Prugger hat auch Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler ein turbulentes erstes Amtsjahr hinter sich gebracht. Vor allem das Spannungsfeld zwischen der Landwirtschaft und der Gesellschaft sei in den vergangenen Jahren immer offener zu Tage getreten. Um Polemiken und Eskalationen in Zukunft zu vermeiden, wolle man in Zukunft die einzelnen Interessensgruppen frühzeitig an einem Tisch versammeln und nach Kompromissen suchen. „Dafür haben wir einen runden Tisch eingerichtet, an dem Vertreter des Bauernbundes sowie des Natur- und Umweltschutzes ebenso sitzen wie die zuständigen Beamten“ Wo die Bedürfnisse der Landwirtschaft und jene der landwirtschaftsfernen Gesellschaft aufeinandertreffen, gebe es viele Emotionen. „Wir müssen alle gemeinsam versuchen, die Arbeit der Bauern noch besser zu erklären und auch zu zeigen, welch positive Entwicklung die Landwirtschaft in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schon gemacht hat“, unterstrich Landesrat Schuler. Die Bäuerinnen und Bauern seien innovativ und immer für neue Ideen zu haben, sie als rückständig und unaufgeschlossen zu bezeichnen, sei „eine Beleidigung für den gesamten Bauernstand“.

Keine Landesgelder mehr für Schlachthof Meran
Schuler ging ausführlich auf die neuen Förderrichtlinien des Landes ein: „Wir haben jetzt zwar wieder mehr Geld zur Verfügung als in den vergangenen Jahren, müssen damit aber erst einmal die Rückstände abbauen, die sich mit den Förderansuchen der vergangenen Jahre angehäuft haben“, erklärte Schuler. Die Fördergelder sollen auf jeden Fall vermehrt in Richtung Berglandwirtschaft fließen und zielgerichteter ausbezahlt werden. Unter anderem sollen Stall und Stadel mehr gefördert werden, Jungbauern und Biobetriebe sollen einen Zuschlag erhalten. Die Tiergesundheitsprämie soll – wenn auch in reduziertem Ausmaß – erhalten bleiben. Die einzelnen Tierzuchtverbände müssten ihre Zusammenarbeit noch wesentlich verstärken, sonst werde es Konsequenzen – sprich Kürzungen – geben. Von den bestehenden großen Schlachthöfen sollen künftig nur noch jene in Brixen und Bozen mit Landesgeldern gefördert werden, jener in Meran nicht mehr.

Rinner: Bäuerliche Vertretung auf Gemeindeebene sichern
Bauernbund-Direktor Siegfried schwor die Bäuerinnen und Bauern darauf ein, bei den Gemeinderatswahlen eine starke Vertretung der Landwirtschaft in den Gemeindestuben zu sichern: „In den Gemeinden fallen sehr viele Entscheidungen, von denen die Bauern in ihrer täglichen Arbeit direkt betroffen sind. Wir brauchen daher vor allem auch auf Gemeindeebene Leute, die sich in der Landwirtschaft auskennen und die Interessen der bäuerlichen Familien vertreten.“ Das Ziel des Bauernbundes sei es, in jeder Gemeinde zumindest einen bäuerlichen Referenten zu haben und dort, wo die Chance darauf besteht, auch einen bäuerlichen Bürgermeister. „Jeder von euch ist selbst vor Ort dafür verantwortlich, wie es mit der Landwirtschaft draußen in den Dörfern weitergeht“, appellierte Rinner und rief die Anwesenden auf, sich als Kandidaten zur Verfügung zu stellen und bei den Wahlen im Mai auch die Landwirtschafts-Vertreter zu unterstützen.

Tiefenthaler: Brauchen fähige Leute in den Gemeinden
In dieselbe Kerbe schlug auch Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler: „Wir brauchen auch in den kommenden fünf Jahren dringend fähige Leute in unseren Gemeinde, die im Sinne der Landwirtschaft arbeiten.“ Er hoffe, dass für die zurzeit blockierten Förderungen bald wieder Ansuchen gestellt werden können. Vor allem die Obstbauern rief Tiefenthaler dazu auf, beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln Vorsicht walten zu lassen und auf die Nachbarn Rücksicht zu nehmen.